Magdeburg l „Wie soll mit der laufenden Saison verfahren werden?“, fragte das Fußball-Portal FuPa Sachsen-Anhalt kürzlich seine User. Die überwiegende Antwort war eindeutig: Fast ein Drittel der über 2100 Stimmen waren dafür, den Spielbetrieb bereits im Dezember wieder aufzunehmen. Die Magdeburger Landesligisten sehen eine sofortige Wiederaufnahme, wie sie auch in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen fest angestrebt wird, allerdings skeptisch.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ball schon in drei Wochen wieder rollt“, erzählt TuS-Trainer René Angerer. „Ich persönlich glaube einfach nicht, dass sie sich trauen, den Fußball schon wieder freizugeben“, erklärt der Neustädter Übungsleiter seine Vermutung.

Marks relativiert Stillstand

Torsten Marks, Coach des MSC Preussen, sieht das ganz ähnlich. „Ich denke, das war‘s mit dem Fußball in diesem Jahr“, hatte der 47-Jährige schon nach der Bekanntgabe des erneuten Lockdowns spekuliert. Zwei Wochen später hat sich an seiner Befürchtung nichts geändert. „Man muss dabei aber immer im Auge haben, dass viele Menschen in dieser Zeit ganz andere Ängste und Sorgen als den Fußball haben“, relativiert Marks den erneuten Stillstand.

Trainer sehen sofortige Rückkehr kritisch

Selbst wenn aus der Politik die Erlaubnis zur sofortigen Aufnahme des Amateursports käme, hielten sowohl Angerer als auch Marks diese für bedenklich. „Wir können nach vierwöchiger Pause nicht einfach wieder einsteigen, als wäre nichts gewesen“, sind sich beide einig. „Es bräuchte mindestens zwei Wochen Vorbereitung, ansonsten geht der Re-Start auf Kosten der Gesundheit der Spieler“, appelliert Marks eindringlich.

Ähnlich denkt auch ihr Trainerkollege des MSV Börde, Marcus Mähnert. „Gegen eine zeitnahe Wiederaufnahme würden wir uns zwar nicht sträuben, ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie im Dezember kommt“, erzählt der 39-Jährige.

Mähnert war selbst in Quarantäne

Dem Lehrer hat sich dabei kürzlich unfreiwillig eine ganz neue Perspektive eröffnet. „Ich kam gerade erst aus der Quarantäne, weil ich im Unterricht Kontakt mit einem positiv Getesteten hatte“, berichtet Mähnert. „Zum Glück fiel der Test negativ aus, aber es war eine sehr komische Erfahrung, wenn man sich abkapseln muss, weil man ansteckend sein könnte.“ Auch deswegen hat sich der Börde-Coach in den vergangenen Tagen wenig Gedanken über sein Hobby gemacht: „Fußball war in diesem Moment ganz weit weg.“

Was die Gedankenspiele über eine Fortführung der Saison im neuen Jahr angeht, sind Angerer und Marks ihrem Kollegen deshalb einen Schritt voraus. Doch trennen sich ihre Ansichten noch deutlicher als ihre Positionierungen in der Tabelle. „Ich bin dagegen, die Saison über den 30. Juni hinauszuführen“, erklärt Angerer, „da würde ich lieber zweimal die Woche spielen, auch wenn das für uns Amateure ein enormer Aufwand wäre.“

Saison-Umstellung als Option?

Im ganzen Gegensatz dazu meint Marks: „Wir müssen uns von diesem strikten zeitlichen Korsett lösen, müssen uns in der Situation auf neue Wege einlassen. Ich fände eine längere Saison sehr sinnvoll.“ Als Gedankenspiel wirft der MSC-Trainer erneut die Umstellung der Spielzeit auf den Jahres-Rhythmus in den Raum. „Das müsste dann ja nicht für immer in Stein gemeißelt sein. So hätten wir aber genügend Zeit, uns ordentlich vorbereiten, die Saison bis zum Ende führen und auf eventuelle neue Pausen reagieren zu können“, meint Marks.

Börde-Coach sorgt sich mehr um den Nachwuchs

Über solche Modelle hat sich Mähnert derweil noch „überhaupt keine Gedanken“ gemacht. Stattdessen meint der Trainer der Stadtfelder bestimmt: „Wenn wir überhaupt eine Diskussion führen wollen, dann viel lieber über die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs für die Kinder. Für sie wäre das wesentlich wichtiger als der Spielbetrieb für uns bei den Herren.“

Aufgaben für die Trainingspause

Eines haben die drei Landesliga-Coaches dann aber doch gemeinsam: Einfluss auf die aktuelle Situation können sie allesamt nicht nehmen, auf ihre Mannschaften jedoch schon. So gaben sie den Spielern vorsichtige Anweisungen mit auf den Weg. „Die Jungs sollen sich individuell fit halten. Zwei Läufe die Woche wären wünschenswert“, erklärt Börde-Coach Mähnert. Doch verfolgt er das private Engagement ebenso wenig wie Preussens Marks: „Wir setzen dabei viel auf die Eigenverantwortung.“ TuS hat derweil einen anderen Weg eingeschlagen: „Wir haben eine gemeinsame Lauf-App, in der jeder seine Hausaufgaben bekommen hat.“ Ob die Fitness im Jahr 2020 noch mal gefordert sein wird, bleibt vorerst aber fraglich.