Magdeburg l Jeder Tag im Kraftraum ist für ihn ein einsamer Tag mit den Hanteln. Das war es auch schon vor der Corona-Krise. Derzeit ist es der Kampf in den heimischen vier Wänden, den ein Athlet ohne Kaderstatus wie Thore Nahrstedt mit sich und für seine Ziele austragen muss. Kein Trainer animiert den Diskuswerfer vom SC Magdeburg zum Strecken und Heben von Gewichten, kein Coach geht mit ihm das Programm in den Einheiten durch. Seinen Plan vom Glück, nun auch in der U 23 mit der Zwei-Kilo-Scheibe in große Weiten vorzudringen, hat Nahrstedt allein geschrieben. Fast jedenfalls. Eine Beurteilung gab es dafür nur aus der Ferne. Von Phillip van Dijck.

Er ist Nahrstedts ehemaliger Trainer – und jetzt Coach beim SC Potsdam. Nach der vergangenen Saison hat er seine grün-roten Schützlinge verlassen, weil der Job am brandenburgischen Leistungsstützpunkt ihm womöglich mehr Chancen bietet, sich als Coach in Richtung Bundesebene zu profilieren. Denn, wo er in seinem Job eines Tages landen will, hatte van Dijck, der einst auch als Athlet für die Potsdamer gestartet war, bereits vor drei Jahren in einem Interview mit der „Nassauischen Neuen Presse“ erklärt: „Ich möchte mal Bundestrainer werden.“

Trainer Lemme hilft

Überraschend kam der Abgang des 26-Jährigen trotzdem für alle. Auch für Thore Nahrstedt. Dieser kannte erst ein paar Andeutungen, dann wurde ihm die plötzliche Endgültigkeit des Wechsels erklärt. Dennoch hat er den Kontakt zum Coach gehalten, hat van Dijck seinen Trainingsplan geschickt: „Ich kann ihn nach wie vor anrufen, und er hat mir auch ein paar Tipps gegeben“, berichtet der 20-Jährige. So hat Nahrstedt seinen Trainingplan noch besser auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Und wenn es um seine Technik geht, „dann hilft mir Armin Lemme“, sagt Nahrstedt. Der Coach der SCM-Olympiakader also.

Thore Nahrstedt kann nun mehrere Punkte anführen, warum er aus dieser eher unüblichen und auch nicht sonderlich förderlichen Situation dennoch etwas Positives zieht. Zum einen hätte es für U-23-Werfer in diesem Jahr keinen internationalen Höhepunkt gegeben, auf den er fieberhaft hintrainiert müsste.

Alles ohne Druck

Er kann sich deshalb probieren, er kann Würfe im Training sammeln, die Automatismen verinnerlichen. Ganz ohne Druck. „Unser Höhepunkt sind die deutschen Meisterschaften in Mönchengladbach“, berichtet er. Voraussichtlich im August. Zumindest sind die Titelkämpfe noch nicht abgesagt worden.

Zudem lernt er gerade, mehr auf seinen Körper zu achten. „Ich konzentriere mich viel besser auf mich selbst“, sagt er. Dazu gehört es dann auch, den sauberen Wurf in den Vordergrund zu stellen. Und nicht – wie im vergangenen Jahr – die größtmögliche Weite erzielen zu wollen und dann dabei die Technik zu verlieren.

Ziel: 55 Meter

Mit der 500 Gramm leichteren Scheibe hatte er es in der U 19 trotzdem auf 55,15 Meter gebracht, seit 2019 steht die Zahl in seinem Rekordbuch. „Das war eine gute Saison“, resümiert Nahrstedt. Und eine, die er mit der Männer-Scheibe wiederholen will. Egal, wie wenige oder viele Wettbewerbe in diesem Jahr noch ausgetragen werden. Im Training lief es zumindest gut: „Ich habe schon ein paar Mal über die 50 Meter geworfen“, erklärt er.

Und damit in Richtung Ziel. Denn der gebürtige Magdeburger, der in Colbitz aufgewachsen und jetzt in Wolmirstedt zu Hause ist, will bis Saisonende auch mit dem schweren Diskus bereits an der 55-Meter-Grenze gekratzt oder sie sogar übertroffen haben. Um diese zu erreichen, bringt der Student der Sportwissenschaft mit Nebenfach Psychologie vor allem als einsamer Werfer eine große Qualität mit: „Ich habe kein Problem, mich selbst zu motivieren.“ Sonst würde er es allein mit den Hanteln gar nicht aushalten.