Magdeburg l In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ist so mache Sportart heimisch, die man im ersten Gedanken gar nicht hier vermuten würde. Sei es der indische Nationalsport Cricket oder die typisch amerikanischen Sportarten Baseball und American Football. Ginge es nach Christian Herrmann, wäre in Magdeburg inzwischen auch Eishockey ansässig. Dieses Ziel hatte sich der heute 58-Jährige im Jahre 2013 nämlich mit der Gründung der Magdeburg Mammuts gesetzt.

Verein in der Auflösung

Inzwischen lebt dieser Gedanke nur noch in der Theorie, der Verein befindet sich seit geraumer Zeit in Auflösung, erzählt er. „Wir haben es leider nicht geschafft, genügend Sponsoren zu gewinnen um den enormen finanziellen Aufwand stemmen zu können“, begründet Herrmann, „wir haben die Bereitschaft von außen leider überschätzt.“ Vor allem scheiterte das Projekt an dem großen Problem, das schon zu Beginn der Planungen ausgemacht wurde: ein Spielort. Eine feste Eishalle gibt es in Magdeburg nämlich nicht, „und ohne eine solche wird es schwierig“. So hatten die Verantwortlichen diverse Pläne ausgearbeitet, wie die Heimstätte der Mammuts aussehen könnte.

Zunächst war der Umbau einer alten Industriehalle in der Liebknechtstraße im Gespräch, später der Neubau einer größeren Kunsteis-Anlage in Wanzleben. „Wir waren dahingehend sehr engagiert, hatten mit Studenten der Otto-von-Guericke-Universität schon Businesspläne ausgearbeitet“, erzählt Herrmann, „und die Resonanz für unsere Idee war bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Stadtfest immer gut“.

Das Interesse am Sport ist vorhanden

Noch heute glaubt der frühere Vereinsvorsitzende, für dessen Amt sich zuletzt kein Nachfolger mehr fand, dass das nötige Interesse vorhanden wäre. „In einer Stadt wie Magdeburg gibt es mehr Eishockey-Interessierte, als man denken mag“, ist sich Herrmann sicher, „nur ist es ein großer Unterschied, ob man sich für einen Sport interessiert oder sich in einem Verein für diesen engagiert.“

Diese Vorreiterrolle wollte Hermann einnehmen, als er vor zehn Jahren aus seiner Heimat Berlin nach Magdeburg gezogen ist. In der Bundeshauptstadt war er leidenschaftlicher Anhänger des siebenfachen deutschen Meisters Eisbären Berlin. Als der Liebe wegen der Umzug an die Elbe folgte, vermisste er nicht viel, nur fehlte ihm sein Lieblingssport.

Nur Eishockey hat gefehlt

„Magdeburg hat mir auf Anhieb super gefallen“, erzählt Herrman. Nur dass die Suche nach einem regionalen Eishockey-Verein ergebnislos verlief, stieß bei ihm sauer auf. Die Saale Bulls aus Halle, die Harzer Falken (damals noch Harzer Wölfe) aus Braunlage oder die Grizzlys aus Wolfsburg waren schon die nahegelegensten Vereine.

„Dann dachte ich mir, dass ich es eben selbst in die Hand nehmen muss und hier etwas aufbaue“, erzählt Herrmann lachend. Sein über lange Jahre errichtetes Netzwerk brachte bald schon die ersten Mitstreiter aus der Region hervor. Aus der anfangs mit fünf Mitgliedern gegründeten „Interessengemeinschaft Eishockey in Magdeburg“ wurde bald schon der Magdeburger Eissport Verein Mammuts 2013.

Ein bekanntes Problem

Die Hürde der Spielstätte konnte der Club allerdings bis heute nicht überwinden. Ende der 1950er-Jahre ist es schon derselbe Grund gewesen, warum Eishockey überhaupt erst aus der Elbestadt verschwand. 1957 sollte eigentlich eine Eishalle errichtet werden, doch wurden die Bauvorhaben urplötzlich geblockt, der Sport verschwand, die Technik ging stattdessen nach Halle.

Zu dieser Zeit hatte sich noch die BSG Motor Fermersleben dem Winter-Mannschaftssport verschrieben, erhielt dabei tatkräftige Unterstützung des Schwermaschinenbaukombinats Karl Liebknecht (SKL).

Eisstadion in Stadtfeld

So wurde 1953 im Komplex Spielhagen-/ Fröbelstraße in Stadtfeld, unweit des Postsportplatzes, ein provisorisches Eisstadion für die Fermersleber errichtet: eine planierte Ackerfläche, von einer Holzbande umrundet, von natürlichen Zuschauerwällen umgeben und durch 30 Lampen ausgeleuchtet. Als Umkleide diente der benachbarte Kindergarten.

Die Eisfläche wurde von den Aktiven seinerzeit nächtlich mit „Spritzwasser“ und unter Mithilfe von frostigen Temperaturen anstatt von moderner Eistechnik wettkampftauglich hergerichtet. Spielte das Wetter nicht mit, so mussten sie für Trainingseinheiten und Spiele nach Schierke ausweichen. Ohne Eishalle ging es bald nicht mehr. Die sehr teuren Ausrüstungen, damals noch ohne Helme, wurden der BSG Motor vom SKL spendiert.

Suche nach Sponsoren erfolglos

Einen ansatzweise so engagierten und finanzkräftigen Partner hätte sich Christian Herrmann nur erträumen können, als er den Sport zurück an die Elbe bringen wollte. „Für eine Randsportart wie Eishockey Sponsoren aufzutreiben, ist sehr aufreibend und leider wenig erfolgsbringend“, erzählt er von seinen Erfahrungen und Eindrücken der letzten Jahre. Selbst Treffen mit Politikern wie Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und Sachsen-Anhalts Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht erwiesen sich dabei nicht als zielführend.

Noch hat Herrmann die Hoffnung auf ein Eishockey-Comeback in Magdeburg aber nicht aufgegeben. „Die Idee ist aktuell auf Eis gelegt“, betont er bewusst. Sollte sich tatsächlich die Möglichkeit auf eine Eisfläche in der Landeshauptstadt ergeben, so würde die Vorstellung gewiss bald wieder aufkeimen.