Jeder Sportler ärgert sich über ein verlorenes Spiel oder einen verpatzten Lauf. Mit Stolz wird der Sieg über den aktuellen Tabellenführer der Kreisliga nach dem Abpfiff  mit Bier und Bratwurst gefeiert. Jeder, der über viele Jahre Sport treibt und als Zuschauer verfolgt, hat unzählige Siege und Niederlagen erlebt. Geschichten über diese Ereignisse können ganze Abende füllen. Denn jeder weiß etwas über sein schönstes oder traurigstes Spiel zu erzählen. Manchmal spielt dabei auch gar nicht einmal das Ergebnis eine Rolle. Mancher Sportler schaffte es nah an die Profikarriere heran, anderen gelang es als ambitionierte Freizeitkicker den FCM zu schlagen. Zum letzten Tag des Jahres blicken die Redakteure der Harzer Volksstimme auf ihre schönsten und emotionalsten Erlebnisse als aktiver Sportler und Zuschauer zurück.

Schönstes Erlebnis Sportler:

Bis zum 27. Lebensjahr war ich etwa 20 Jahre lang aktiver Handballer in Haldensleben. In dieser Zeit habe ich viele schöne Siege gefeiert. Spontan fallen mir die Relegationsspiele mit der B-Jugend ein, als wir es Mitte der 1990-er Jahre schafften, uns als eine der ersten Mannschaften im Verein, für die Oberliga Sachsen-Anhalt zu qualifizieren. Etwa um die Jahrtausendwende unterstützte ich dann unsere zweite Männermannschaft im entscheidenden Spiel um den Aufstieg in Weferlingen. In fremder Halle gelang uns das Meisterstück. Gegen Weferlingen ging es dann wiederum einige Jahre später erneut um den Aufstieg, nun zur Verbandsliga Nord. Inzwischen war ich Trainer des HSV Haldensleben II. Spiele gegen den MTV waren heiß umkämpft, echte Derbys eben. Am vorletzten Spieltag hatten wir Heimrecht. Es war der 11. April 2008, ein Freitagabendspiel.

Mehr als 500 Zuschauer strömten in die proppevolle Ohrelandhalle. Wir setzten uns mit 28:26 durch und übernahmen so Platz eins, den bis dato Weferlingen inne hatte. Am letzten Spieltag folgte ein weiteres Derby. Es ging zum HSV Colbitz, damals eine extrem heimstarke Truppe, die über das Physische kam. Kein Zuckerschlecken. Ich wusste, dass es extrem emotional werden würde, ein Vermittler bzw. eine Art Moderator – gerade mit Blick auf die Unparteiischen und die gegnerische Trainerbank – war meine Idee. Ich bat Ingolf Wiegert, damals Cheftrainer unserer ersten Mannschaft darum, uns als „Co-Trainer“ zu begleiten. Er sagte sofort zu, wofür ich ihm noch heute dankbar bin. Denn ich weiß nicht, ob die Partie nach ausgeglichener erster Halbzeit auch ohne seine Anwesenheit am Ende noch deutlich für uns ausgegangen wäre. Wir hatten jedenfalls den Aufstieg perfekt gemacht und feierten diesen Erfolg überschwänglich. Herausragend ist es darum, weil man es immer als Team erlebt und es so viel intensiver ist.

Schönstes Erlebnis Zuschauer:

Auch hier gibt es nicht das eine Erlebnis. Meine Sportbegeisterung habe ich als Zuschauer oft ausgelebt: 2004 per Auto und 2500 Kilometer Anfahrt zur Olympia-Vorrunde im Handball nach Athen, 2006 bei der Biathlon-Damen-Staffel in Cesana San Sicario bei den Olympischen Spielen von Turin, das Handball-Olympia-Viertelfinale zwischen Dänemark und dem späteren Silbermedaillengewinner Schweden 2012 in London. Am stimmungsvollsten sind allerdings immer Ausflüge bei Fußball-Großturnieren gewesen. Sehr einprägsam war die WM 2010 in Südafrika und hier das 1:0 der Deutschen im letzten Gruppenspiel gegen Ghana. Beeindruckend war zum einen das riesige Soccer-City-Stadium von Johannesburg und zum anderen die perfekte Stimmung der zig Tausend mitgereisten DFB-Fans. Noch Stunden nach dem Abpfiff tanzten wir lautstark auf den Treppen und Aufgängen.