Magdeburg l Vorerst pausiert der Spielbetrieb der Handballerinnen und Handballer in Sachsen-Anhalt bis zum 30. November. Im Dezember soll es dann aber nahtlos weitergehen, zumindest wenn es nach den Wünschen des Landesverbandes Sachsen-Anhalt (HVSA) geht. Dieser schrieb in seiner Erklärung zur Spielunterbrechung schließlich: „Das HVSA-Präsidium plant, den Spielbetrieb sofort nach Beendigung der Pause mit dem regulären Spielplan und mit Erlaubnis der politischen Entscheidungsträger wieder aufzunehmen.“

Keine Hallen-Rückkehr denkbar

Bei den Magdeburger Frauenteams der Sachsen-Anhalt-Liga glaubt man kaum daran, dass es tatsächlich dazu kommen wird. „Ich gehe davon aus, dass wir uns in diesem Jahr gar nicht mehr zum Training treffen werden“, meint Post-Trainer Martin Schwerthfeger, „von Spielen ganz zu schweigen.“

Damit vertritt der Übungsleiter eine in Magdeburg weit verbreitete Meinung. Denn auch beim BSV 93, HSV und TuS 1860 blicken die Verantwortlichen kaum positiver auf die kommenden Wochen. „Wir sind kein bisschen optimistisch“, erklärt der Coach der Olvenstedterinnen, Frank Eckstein. Auch Harry Jahns, Trainer der HSV-Mädels, meint entschlossen: „Ich denke kaum, dass es im Dezember weitergehen kann.“ Und TuS-Trainer Tim Dietze merkt an: „Wenn man im Dezember anfangen möchte, müsste man von Verbandsseiten schon langsam die Vorbereitungen dafür treffen.“

DHB-Absage als Fingerzeig?

Bei ihrer Skepsis berufen sie sich alle auf ein und dieselbe kürzliche Nachricht: die Aussetzung des Spielbetriebs in der 3. Liga der Herren und den Junioren-Bundesligen seitens des Deutschen Handball Bundes (DHB). Bis zum Jahresende wurden alle Begegnungen abgesetzt. Ein Fingerzeig auch für den Spielbetrieb in Sachsen-Anhalt?

Die Trainer gehen jedenfalls davon aus. „In diesen Spielklassen ist alles viel professioneller. Wenn sie schon nicht spielen dürfen, sehe ich für uns erst recht wenig Chancen“, meint Schwerthfeger. Dazu merkt HSV-Coach Jahns kritisch an: „Die Fallzahlen der letzten Tage nehmen auch eine wenig vielversprechende Entwicklung.“

Geteilte Meinungen zum Kaltstart

Selbst wenn im Dezember wieder gespielt werden dürfte, sehen die Coaches einen sofortigen Wiedereinstieg mit geteilten Meinungen. Während BSV-Coach Eckstein meint „wenn es sofort weiterginge, wären wir dabei“, sprechen sich seine Trainerkollegen klar dagegen aus. „Kalt wieder einzusteigen, ist keine Option“, sind sich alle drei einig. „Wir bräuchten mindestens eine Woche, um uns ein wenig an die Abläufe zu gewöhnen“, meint Jahns und Schwerthfeger ergänzt bezugnehmend auf die Verletzungsgefahr: „Ansonsten können wir die Intensivbetten direkt in die Orthopädie schieben.“ Dietze würde sich gar „eher drei Wochen wünschen“, um seine Mannschaft für die Wiederaufnahme entsprechend zu rüsten.

Kann die Saison regulär beendet werden?

Darum sprechen sich Jahns und Schwerthfeger für einen besser vorbereiteten Wiedereinstieg im Januar aus, sehen diese als „vernünftigste Lösung“. Natürlich unter dem Gesichtspunkt, dass aus der Politik das „Go“ kommt. Genau daran zweifelt der Post-Coach aber aktuell: „Ich hoffe, dass die Saison überhaupt nochmal fortgeführt werden kann, allein der Glaube fehlt mir.“ TuS-Trainer Dietze würde einen Einstieg im Januar zwar ebenfalls begrüßen, doch: „Dieses Szenario scheint mir aktuell sehr fern. “

Abhängig vom Zeitpunkt des Re-Starts ergäbe sich die nächste Frage: „Wie soll die Saison zu Ende gebracht werden?“ Von den 22 angedachten Saisonspielen haben die Handballerinnen aus der Landeshauptstadt schließlich erst einen minimalen Bruchteil absolviert. Mit bisher vier Partien ist die Spielzeit bei den Damen des BSV 93 derzeit am weitesten fortgeschritten, dahinter stehen der Post SV und der TuS 1860 bei drei absolvierten Begegnungen, die HSV-Mädels gar erst bei zwei Spielen auf dem Konto.

Spielzeit erneut in Gefahr

Folglich resultieren die Befürchtungen, dass nach der abgebrochenen Saison 2019/20 nun auch die neue Spielzeit durch die Corona-Pandemie in ernsthafte Gefahr gebracht werden könnte. „Ich sehe eigentlich nur die Möglichkeit, die Saison zu verlängern“, meint Schwerthfeger. Doppelspieltage, also zwei Partien an einem Wochenende, lehnt er stattdessen kategorisch ab: „Da wird die Belastung für unsere Hobbysportlerinnen zu hoch.“

Während sich TuS-Coach Dietze „für die Planungssicherheit eine schnelle Lösung „des HVSA wünscht, meint sein Trainerkollege von Post: „Mit dem Verband möchte ich derzeit wahrlich nicht tauschen.“