Magdeburg l Routen schnell und präzise laufen, Bälle zielgenau werfen und fangen, Gegenspieler blocken und tackeln – all das gehört für gewöhnlich zum Trainingsalltag für die Magdeburg Virgin Guards. Unter normalen Umständen wäre die Saisonvorbereitung der American Footballer für die Spielzeit 2021 bereits in vollem Gange. Die anhaltende Corona-Pandemie zwingt die Sudenburger allerdings vor deren PCs statt auf den Trainingsplatz.

Als Einzelspieler wachsen

„Wir absolvieren einen Online-Wettkampf, um die Jungs bei Laune zu halten“, erzählt Cheftrainer Harald Voelkel. Statt Einheiten in großer Runde von 30, 40 oder 50 Mann sind es so zumeist Workouts alleine. „Die aktuelle Situation ist das komplette Gegenteil von dem, worauf es im Football ankommt“, meint Voelkel nicht zu Unrecht. „Eigentlich geht es darum, als Team stärker zu werden und zu wachsen. Jetzt aber muss sich jeder selbst fördern, für sich individuell den nächsten Schritt gehen.“

Um diesen zu erleichtern, hat sich Voelkel ein Online-Programm einfallen lassen. Neben dem sportlichen Wettkampf innerhalb der einzelnen Positionsgruppen sieht dieser auch virtuelle Theorie-Stunden für die verschiedenen Mannschaftsteile vor. Die Entwicklungen in den vorgegebenen Kraftübungen und im taktischen Verständnis kontrolliert der Coach in Tests, notiert sich die Resultate und kührt alle zwei Wochen die Topspieler jeder Position virtuell.

Idee wird gut angenommen

„Bisher kommt die Competition sehr gut an“, resümiert Voelkel vor der heute Abend startenden dritten Auflage zufrieden. „In den theoretischen Einheiten sind die Jungs sehr anwesend, arbeiten gut mit und beweisen, dass sie verstehen, was wir auf dem Feld vorhaben. Und im sportlichen Bereich wurde der Wettkampfcharakter innerhalb der Mannschaft sehr gut angenommen.“

Die Großen und Schweren glänzen

Besonders gilt dies für die großen und schweren Akteure, die in der Abwehrfront als Defensive Liner oder Linebacker spielen. „Auf der Positionsgruppe ist ein richtiges Feuer entfacht“, berichtet Voelkel und scherzt: „Ich glaube, online gibt es keine Trainingsgeräte mehr zu kaufen, weil die Jungs sich alle eingedeckt haben, um den nächsten Wettkampf zu gewinnen.“

In puncto Beteiligung weiß hingegen das Pendant aus der Angriffsreihe, die Offensive Line, wieder zu glänzen. „Wie auch draußen auf dem Feld ist auf sie Verlass“, so Voelkel. „Die Offensive Line ist bei den meisten Vereinen oftmals als kleine Problemgruppe bekannt. Bei uns ist das Gegenteil der Fall. Die Jungs sind, was den Einsatz und Willen angeht, immer ganz weit vorne dabei.“

Fehlende Motivation ist kein Problem

Ohnehin ist es den Virgin Guards schon in den vergangenen Monaten hervorragend gelungen, sich zu motivieren. „Es ist toll, wie das Team dieses schwierige Corona-Jahr überstanden hat. Obwohl wir die meiste Zeit voneinander getrennt waren, war der Zusammenhalt überragend“, lobt Voelkel. „Wir haben in dieser Zeit nochmal einen unglaublichen Schritt nach vorne gemacht.“

Einzig dass die Sudenburger diese Entwicklung coronabedingt in keinem einzigen Spiel beweisen konnten, schmerzt nachhaltig. Insbesondere, weil der Coach seine Mannen „ready to play“ – gewappnet für den Ernstfall – sah. Mehr noch: „Was Technik und Spielverständnis angeht, habe ich noch keine Virgin-Guards-Team gesehen, dass weiter war, als wir es im Herbst gewesen sind.“

Neue Saison steht in den Sternen

Nun allerdings bleibt es Makulatur, was mit diesem Team, das in der Vorsaison schon im Endspiel um die Regionalliga-Meisterschaft gestanden hatte, 2020 wohl möglich gewesen wäre. Darüber macht sich Voelkel keine Gedanken. Viel mehr geht sein Blick bereits auf die neue Spielzeit. „Wann diese losgehen soll, ist noch nicht bekannt“, erzählt er, „ich glaube aber nicht, dass wir vor Juni starten werden können.“

Eine nächstes Fragezeichen steht hinter der Spielklasse, in der die Garde in der bevorstehende Saison auflaufen soll. Zwar ließ der Verband bereits verlauten, dass die Süd-Staffel der drittklassigen Regionalliga Ost in der Zusammensetzung bestehen bleiben soll. „Aber keiner weiß, wie es in anderen Vereinen aussieht. Ob die Kader einen Spielbetrieb ermöglichen oder ob das von den Vereinen überhaupt gewollt ist“, äußert Voelkel seine Bedenken.

So bleibt die teaminterne Online-Competition – zumindest auf auf absehbare Zeit –wohl der einzige Wettkampf für die Footballer der Magdeburg Virgin Guards.