Magdeburg l Für auswärtige Studenten, die einen Fußballverein suchen, ist der USC "Otto von Guericke" oft die erste Anlaufstelle. Kein Wunder, schließlich ist es der Universitätssportclub, der Draht zu den "Studis" ist also kurz. Manch talentierter Kicker fand so schon seinen Weg ins Stadion der Bauarbeiter. Doch ist die Arbeit mit vielen Studenten eben auch immer ein Risiko, wie Jonas Robbinheimer aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Der Spieler und Abteilungsleiter in Doppelfunktion hat in seiner Zeit beim Stadtoberligisten USC Magdeburg schon viele Studenten kommen, im Gegenzug aber genauso viele gehen sehen. „Es ist nicht immer leicht“, berichtet Robbinheimer, „vor allem, wenn es um die Planungssicherheit geht.“

Gerade zu Zeiten wie der aktuellen Prüfungsphase oder der nahenden Ferienzeit kommt es immer wieder zu Kader-Engpässen. „Mitten im Semester haben wir ein Verhältnis von 60 zu 40, was Studenten zu Arbeitnehmern angeht, in den Ferien ist es dann aber eher 20 zu 80“, zeigt Robbinheimer die große Diskrepanz auf.

An den Spieltagen fehlen die Fußballer

„Generell sind die Zahlen immer sehr schwankend. Es gibt Trainingseinheiten, bei denen wir 30 Mann sind, und auch was vorliegende Spielerpässe angeht, dürften wir in der Stadtoberliga Spitzenreiter sein, nur an den Spieltagen sieht man das dann häufig nicht“, führt der 30-Jährige aus.

Darum setzt man beim USC aktuell vieles dran, das Image als „reiner Studentenverein“ loszuwerden. „Wir wollen für ortsansässige Spieler interessanter werden, Magdeburger an den USC binden“, erklärt Robbinheimer das große Ziel. „Das soll nicht heißen, dass wir uns vor Studenten künftig verschließen“, stellt der Abteilungsleiter klar, „wir wollen nur nicht mehr in diesem großen Ausmaß von ihnen abhängig sein.“

Abteilung richtet sich neu aus

Dahingehend wurde die gesamte Abteilung Fußball in den letzten Jahre ausgerichtet. „Jugend ist unsere Zukunft“, lautet die Devise. Seitdem Robbinheimer 2014 selbst als Student nach Magdeburg kam und sich bald schon abseits des Feldes im Verein engagierte, hat sich einiges getan. „Damals hatten wir nur eine Herrenmannschaft in der Stadtliga. Heute haben wir neben unseren Herren eine Kleinfeldmannschaft sowie A-, B- und E-Junioren im Spielbetrieb“, zieht Robbinheimer stolz Bilanz. „Ziel ist es nun, die Jugendlichen an die Herrenmannschaft heranzuführen, damit wir stetigen Nachschub haben, selbst wenn die Schübe von Studenten mal ausbleiben sollten.“

Dahingehend wurde im Herbst auch die Position des Cheftrainers bei den Herren neu besetzt. „Wir brauchten frischen Wind in der Mannschaft, darum haben wir uns für eine – auf persönlicher Ebene sehr harte – Trennung von Mario Raschig und André Karting entschieden“, erklärt Robbinheimer. „Wir sind den beiden für ihre auf und abseits des Feldes geleistete Arbeit der letzten Jahre sehr dankbar“, ergänzt er.

USC findet neuen Trainer

Seitdem ist Sebastian Ries für den Stadtoberligisten verantwortlich. Wie sollte es beim Universitätssportclub anders sein, wurde man in einer typischen Studentenlokalität auf den Trainer-Nachfolger aufmerksam. „Das klingt wie eine Geschichte aus einem Film“, muss Robbinheimer selbst schmunzeln.

„Eines geselligen Abends saß ich mit Freunden auf ein paar Bier in der Uni-Theke zusammen und habe mit ihnen über unsere Vorstellungen gesprochen. Am Nachbartisch hat jemand das Gespräch verfolgt und meinte: ‚Ich hab da einen Kommilitonen, der genau zu euch passen könnte!‘“

Ziel ist und bleibt die Meisterrunde

Nachdem beide Seiten ihre Philosophien besprochen haben, stand schnell fest: „Sebastian ist der richtige Mann am richtigen Platz. Er hat sich super eingefügt und genießt trotz seiner jungen 27 Jahre ein super Standing.“

Mit dem frischen Wind von außen peilt der USC nun den fünften Platz der Staffel 2 fest an, um die vor der Saison als Ziel ausgerufene Meisterrunde der Stadtoberliga zu erreichen. Sechs Punkte Rückstand zeigen jedoch, dass es für die Ries-Schützlinge in den verbliebenen vier Vorrunden-Spielen alles andere als leicht wird. Da war der 6:3-Erfolg im „Nachholer“ am vergangenen Wochenende beim SV Pechau schon Pflicht.

„Einfach war es nicht, aber wir sind alle guter Dinge an die Aufgabe herangegangen. Die Mannschaft hat das Potenzial, um auch in einer Meisterrunde zu überzeugen. Das Antreten als Underdog lag uns schon immer gut“, blickt Robbinheimer positiv in die kommenden Wochen.