Michael Preuß, Fußballtalent aus Wernigerode, hat mit dem Halleschen FC den Sprung in die 3. Liga geschafft. Bis dort hin war es für den 28-Jährigen allerdings ein langer Weg.

Wernigerode l Die zwei vergangenen Jahre verliefen für den gebürtigen Wernigeröder wie am Schnürchen: Zuerst schaffte er als erfolgreichster Oberliga-Torschütze 2010/11 mit dem VfB Germania Halberstadt vor einem Jahr den Regionalliga-Aufstieg. Es folgte der Wechsel zum Halleschen FC, mit dem er prompt im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt auflief und in der Hinrunde zum Stammspieler gehörte. In 27 Partien trug er mit seinen Toren wiederum zum nächsten Aufstieg und dem Regionalliga-Staffelsieg bei. Seit diesem Frühjahr steht fest, dass Preuß auch 3. Liga spielen wird. An der Saale hat er seinen Vertrag kürzlich um ein Jahr verlängert.

Für den rechten Außenstürmer genießen beide Aufstiege Besonderheit, stehen auf einer Stufe, wenngleich "beim zweiten mehr Leute dabei waren". Dass es für den Blondschopf fußballerisch noch einmal so steil nach oben geht, war nicht unbedingt zu erwarten. Klar, im Harz zählte er seit seiner Jugend zu den Auffälligsten, der Sprung nach oben sollte aber zunächst nicht gelingen. Sein erster Wechsel zum VfB Germania 2003 verlief kaum optimal, der junge Preuß wechselte zurück zu seinem Stammverein Germania Wernigerode. Am Kohlgarten schaffte er den Landesliga-Aufstieg, wechselte danach zum SV Stahl Thale. Er selbst beschloss für sich selbst, dass "ich es noch einmal wissen wollte". Andreas Petersen, Trainer in Halberstadt, hatte ihn zuvor mehrfach zurück in den Vorharz lotsen wollen, Preuß hatte abgesagt. "Dann habe ich bei Andreas Petersen angerufen und gefragt, ob das Angebot noch steht", so Preuß. Dessen positive Antwort und der Mut des 28-Jährigen ebneten den aktuell anhaltenden Karriereaufstieg, wenn auch spät, denn mit 26 war der Wernigeröder 2010 inzwischen nicht mehr der Jüngste.

Dass er innerhalb von zwei Jahren zwei Mal aufsteigt, dass hatte er selbst wohl nicht erwartet. "Da gehört auch immer Glück dazu. Wenn dann das Team wie in Halberstadt und jetzt in Halle so stimmig ist, einfach alles passt, kann es eben aber auch ganz schnell gehen."

Trotz der weiter ansteigenden Belastung beim HFC, in der Rückrunde stoppte ihn eine Knöchelverletzung ("Sechs Mal Training machen sich bemerkbar."), freut sich Preuß auf die neue Liga. "Gegner wie Hansa Rostock, der Karlsruher SC und Alemannia Aachen sind schon sehr reizvoll!"

Obwohl der Wernigeröder an der Saale nicht mehr arbeiten muss, er weiß, was es heißt, im Schichtsystem zu "ackern". Noch während seiner Zeit beim VfB Germania musste Preuß Privates, Beruf und Fußball im Vier-Schicht-System unter einen Hut bringen. Bei seinem (ehemaligen) Arbeitgeber KSM Castings steht ihm weiterhin eine berufliche Zukunft offen. "Sollte es fußballerisch nicht weiter gehen, kann ich in die Firma zurück, das hat mein Chef beim Abschied 2011 so mit mir vereinbart."

Zwei seiner früheren Trainer erinnern sich an die Zusammenarbeit. Herbert Reulecke, der ihn bei Germania Wernigerode im Nachwuchs- und Herrenteam und später in Thale betreute: "Seine Stärken sind Schnelligkeit, Kondition und Ballgefühl. Er war mein bestes Pferd im Stall!" Andreas Petersen, mit dem er weiter in Kontakt steht, schätzt seinen Fleiß: "Er hat mit seinem Willen und Mut gezeigt, dass man den Sprung aus der Landesklasse schaffen kann. Wer so hart dafür arbeitet, hat es verdient. Zudem spielt er sich nicht als Superman auf, ist ein Fußballer mit Herz und weiß, wo er hingehört."