Magdeburg l Rudern ist nicht nur bei sonnigem Wetter eine schweißtreibende Angelegenheit, sondern auch im Halbdunkel eines Fitnessraumes. Drei Tage nach seiner Siegesfahrt beim U-19-Kadervergleich des deutschen Verbandes in Köln hob und drückte Paul Berghoff wieder schwere Gewichte. Sein Maximalwert im Bankdrücken steht bei 85 Kilo, „das ist noch mein Problem“, sagt Berghoff. Bei der Kniebeuge sind es 140 Kilo. Und am Ergometer fuhr er Ende März 6:06 Minuten über 2000 Meter – Rang vier im nationalen Kader. Allerdings hinter den Teamgefährten Paul Krüger und Nick Welzenbach. „Der langsamste Magdeburger auf dem Ergo zu sein, das geht nicht“, erklärt der ehrgeizige Berghoff lächelnd.

Ehrgeiz zahlt sich aus

Diesen Ehrgeiz hat er zuletzt in Köln auf dem Fühlinger See gelebt, als er die erste Einer-Rangliste in seiner Altersklasse für sich entschied. „Ich hatte gehofft, dass ich aufs Podium komme, aber einen Sieg hatte ich nicht erwartet“, sagt der 17-Jährige. Aber diese kämpferische Leidenschaft ließ auch seinen Trainer staunen. „Mit seinem Ergebnis war ich sehr, sehr zufrieden. Er verliert noch zu viel Zeit auf die Konkurrenz am Start“, erklärt Paul Zander, „weshalb ich schon im Halbfinale nach 1000 Metern dachte, jetzt ist es vorbei.“ Aber am Ende „hat er sich auch dort mit einer kämpferisch starken Leistung durchgesetzt“.

Zander ist deshalb mit einem lachenden Auge aus Köln zurückgekehrt – und mit einem weinenden. „Ich hatte schon gehofft, dass wir mit zwei Ruderern auf das Podest fahren“, sagt der 29-Jährige. Aber diese Hoffnung starb mit dem sechsten Rang durch Paul Krüger.

Krüger muss aufholen

Krüger, Polizist in Ausbildung und deshalb nicht in jener Regelmäßigkeit beim Training wie Sportgymnasiast Berghoff, hat womöglich die Kraft für drei Rennen gefehlt. Aber der 18-Jährige erklärt sein Resultat auch selbstkritisch: „Ich hatte mich nicht gut gedehnt vor dem Start, nach 500 Metern wurden meine Arme so fest, dass ich Druck rausnehmen musste.“ Das ist das eine, das andere ist: „Ich bin vielleicht zu locker an die Aufgabe rangegangen, wollte das Feld dominieren. Dazu hätte ich mehr Wut und Willensstärke reinpacken sollen“, erklärt Krüger.

So sah es auch Zander: „Sein Problem ist noch das Kämpferische – gegenzuhalten, wenn einer mitfährt.“ So leicht lässt sich die deutsche Konkurrenz selbst für den Doppelzweier-Weltmeister 2018 nicht dominieren. „Ich war trotzdem zufrieden mit meiner Leistung. Und ich finde es auch nicht dramatisch, dass das Finale schlecht gelaufen ist“, sagt Krüger. „Ich habe noch die Chance, meine Position zu verbessern.“

SCM-Trainer Zander ist zuversichtlich

Ein gute Position hat er sich trotzdem geschaffen: Denn mit Aaron Erfanian (Hannover) gewann er in Köln den Doppel-zweier deutlich. Und wenn er mit Erfanian auch bei der Internationalen Regatta in München (4./5. Mai) im deutschen Vergleich vorne wegfährt, dann steuern beide das Boot zur Europameisterschaft in Essen (18./19. Mai), für die Berghoff im Einer bereits qualifiziert ist. „Ich denke, das sollten sie schaffen“, sagt Trainer Zander.

Für die Weltmeisterschaft in Tokio (7. bis 11. August) wiederum müssen sie sich über die zweite Rangliste in Hamburg und die deutsche Meisterschaft qualifizieren. „Und die Chancen auf die WM sind durch die Ergebnisse in Köln zumindest nicht kleiner geworden“, meint Zander. In diesen Rennen wiederum kann sich auch Nick Welzenbach als dritter SCM-Skuller beweisen. Der 18-Jährige wurde in Köln Zehnter.

Zander: „Er ist im Bereich der Nationalmannschaft vertreten. Aber durch seinen aufwändigen Ruderstil hat er noch Probleme, seine Kraft über die gesamte Distanz umzusetzen.“ Auch Welzenbach wird noch viele schweißtreibende Stunden im Kraftraum verbringen.