Blankenburg l Sport sorgt in verschiedenen Situationen für vielfältige Emotionen. Jeder Sportler ärgert sich über ein verlorenes Spiel oder einen verpatzten Lauf. Mit Stolz wird der Sieg über den aktuellen Tabellenführer der Kreisliga nach dem Abpfiff  mit Bier und Bratwurst gefeiert. Jeder, der über viele Jahre Sport treibt und als Zuschauer verfolgt, hat unzählige Siege und Niederlagen erlebt. Geschichten über diese Ereignisse können ganze Abende füllen. Denn jeder weiß etwas über sein schönstes oder traurigstes Spiel zu erzählen. Manchmal spielt dabei auch gar nicht einmal das Ergebnis eine Rolle. Es sind die Umstände und vielleicht kleinen Randnotizen. Mancher Sportler schaffte es nah an die Profikarriere heran, anderen gelang es als ambitionierte Freizeitkicker den 1. FCM zu schlagen. In der heutigen Ausgabe blicken Freizeitläufer Gerald Eggert aus Halberstadt und Rodelfunktionärin Dr. Karin Hüfner aus Blankenburg auf ihre schönsten und emotionalsten Erlebnisse als aktiver Sportler und Zuschauer zurück.

Schönstes Erlebnis als Sportlerin:

Ich bin in einer sportbegeisterten Familie aufgewachsen und habe seit meiner Kindheit persönlich sehr viel Sport getrieben. Das hat sich natürlich auch auf die Erziehung unserer Kinder ausgewirkt hat. Meine sportliche Leistungen waren nicht so herausragend. Zur Freude meiner Eltern meldete ich mich mit dem Schulbeginn in der 5. Klasse zum Handballtraining an. Ich war nicht besonders schnell, dennoch versuchte ich gemeinsam das Handball-ABC mit mehreren Mädchen meiner Klasse zu erlernen. Unser erstes Trainingslager in der Jugendherberge im Selketal war für mich ein persönlich großer Erfolg. Als einzige Spielerin wurde ich mit einem Präsent in Form eines Buches ausgezeichnet, da ich nach der Ansicht unserer Trainerin den größten Fortschritt erzielt hatte. Mit diesem Team erkämpfte ich gleich zweimal einen Podiumsplatz bei der Kreis-, Kinder- und Jugendspartakiade in der Deutschen Demokratischen Republik.

Schönstes Erlebnis als Zuschauerin:

Das Größte, das sich jede junge Sportlerin erträumt, sind die Olympischen Spiele. Durch die leistungssportliche Rennrodel-Entwicklung unserer Tochter Tatjana durfte ich das große Glück haben und als Mutter und Zuschauerin bei den Olympischen Spielen dabei sein. Rund eineinhalb Jahre lang planten wir mit unseren Freunden und Familienmitgliedern diese Reise in das kanadische Vancouver 2010, um dort die Olympischen Winterspiele live mitzuerleben. Es war einfach einzigartig, welche Momente wir dort erfahren durften. Meiner Tochter Tatjana wurden im Vorfeld gute Chancen auf eine Medaille im Rodelwettbewerb eingeräumt. Dieser Wettbewerb findet mit vier Rennläufen an zwei Tagen statt.

Am ersten Tag hatten wir uns an der Strecke mit unseren Bannern und Plakaten aufgebaut und standen dabei im tiefen Schnee. Wir sahen den Wettkampf ziemlich aus der Ferne von einem kleinen Hügel aus und waren ständig von kanadischen Fans und Zuschauern umringt. Von ihnen erfuhren wir, dass alle Zuschauer auch die Zieltribüne ohne spezielle Tickets nutzen können. Nach dem ersten Lauf lag Tatjana noch auf Rang drei, ehe sie sich mit einem fehlerfreien Lauf an die Spitze des Feldes zur Halbzeit setzte. Der zweite Wettkampftag war dann an Spannung kaum zu überbieten. Unsere Tochter lag aussichtsreich auf Medaillenkurs.

Bei strömendem Regen fuhren wir zu 5 Uhr Ortszeit von Vancouver nach Whistler hoch in die Berge. Das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, denn wir waren mit die ersten Personen an der Bahn und standen nun ganz vorn auf der Tribüne im Zielbereich. Die Kanadier selbst hatten mit ihrer Athletin Alex Gough ebenfalls eine Topfavoritin mit Medaillenambitionen am Start. So hieß es für alle Zuschauer: „Daumen drücken für alle, die Beste soll gewinnen.“ Die Begeisterung der Zuschauer, die auf der Tribüne gesessen haben, war für mich der beeindruckendste Moment, den ich je erleben durfte. Und dann war es soweit. Nach zwei weiteren erfolgreichen Läufen hatte es Tatjana geschafft. Sie wurde Olympiasiegerin vor unseren Augen. Nachdem mich ein Großteil der Anwesenden als Mutter der Olympiasiegerin „ermittelt“ hatte, kamen von allen Seiten Hände auf mich zu. Ich wurde abgeklatscht, man bekam Schulterklopfer und Umarmungen.

Leider kann ich nicht besonders gut Englisch, doch ich denke, dass ich die Glückwünsche richtig verstanden habe. Schließlich gab es noch eine weitere Krönung. Mein Bruder, der ein paar Reihen hinter mir saß, sagte mir, dass sich jemand für meine Schwarz-Rot-Gold angepinselte Rassel interessieren würde. Ich sagte sofort zu und reichte sie nach hinten durch. Im gleichen Moment trat von dort aus eine rote Steppweste der Kanadischen Einkleidung seinen Weg nach vorne zu mir an. Man wollte also nicht einfach etwas bekommen, sondern man tauschte mit mir. So habe ich eine einzigartige „ Trophäe“ von den Rodelwettbewerben der Olympischen Winterspiele in Vancouver/ Whistler 2010 erhalten. Unsere Tochter hat mir im Anschluss der „Flower Ceremony“, die Auszeichnung findet vor der Vergabe der Medaillen statt, ihren Blumenstrauß überreicht. Dieser erwies sich ebenfalls als „Trophäe“. Nicht nur einmal kamen Passanten oder kanadische Fans auf der Straße direkt auf mich zu und fragten:„Herzlichen Glückwunsch, du hast eine Medaille?“ Wie wir später beobachteten, bekamen alle Medaillengewinner während dieser Spiele genau solch einen Blumenstrauß. Er stand noch lange bei uns zu Hause in der Veranda. Ein Erlebnis, das für mich prägend bleibt.