Magdeburg l Für gewöhnlich ist es im Fußball kein allzu gutes Zeichen, wenn ein Abwehrspieler der beste Torschütze des eigenen Teams ist. Bei den Landesklasse-Kickern des BSV 79 ist genau dies vor dem fünften Spieltag der Fall – und sogar gerne gesehen. „Das zeigt, dass wir als Kollektiv funktionieren und, was das Toreschießen angeht, nicht nur von einem Spieler abhängig sind“, erklärt BSV-Coach Stephan Behrens positiv gestimmt.

Das Scherzen konnten sich die Mitspieler jedoch nicht verkneifen, als sich Tim Krüger am vergangenen Sonnabend mit seinem Doppelpack beim 5:0-Erfolg über den SV Fortuna II in der teaminternen Torschützenliste an erste Stelle setzte. Ausgerechnet Verteidiger Krüger, der vor dieser Spielzeit kein einziges Mal in der Landesklasse netzte, ist nun für die Hälfte der sechs BSV-Saisontreffer verantwortlich. „Ehrlich gesagt kann ich gar nicht erklären, wie es dazu kommt“, meint der 22-Jährige darauf angesprochen, „es läuft gerade einfach.“

Mir 22 Jahren in der Verantwortung

Einen konkreteren Erklärungsansatz findet derweil Trainer Behrens: „Wir haben ihn in die Verantwortung genommen.“ Genauer heißt das: „Er gehört zu der Generation, die jetzt im dritten und vierten Jahr bei den Herren dabei ist. Diese Jungs müssen in dieser Saison noch mal einen Schritt wachsen und Verantwortung übernehmen.“

Das tut Verteidiger Krüger aktuell eben nicht nur mit engagierter Defensivarbeit links hinten in der Viererkette, sondern auch mit seinen Treffern bei Ausflügen in die Offensive. Das Hauptaugenmerk liegt aber klar auf der Abwehrarbeit. „Wichtig ist zunächst immer, dass wir hinten sicher stehen“, erklärt er, „wenn das gelingt, können wir nach vorne den einen oder anderen Angriff setzen.“

Jetzt gegen den Spitzenreiter

Zu Gast am Schöppensteg ist diese Herangehensweise schon erfolgreich gewesen, ebenso im Gastspiel bei Besiegdas (1:1). Eine ähnliche Marschroute bedarf es wohl auch heute, wenn der aktuelle Tabellenführer TSV Niederndodeleben seine Visitenkarte im Cracauer „Käfig“ abgibt (15 Uhr). Mit vier Siegen aus vier Spielen und 22:6 Toren ist der Vertreter aus der Börde aktuell nicht nur das Maß aller Dinge in der Staffel 2, sondern zugleich das torgefährlichste Team auf Sachsen-Anhalts Landesebene.

Auch der sonst so große Vorteil des ungewohnt engen und dadurch schwer zu bespielenden Geläufes wird heute kleiner ausfallen, spielt der TSV doch selbst regelmäßig auf seinem Zweitplatz mit wesentlich kleineren Maßen. Trotzdem ist sich Trainer Behrens sicher: „In dieser Liga kann jeder jeden an einem guten Tag schlagen. Da nehme ich uns nicht raus. Dafür müssen wir aber mindestens an unsere 100 Prozent herankommen.“

Jeder arbeitet nach hinten

In diesem Kollektiv ist es dann auch egal, wer die Treffer für die Grün-Weißen erzielt. So kommt es beispielsweise auch, dass sich ein angestrebter Zielspieler wie Bogdan Miriuta derzeit auf der Außenbahn abrackert, statt in der Spitze zu spielen. Am Schöppensteg fand sich der 34-Jährige wohl häufiger auf Höhe des eigenen Strafraums als im gegnerischen Sechzehner wieder, muckste dennoch kein bisschen auf. „Es war seine Aufgabe, weit mit nach hinten zu arbeiten und das hat er genau umgesetzt“, lobte Behrens.

Und wenn sich ein Angreifer schon so in die Defensive einbindet, dann kann es schon mal vorkommen, dass im Gegenzug ein Verteidiger der beste Torschütze im Team ist.