Magdeburg l Zu Gast bei Kreis-oberligist SpG Havelberg/ Kamern verspielten die Neustädter in der Schlussphase eine 4:0-Führung, schieden nach anschließender torloser Verlängerung im Elfmeterschießen mit 8:9 aus. „Verarbeitet habe ich das Spiel schon, verkraftet noch nicht“, meinte gestern René Angerer, Trainer des TuS 1860 Magdeburg-Neustadt.

Dabei rückte das Drittrunden-Ticket nach der anderthalbstündigen Anreise zu Gast in der Altmark schon in greifbare Nähe. Daran führte kaum ein Gedanke vorbei, als die Neustädter nach einer halben Stunde den Torreigen eröffneten und zur Pause bereits mit 4:0 in Front lagen. Doch obwohl Bryan Arndt (31., 45.) und Leon Harter (33., 35.) jeweils doppelt trafen, war Trainer Angerer mit dem Auftritt seiner Mannschaft schon zur Pause nicht zufrieden. „Das Ergebnis sah zwar souverän aus, aber wenn wir ehrlich sind, haben wir auch schon im ersten Durchgang nicht gut gespielt“, kritisierte der 44-Jährige.

Schon früh wurde es bei zwei Klassen tiefer spielenden Havelbergern brenzlig, musste TuS-Schlussmann René Kowalewski einige Male zupacken. Doch nach einer halben Stunde hatten sich die Neustädter gefangen, sorgten mit drei Treffern binnen fünf Minuten für die scheinbare Vorentscheidung.

Paul sieht Rot

Da schmerzte auch die Rote Karte, die TuS-Verteidiger Christian Paul für eine Notbremse in der 38. Minute gezeigt bekam, zunächst nicht. „Natürlich ist es nie optimal, wenn man über 45 Minuten in Unterzahl spielen muss. Das darf aber niemals eine Ausrede für das sein, was wir in der zweiten Halbzeit abgeliefert haben“, wurde Angerer deutlich. „Wir wollten nach dem tollen Spiel gegen Ummendorf einen weiteren Schritt nach vorne gehen, diese Aufgabe als Favorit seriös annehmen. Letzten Endes haben wir aber zwei Schritte zurückgemacht“, ärgerte sich der Coach.

Bei seiner Generalkritik nahm der Übungsleiter sich selbst nicht aus, haderte mit seinen vorgenommenen Wechseln. „Ich muss mir ankreiden lassen, zu früh gewechselt zu haben. Unsere Einwechselungen haben dieses Mal überhaupt keine Wirkung gezeigt.“

Und trotzdem hatte auch nach dem Anschlusstreffer durch Christoph Przyborowski (73.) wohl niemand den Eindruck, als könne am Ausgang etwas anbrennen. „Was wir dann allerdings in den letzten Minuten geboten haben, das spottet jeder Beschreibung“, machte Angerer seiner Wut Luft. Erst traf wieder Przyborowski (88.), ehe in der Nachspielzeit der aufgerückte Torhüter Mathias Rollenhagen (90.+2) und Toni Leppin (90.+4) tatsächlich noch egalisierten. „In der Verlängerung haben wir uns zwar gefangen, erholen konnten wir uns davon aber nicht. Die Blamage stand schon fest.“

Es passte ins Gesamtbild, dass Harter im anschließenden Elfmeterschießen direkt den ersten Versuch an die Latte setzte, während Havelberg fünfmal traf und damit das Sensations-Comeback perfekt machte. „Wir stehen wie die Deppen da“, meinte Angerer. „Jetzt muss jeder seine eigene Leistung in diesem Spiel hinterfragen, ohne gleich direkt jeden Baustein umzudrehen.

Ganz anders war die Gemütslage bei den Hausherren. „Es war schon eine lange Nacht geplant. Die wird nun sicherlich noch länger“, kündigte Havelsbergs Torhüter Rollenhagen bereits nach Spielende an.