Magdeburg l Die Zahlen, die Thomas Schulze nennt, klingen bedrohlich. Von den 21 Fußball-Landesverbänden in Deutschland hat einzig Sachsen-Anhalt keinen Spielbetrieb für A-Junioren auf Kreisebene. Rund 1080 der Nachwuchsspieler sind für Männermanschaften in der Region aktiv – fehlen somit ihren A-Jugend-Teams.

Die Folge: In den beiden vergangenen Saisons haben sich zwischen zehn und fünfzehn A-Jugend-Mannschaften aus dem laufenden Spielbetrieb zurückgezogen. „Die Vereine bekommen die Mannschaften einfach nicht mehr voll“, sagt Schulze, Vorsitzender des Jugendausschusses des Fußballverbands Sachsen-Anhalt (FSA). Der Jugendvorstand und -ausschuss wollen gegensteuern, „denn wenn das so weitergeht, haben wir bald eine Lücke zwischen der B-Jugend und den Herren. Bei den Herren werden dann keine Spieler mehr ankommen. Wir müssen die A-Jugend stärken“, sagt Schulze. Wie das gelingen kann, auch dafür hat der FSA einen Vorschlag: Eine Sondergenehmigung aus der Jugendordnung soll gestrichen werden.

Schulze will Sondergenehmigung streichen

Konkret geht es um einen Passus in Paragraf 11, der es 17-jährigen Spielern erlaubt, in Männermannschaften eingesetzt zu werden, wenn sie eine ununterbrochene Spielerlaubnis für den Verein im letzten Jahr hatten. „Vor zwei Jahren haben wir festgestellt, dass die Männer-Mannschaften große Schwierigkeiten hatten, ihre Teams vollzubekommen“, erklärt Schulze den Ursprung dieser Sondergenehmigung. Mittlerweile hat sich die Lage bei den A-Junioren jedoch drastisch verschärft.

Allerdings gibt es auch Gegenwind, besonders vom Landtagsabgeordneten Carsten Borchert (CDU) aus Salzwedel, der sich vehement gegen eine Streichung der Sondergenehmigung wehrt. Sein Argument: Gerade auf dem Land sei ein Spielbetrieb der Männer ohne die A-Junioren kaum möglich. Ihm sei es nun „vorerst gelungen, dass dieser Tagesordnungspunkt von der Liste verschwand“, sagte Borchert nach der Vorstandssitzung des FSA in Neugattersleben am Wochenende.

Antrag wird zurück genommen

Schulze hat allerdings eine etwas andere Sicht auf die Ereignisse am Wochenende. Es sei richtig, dass über die U-17-Regel nicht abgestimmt wurde, „weil die Vereine, die auf Landesebene spielen, ihre Mannschaften schon bis zum 20. Juni gemeldet hatten“, sagt Schulze. Natürlich inklusive A-Jugendlicher. „Im Nachhinein als FSA da dazwischenzugrätschen, wäre unglücklich gewesen. Deshalb wurde der Antrag zurückgenommen.“

Für die kommende Saison bleibt somit beim Spielrecht für Junioren alles beim Alten. Heißt auch: Haben A-Junioren keine altersgerechte Spielmöglichkeit im eigenen Verein oder einem Verein in der Umgebung, können sie zu den Männern. Ebenfalls, wenn sie unter die Talentförderung fallen.

Im September soll der Antrag mit Blick auf 2021/22 neu gestellt und diskutiert werden.