Magdeburg l Patricia Alberts darf in diesen Tagen Teenager sein. Sie trainiert zwar weiter, das schon, aber in den beiden Urlaubswochen ihres Trainers reduziert. Und deshalb hat sie mehr Zeit für ihre privaten Aktivitäten. „Ich freue mich darauf, abends mal an der Alten Elbe zu sitzen, unter der Brücke mit meinen Freunden zu quatschen“, sagt die Speerwerferin vom SC Magdeburg. Bevor Coach Björn Lange wieder zurück ist, bevor es in die intensive Vorbereitung auf die deutschen U-18/20-Meisterschaften in Heilbronn (4. bis 6. September) geht. Bevor sich also der Blick der beiden auf die 50 Meter und eine Medaille richtet.

Auch für diese Ziele möchte Patricia Alberts die kommenden Tage als Teenager nutzen, „den Kopf freikriegen, in sich hineinhören“, sagt sie. Da spricht dann die junge Dame, die Deutsch und Psychologie ihre Lieblingsfächer nennt, die eines Tages als Pathologin der menschlichen Anatomie näherkommen möchte – irgendwann nach dem Speerwerfen. Die sich aber zunächst auf ihren Sport fokussiert und die 2021 ihren ersten internationalen Höhepunkt erleben möchte: die U-20-Weltmeisterschaft in Nairobi (Kenia), die aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr ausgefallen ist.

Vierte im Winter

Diesem Ziel ist sie schon in diesem Jahr einen wichtigen Schritt näher gekommen – als sie sich im Winter an die Spitze der U-18-Rangliste setzte. Als Siegerin bei der mitteldeutschen Meisterschaft Anfang Februar in Halle. Mit 49,01 Metern, ihrer Bestweite, war sie zwei Wochen später zu den nationalen Winterwurf-Titelkämpfen gefahren. Sie lag bis zum letzten Versuch auf Kurs Edelmetall, als ihr Christina Lahrs (TSV Wehdel) mit 46,12  Metern noch Bronze wegschnappte.

„Im ersten Moment war ich natürlich enttäuscht“, erinnert sich Patricia Alberts. „Aber es waren meine ersten Meisterschaften, ich war sehr aufgeregt und nervös.“ Weshalb sie auch ihr Weitenziel von 50 Metern oder „in jedem Fall konstante 47, 48“ verfehlte. 44,96 Meter standen in Neubrandenburg letztlich für sie im Ergebnisprotokoll.

Mehr Power in den Versuchen

Aufregung, Nervosität, Anspannung: Das sind die Dinge, die vor Heilbronn wiederkehren werden. Aber die sie mit Langes Hilfe in den vergangenen Monaten angegangen ist. „Wir suchen nach einer dynamischen Linie, arbeiten am Anlauf und am Fußabdruck beim Abwurf“, berichtet die so positive und aufgeweckte 16-Jährige, die sagt: „Ich liebe und lebe den Sport.“ Die gerne Volleyball und Handball spielt. Die immer ein Lächeln auf den Lippen und ein Leuchten in den eisblauen Augen trägt. „Manchmal, sagt der Trainer, sieht es so aus, als würde ich mich nicht trauen. Wir wollen mehr Power in die Versuche reinkriegen.“

Getraut hat sie sich vor zwei Jahren den Wechsel an die Sportschule: Den sollte sie eigentlich schon zur siebten Klasse vornehmen, sie war eingeladen worden, als Speerwerferin des Stendaler LV. Allerdings sollte ihr Weg nach Halle führen. „Ich hatte mich dagegen entschieden, weil es mir zu weit weg von zu Hause war“, berichtet Alberts. Zuhause ist Lüderitz bei Tangerhütte.

Zweimal gesichtet, zweimal genommen

2018 ist sie wieder eingeladen worden zum Vorwerfen, wieder ist sie angenommen worden. Diesmal für die Sportschule in Magdeburg, diesmal beim SCM. „Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt in Stendal, aber ich hatte inzwischen auch den Eindruck, dass dort meine Leistungsentwicklung erschöpft ist.“

Das ist sie noch lange nicht. Nicht mit dem 500 Gramm schweren Speer, den sie in der U 18 und in Heilbronn wirft. Sowieso nicht mit dem 600 Gramm schweren Frauengerät, mit dem sie sich nach der Meisterschaft auf die nächste U-20-Saison vorbereiten wird. Aber das ist gerade alles weit weg. In diesen Tagen darf Patricia Alberts Teenager sein.