Magdeburg l Während die Preussen-Abwehr synchron den Arm zum Reklamieren hob, richtete Max Dittwe den Blick sofort in Richtung Schiedsrichter. Dieser zeigte auf den Mittelpunkt. Das Tor zählte. Es war der Schlusspunkt im Landesliga-Derby zwischen dem MSC Preussen und dem MSV Börde. Aber der entscheidende Treffer zum 2:1 (0:0)-Endstand war sehr umstritten.

Preussen-Keeper Steven Ebeling wurde im Fünf-Meter-Raum angegangen, ließ den Ball wieder fallen und Dittwe staubte ab (86. Minute). Der Torschütze beschrieb die Szene: „Ich habe es selbst gar nicht richtig mitbekommen, der Ball lag auf einmal vor meinen Füßen und ich habe ihn reingeschossen.“ Er fügte an: „Hätte der Schiedsrichter es abgepfiffen, hätte ich es verstanden. So nehmen wir es gern mit.“ Für MSC-Kapitän Patrick Appel war es hingegen „ein klares Foul“. Der Torwart „hat den Ball schon sicher gehabt“.

Börde-Coach Marcus Mähnert fasste die Szene mit einer einfachen Gleichung zusammen: „Je näher du den Ball am gegnerischen Tor bekommst, desto näher bist du dran am potenziellen Torerfolg. Das hat beim zweiten Tor gepasst. Ob das jetzt ein Foul war oder nicht, sei mal dahingestellt.“

Pressing als Schlüssel zum Erfolg

Und das Pressing war im Derby und Topspiel zwischen dem Tabellenzweiten und -dritten auch der Schlüssel zum Erfolg. Anders als beim 3:0-Hinspielsieg stand Börde diesmal eher hoch und attackierte früh. „Wir haben sehr mutig gespielt“, freute sich Mähnert. Die Preussen verfielen deshalb häufig in Hektik, spielten planlose lange Bälle. Appel war mit seinem Team nicht zufrieden: „Wir sind ein bisschen schwer ins Spiel gekommen, uns hat die Selbstverständlichkeit gefehlt, wir haben zu zurückhaltend agiert.“

Es gab im ersten Durchgang entsprechend viel Leerlauf. Die Abwehrreihen brachten sich durch Fehler höchstens selbst in Bedrängnis. Eine gute Möglichkeit hatte MSV-Stürmer Patrick Kreuzer (36.), der an seinem Bruder im Preussen-Tor scheiterte.

Doch während weitere Großchancen Mangelware waren, gab es immer mehr – teils überharte – Zweikämpfe. „Wir wussten, dass es ein zweikampfbetontes Spiel wird und haben alles reingehauen“, erklärte der 18-jährige Dittwe. Weil der Schiedsrichter viel durchgehen ließ und mit nur zwei Gelben Karten auskam, wurde das Spiel immer ruppiger.

In der letzten halben Stunde aber auch durchaus mitreißender. Vor allem nach dem Tor durch Börde-Kapitän Maik Leonhardt. Nachdem Tom Kupke den Ball außen vertändelte, spielte es der Gast schnell und der Spielführer schloss von der Strafraumkante flach ab. Nachdem die Preussen zunächst eine große Kopfballchance ungenutzt ließen (75.),  besorgte Außenstürmer Lukas Koch zwei Minuten später das 1:1. Neuzugang Daniel Stridde, der ein gutes Spiel machte, bereitete den Treffer vor.

Appel hielt fest: „Es war ein klassisches Unentschieden-Spiel. Leider mit dem glücklicheren Ende für Börde.“ Der Tabellendritte, der zwei Punkte an den Kontrahenten heranrückt, holte gegen Preussen in dieser Saison damit sechs Zähler. „Das ist das Derby schlechthin für uns. Wenn man das zweimal gewinnt, kann man sehr glücklich sein“, sagte Mähnert strahlend. Und wie dann das entscheidende Tor gefallen ist, spielt zumindest in dieser Statistik keine Rolle.