Brandeburg l Mehr als 1000 Rennkanuten aus 112 Vereinen kämpften um die Titel des Deutschen Meisters von der Altersklasse 13 bis zur Leistungsklasse. Bei hochsommerlichen Temperaturen deutlich über 30 Grad hieß es: viel trinken, Schatten suchen und kühlen Kopf bewahren.

Es war ein kleines Mammutprogramm für die Organisatoren. Angesetzt waren Rennen in den jeweiligen Altersklassen, auf den Strecken über 200 Meter, 500 Meter und 1000 Meter, in den verschiedenen Bootsklassen Einer, Zweier, Vierer und den Disziplinen Kajak und Canadier. Dabei gewannen die Sportler vom SCM und die für das Kanuteam Sachsen-Anhalt fahrenden 13- bis 14-Jährigen insgesamt 16 Medaillen und setzten ein deutliches Zeichen für die Wiederbelebung der Nachwuchsszene der Abteilung Kanu-Rennsport des SCM.

SCM ohne Talent Florstedt

Die Leistungen aus Magdeburger Sicht waren indes zweigeteilt. Bei den Jungen musste Juniorenweltmeister Moritz Florstedt einen Tag vor Beginn der Wettkämpfe krankheitsbedingt alle Starts absagen. Bis auf David Töpel, der Bronze im C1 über 200 Meter gewann, waren die übrigen männlichen Starter individuell zu schwach und konnten weder in den Einer- noch in den Mannschaftsboot-Entscheidungen das Fehlen von Florstedt kompensieren.

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Titel für Vanessa Silbermann

Dafür war es der weibliche Bereich, der für die sportlichen Highlights sorgte. Canadierfahrerin Vanessa Silbermann hatte im Frühjahr die Qualifikation für die Junioren-WM nur hauchdünn verpasst, fuhr mit dem B-Team dann zur Junioren-EM. Sie wollte unbedingt nochmal zeigen, dass sie in den vergangenen Wochen und Monaten wieder näher an die Spitze herangerückt ist. Und das gelang ihr sehr eindrucksvoll. Sie gewann ihren ersten Deutschen Meistertitel im Einer auf ihrer Lieblingsstrecke über 200 Meter souverän und musste sich über 500 Meter nur knapp der WM-Starterin Lina Bielicke geschlagen geben.

„Ich war sprachlos, es endlich geschafft zu haben, und habe mich für die Mühen im Training der letzten Wochen belohnt gefühlt“, jubelte Vanessa Silbermann. „Ich habe gezeigt, dass ich es schaffen will und auch in der Leistungsklasse ab dem nächsten Jahr schaffen kann.“

Ehre für Paßlack

Junioren-Kajakfahrerin Amy Paßlack war in den vergangenen Jahren in erster Linie dadurch aufgefallen, dass sie mit zum Teil überragenden Saisonvorleistungen aufwartete, dann aber kurz vor oder bei den Deutschen Meisterschaften krank wurde. Das war diesmal anders. Im Sprint-Einer über 200 Meter überraschte sie mit Bronze und ließ dabei unter anderem auch Teamkollegin und Junioren-Vizeweltmeisterin Josi Landt hinter sich.

Im K2 über 500 Meter saßen dann beide in einem Boot und fuhren zu Silber. Einmal gesund und einmal dabei, hatte Amy aber noch nicht genug. Im Sprint-Zweier, wieder mit Josi Landt, stürmten die beiden der Konkurrenz auf und davon und holten sich Gold. Für Amy Paßlack war es der erste Meistertitel – und mit ihren Ergebnissen erhielt sie die Einladung für die Nationalmannschaft und die Teilnahme an der Olympic-Hope-Regatta in Bratislava mit über 40 teilnehmenden Nationen Mitte September.

„Ich bin glücklich über meinen ersten Titel und fühle mich geehrt, für Deutschland starten zu dürfen“, sagte Amy Paßlack. „Ich bin aufgeregt, aber freue mich schon!“

Zwei internationale Nominierungen

Ebenfalls ganz stark präsentierten sich die 13- und 14-jährigen Mädchen im Schüler-A-Bereich. Hier gab es dreimal Gold: für Josi Wieblitz, Lenja Wendt, Josie Zabel und Nina Schoof im K4 über 500 Meter, für die Kombination Wendt-Wieblitz im K2 über 2000 Meter und für Annie Münster und Leonie Köllner im Canadierzweier über 2000 Meter.

Die junge Lenja Wendt sprach allen aus dem Herzen, als sie sagte: „Wir waren das ganze Jahr bei allen Regatten vorn dabei und wollten unbedingt auch diesmal eine Medaille – dass es Gold wird, ist einfach nur schön!“

Für die Olympic-Hope-Regatta – vergleichbar mit einer Jugend-WM – in Bratislava wurde neben Amy Paßlack auch der junge Canadierfahrer David Töpel nominiert.