Halberstadt l Beim VfB Germania Halberstadt hat es einen Führungswechsel gegeben. Der bisherige Präsident Olaf Herbst hatte um Neuwahlen gebeten und stellte wie angekündigt nach 18 Jahren sein Amt zur Verfügung. Am Mittwochabend (4. April) wählten die Delegierten das neue Präsidium mit Erik Hartmann (43) als neuem Präsidenten an der Spitze. Und der plant Veränderungen, die vor allem den Fußball betreffen könnten.

Der Rechtsanwalt aus Halberstadt ist seit zehn Jahren wieder Mitglied im Verein. Mitte der 1980er Jahre spielte er selber Fußball bei der BSG Lok Halberstadt, später beim SV Langenstein und der SpVgg Thale – hier übrigens unter Trainer Andreas Petersen, bekanntlich nun „Chef“ beim Viertligisten. Unter Frank Lieberam erlebte Hartmann die stetige positive Entwicklung der ersten Männermannschaft. Der mündete 2003 in den lang ersehnten Aufstieg in die NOFV-Oberliga Süd. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn 2004 zog er sich zurück.

Soziale Komponente beim Nachwuchs

In Gesprächen mit Vereinsmitgliedern wurde Hartmann zuletzt bewusst, dass die „ideelen Grundprinzipien des Vereins gefördert und ausgebaut werden müssen“. Hier wurde er präziser und unterstrich: „Es geht nicht vorrangig darum, was wir wollen, sondern was wir können.“ Hartmann zitierte zudem die Satzung, in der den Begriffen „gemeinnützig und Amateursport“ eine große Bedeutung zukommt. „Das Streben nach sportlichen Erfolgen ist nur ein Teil unserer Arbeit“, verdeutlichte er die große soziale Komponente, gerade im Nachwuchsbereich.

Dass das Folgen für das Aushängeschild, die Männer-Fußballmannschaft, die von der Fußball GmbH geführt wird, hat, wurde spätestens da jedem bewusst. Der Verein hat mehr als 50 Prozent Anteile an dieser GmbH, entsprechend unterliegt sie dem Gesamtverein. In Halberstadt trainieren die Fußballer unter Profi-Bedingungen.

Zurück zum Amateuersport

Hartmann, der die Arbeit von Petersen ausrücklich lobte, machte klar: „Wir definieren uns nicht allein über die Fußballer. Sie sind ein Teil des Ganzen. Alle anderen Abteilungen sollen auch etwas vom Kuchen abbekommen.“ Seiner Auffassung nach kollidieren der aktuelle Spielbetrieb in der Regionalliga und die Vereinsphilosophie miteinander. Hartmann strebt eine Art Halbprofistatus an. Er wolle die Rückkehr der Fußballer zum Amateursport erwirken. „Wenn möglich, gern in der Regionalliga, denn ich will die Regionalliga auch – das steht außer Frage.“ Für die Spieler hieße das: ein 20-Stunden-Job neben dem Fußball-Dasein – das möglichst in Halberstadt und Umgebung. „Wir wollen weg von der großen Fluktuation, hin zur Identifikation der Fußballer mit Verein und Stadt.“

Im Gesicht von Trainer Petersen war sehr gut abzulesen, dass er mit dieser Vereinszukunft kaum einhergeht. „Ich muss mir nun intensiv Gedanken machen, wie es für mich in Halberstadt weitergeht. Regionalliga unter Amateurbedingungen – das bedeutet den Abstieg.“