Halberstadt l Am Mittwoch ist der Regionalligist ab 13 Uhr zu Gast beim Oberligisten 1. FC Lok Stendal. Auf dem Papier ist die Sache klar: Lok Stendal geht als Underdog in das Landespokal-Halbfinale gegen Regionalligist Germania Halberstadt. Doch die Ergebnisse vom vergangenen Wochenende können den Altmärkern Mut machen. Lok kletterte durch einen 2:0-Heimsieg gegen die viertplatzierte Hertha aus Zehlendorf auf Rang 14. Halberstadt (Platz 8) vergeigte die Generalprobe und verlor trotz Überzahl gegen den ZFC Meuselwitz (Rang 13) 1:2.

Für beide Teams geht es im Stadion „Am Hölzchen“ bereits im Halbfinale um den wahrscheinlichen Einzug in den DFB-Pokal. Denn: Schlägt Drittligist Hallescher FC im zweiten Semifinale Askania Bernburg, ist der Finalgegner des HFC auch als Verlierer qualifiziert, weil die ersten vier Teams der Dritten Liga beim DFB-Pokal dabei sind. Und Halle hat Platz vier bereits sicher.

Gleiche Situation wie in vergangener Saison

Damit steht Lok Stendal exakt vor der gleichen Situation wie in der vergangenen Saison. Vor einem Jahr löste Lok das DFB-Pokalticket im Halbfinale beim Verbandsligisten Blau-Weiß Zorbau. Mit einem schwer erkämpften 1:0 zogen die Altmärker ins Endspiel ein. Dort wartete der Drittliga-Meister 1. FC Magdeburg, der bereits über die Liga für den DFB-Pokal qualifiziert war. Den Profis mussten sich die Altmärker knapp mit 0:1 geschlagen geben.

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Auch die Germania profitierte schon einmal vom guten Abschneiden des FCM. 2017 reichte dem VfB Germania der Einzug ins Endspiel (hier unterlag man den Magdeburgern ebenfalls mit 0:1), um an der folgenden ersten DFB-Pokal-Hauptrunde teilzunehmen. Hier kam es gegen Erstligist SC Freiburg bekanntlich zum „Familienduell“ Andreas gegen Nils Petersen (1:2).

Wichtigste Spiel der Saison

Aufgrund der aktuellen Konstellation bestreiten Stendal und Halberstadt morgen damit vermutlich das wichtigste Spiel der Saison. Auf dem Weg ins Halbfinale hatten die Halberstädter mit Problemen gegen unterklassige Teams zu kämpfen. Gegen Verbandsligist Edelweiß Arnstedt und gegen Union Sandersdorf (Oberliga) musste Germania in die Verlängerung. Lok Stendal fertigte zuletzt Oberligist VfL 96 Halle im Viertelfinale mit 5:1 ab.

Mit „Endspielen“ scheinen die Gastgeber, in deren Reihen mit Patrick Baudis und Martin Krüger zwei ehemalige Germanen stehen, derzeit mehr Erfahrung zu haben. Seit Wochen geht es in jedem Punktspiel durch die schwierige Lage in der Liga um Zähler für den Klassenerhalt. Jede Partie stellt so ein kleines Finale für Lok dar. Die Germania ist indes im Niemandsland der Regionalliga unterwegs, ohne Ambitionen nach oben oder unten.

Das lohnende Ziel DFB-Pokal

Bei den Gästen aus dem Vorharz geht man demütig an das Halbfinale. Präsident Erik Hartmann weiß um das lohnende Ziel DFB-Pokal, sieht die Chancen dennoch bei 50:50. „Es ist ein Auswärtsspiel bei einem Oberligisten. Klar, wir haben den Klassenerhalt schon geschafft, Stendal noch nicht, aber diese K.o.-Partien haben bekanntlich ihren eigenen Charakter. Ich hoffe auf ein gutes Spiel und ein gutes Ende für uns. Zeigen wir die Tugenden, die uns in der Liga bis auf Platz acht geführt haben, glaube ich schon, dass der krönende Saisonabschluss mit dem Pokal-Endspiel möglich ist.“

Trainer Max Dentz schickt seine stärkste Elf ins Rennen, „mit dem Wissen, dass wir trotzdem Alternativen und viele Joker auf der Bank sitzen haben“. Einen Favoriten sieht er nicht: „Egal ob Oberligist oder Regionalligist, das sind völlig andere Bedingungen.“ Gastgeber Lok hat der 30-Jährige genau unter die Lupe genommen, vor 14 Tagen war er beim Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock II (1:0) mit Co-Trainer Enrico Gerlach vor Ort. „Die Mannschaft kommt über eine defensive Grundordnung. Stendal wird mit Leidenschaft auftreten, versuchen, uns ins Zweikämpfe zu verwickeln. Lok hat eine gewisse Robustheit, das Team lebt von der Mentalität.“ Mit Spekulationen im Vorfeld beschäftigt sich Dentz nicht. „Die Partie HFC gegen Askania Bernburg ist außen vor. Unser Saisonziel war von Beginn an der Klassenerhalt und das Landespokal-Finale. Alles andere wäre Bonus.“

Stendal lebte über Jahre auch von der tollen Zuschauerkulisse. In dieser Saison kamen bisher 341 im Schnitt (zum Vergleich: Germania 536). In diesem besonderen Spiel dürften es weit mehr als 341 werden. „Es gibt doch nichts Angenehmeres, als ein Pokalduell mit Stimmung und Emotionen“, so Trainer Dentz. „Letztlich ist das auch immer Anerkennung für beide Teams und diesem Rahmen auch würdig. Ich denke, dass auch viele Halberstädter Fans kommen werden.“