Magdeburg l Jan Andersson sitzt gelassen im kleinen Büro in der Messehalle 1. Vor ihm sieben aufgeklappte Laptops, eine regelrechte Wand. Die Bildschirme zeigen Fluten von Statistiken, die Webseite des Magdeburg-Marathons und endlos scheinende Zahlenfolgen. Plötzlich greift er zum Funkgerät und spricht deutlich „Ziel für Jan, Ziel für Jan“ ins Mikrofon. „Ziel hört“, kommt nach wenigen Augenblicken als Antwort. Es gibt noch eine kleinere Ungereimtheit bei einer Läuferin. Schnell ist diese geklärt. Sie wurde als Mann statt als Frau im System erfasst, aber ein Klick und das Problem ist aus der Welt geschafft.

Andersson ist einer der Zeitmesser des Magdeburger Marathonlaufs. Er ist es, bei dem alle Zeiten der Läufer auf den Bildschirmen erscheinen. Diese gibt er dann so schnell wie möglich ins System ein, so dass die Läufer schon am Abend ihre Ergebnisse mit denen der anderen Athleten vergleichen können. „Jeder Läufer erhält vor dem Start einen Chip, der am besten am Fuß angebracht wird“, so Andersson. „Am Start, während der Strecke und am Ziel laufen die Sportler dann über blaue Matten. Damit können wir die genaue Netto- und Bruttozeit jedes Einzelnen berechnen und erfassten.“

„Wake-up“-Signal wird an die Matte ges

Doch wie funktioniert diese Zeitaufnahme? „Der passive Transponder sendet ein „Wake-up“-Signal an die Matte. Diese weiß dann, welche Chipkarte und welcher Läufer sie überquert“, so Andersson. „Auf zwei unterschiedlichen Frequenzen erkennt die Matte dann die genaue Zeit und übermittelt sie an uns. Selbst wenn es regnen und sich Pfützen bilden würden, käme das Signal an.“

Bilder

Währenddessen blinken weitere Livedaten im Hallenbüro auf den Laptop-Bildschirmen. Diese werden auch zeitgleich kurz hinter dem Ziel-Torbogen auf dem Laptop von den Kollegen angezeigt. „Die melden dann die wichtigsten Ereignisse an die zwei Moderatoren vor dem Zieleinlauf. Daher wissen diese auch, wann welcher Läufer die Ziellinie überqueren wird“, weiß Andersson.

Seine hauptberufliche Arbeit, das Zeitmessen bei Sport-events, hat ihn schon quer durch Deutschland getrieben. „Bei Mountainbikerennen und auch bei verschiedenen Triathlon-Veranstaltungen war ich schon und habe die Ergebnisverarbeitung durchgeführt.“

Seit vielen Jahren Partner

Ralf Eger, einer der Organisatoren des Magdeburg-Marathon, ist zufrieden mit dem Partner „My Race Result“. „Wir sind froh, dass wir seit vielen Jahren diesen Partner an unserer Seite haben“, so der Lauffreund. Am Sonntagmorgen um 3:15 Uhr hat der Wecker von Ralf Eger geklingelt. Die Nacht war dementsprechend kurz. „Der Tag vor dem Lauf war tatsächlich relativ ruhig, so dass wir um 20 Uhr fertig mit dem Programm waren“, erklärt Eger. „Über Nacht wird das Gelände von einem Sicherheitsdienst überwacht. Aber da um sieben Uhr die ersten Läufer ihre Startnummern haben wollen und das Tagesprogramm kurz danach beginnt, bin ich immer schon recht früh vor Ort. Dann schließe ich schon Mal die Messehallen auf und fange an, die letzten Vorbereitungen zu erledigen.“

Um 16 Uhr ist noch lange nicht Schluss

Während die Läufer auf den verschiedenen Distanzen auf der Strecke sind, kümmert sich Eger mit seinem Team um alles andere. Viele Hände müssen in dieser Zeit geschüttelt werden. „Man kennt hier so viele Leute, die kommen natürlich alle auf mich zu“, meint Eger mit einem Lächeln. „Schön, dass ihr wieder hier seid“, meint er zu einem Sanitäter, der ihn zuvor angesprochen hatte. Danach muss er auch schon wieder weiter. „Hoffentlich bleibt das Wetter auch so, wie es die Volksstimme angesagt hat“, meint er zum Abschluss und grinst. Für ihn wird es noch ein langer Tag. Nach 16 Uhr, wenn die Läufer im Ziel eingetrudelt sind, beginnt das Abbauen der Infrastruktur vor Ort. „Aber weil alle mit anpacken, dauert dies meist nur bis 20 Uhr“, sagte Eger bereits vor der Veranstaltung.

Dann geht alles ganz schnell. Die Kommentatoren bekommen von der Lauftechnik den Hinweis, dass bald der erste Marathoni ins Ziel einlaufen wird. Diese heizen daraufhin dem Publikum ein und die Fotografen und Kamerateams platzieren sich im Ziel. Im schnellen Tempo und mit erschöpftem Gesichtsausdruck sprintet Robert Linz die letzten Meter bis zum Ziel. Freudig nimmt er das Zielband in die Hände und posiert für die Fotografen. „Ich bin in der letzten Woche noch bei den Polizeimeisterschaften mitgelaufen, daher war ich heute recht schnell erschöpft. Trotzdem sind die 2:35:17 okay. Jetzt freue ich mich erstmal über meinen zweiten Sieg nach 2017“, meint der Polizist im Ziel und nimmt seine ein Jahr alte Tochter Nila auf den Arm.

Nach und Nach weitere Läufer

Nach und nach trudeln die weiteren Marathonis ein. Paul Weimann wird Zweiter mit einer Zeit von 2:50:43. Drei Minuten später kommt Markus Mäder mit der Zeit von 3:53:49 ins Ziel und wird Dritter.

Nach drei Stunden und 31 Sekunden kommt dann die erste Frau ins Ziel. Nadja Koch gewinnt zum dritten Mal in vier Jahren den Marathon in der Landeshauptstadt. „Ich bin total glücklich, nochmal hier gewonnen zu haben“, erklärt sie direkt nach dem Lauf, noch völlig außer Atem. Die für den SSC Scharmede laufende Athletin nimmt die weite Anreise aus Ostwestfalen gerne in Kauf. „Mein Trainer und Lauffreund kommt aus Stendal. Deswegen ist dieser Marathon seit Jahren Pflichtprogramm für mich“, so Koch.

Auf die Frage, ob alles bei den Siegern stimmt, druckt Jan Andersson im Büro die genauen Daten aus. „Siehste, stimmt“, meint er und widmet sich wieder seiner Aufgabe. Noch lange ist nicht an Feierabend zu denken.