Magdeburg l Paul Berghoff konnte seinen Tag ja gar nicht entspannter verbringen. Sein Tag begann nämlich nach einem ausgedehnten Schönheitsschlaf, ging weiter mit einem Krafttraining oder mit einer Fahrt auf dem Ruder-Ergometer nach den Vorgaben seines Trainers Roland Oesemann. Am Nachmittag holte er das Rennrad aus der Garage oder zog sich die Laufschuhe an. Und irgendwann zwischen all den sportlichen Verpflichtungen hat er sich um die Schule gekümmert und sich zum Schutz vor dem Coronavirus regelmäßig die Hände gewaschen.

So lief es zumindest bis zum Dienstag nach Ostern. Bis zu jenem Tag also, an dem das Areal an der Magdeburger Industriestraße wieder seine Pforten für den Perspektivkader des SCM öffnete. „Mit einer super Ausnahmegenehmigung“, berichtete Berghoff, kehrte er zurück ins Boot und auf das Wasser. Bundesstützpunktleiter Bernd Stumpe bestätigte: „Olympia-und Perspektivkader dürfen in Kleingruppen trainieren.“ Der Landessportbund (LSB) hatte dafür am Gründonnerstag eine Sondergenehmigung beim Landesverwaltungsamt beantragt. Und diese gilt sowohl für Berghoff, Paul Krüger und Tabea Kuhnert als auch für Philipp Syring als Ersatzkader des nationalen Verbandes (DKV).

Joggen als schöne Abwechslung

Berghoff muss also die Laufschuhe nicht mehr anziehen, nicht mehr mit dem eigenen Körpergewicht das Krafttraining absolvieren. In Magdeburg hat er alles, was ein Ruderer für seine Leistungsentwicklung benötigt – inklusive Trainer.

Dabei gehört Berghoff zu der eher seltenen Spezies der Skuller, die eine Einheit auf der Joggingstrecke durchaus erquickend findet. „Joggen ist eine schöne Abwechslung und macht Spaß“, betonte Berghoff nämlich. Zumal in den vergangenen Wochen auch ein Kumpel immer dabei war, wenn er an den Feldern rund um seine Heimatstadt Stendal vorbeizog. 45 bis 75 Minuten lang pro Einheit.

Dann eben im nächsten Jahr

Jene Einheit auf dem Wasser dauert nun wieder länger, er muss Kilometer trainieren, um auch die Grundlagen zu halten oder sogar auszubauen. Nur rudert Berghoff derzeit ohne Ziel. Zumindest in diesem Jahr. Für den 18-Jährigen gilt wie für alle Clubgefährten: Die geplante Weltmeisterschaft der U 23 im August in Bled (Slowenien) ist abgesagt. Solange sie das nicht war, lag natürlich auch der Fokus des Paul Berghoff auf den Titelkämpfen. Darauf, sich im Anschlusskader der Elite zu beweisen, nachdem er in der U 19 so erfolgreich gerudert war: WM-Bronze 2018, WM-Gold 2019. Jeweils im Doppelvierer. „Ich möchte an meine Erfolge anknüpfen“, blickte Berghoff entsprechend voraus.

Dafür wollte und will er weiter an seiner Technik basteln, was in Stendal zunächst natürlich nicht möglich war. „Das Training fällt mir nicht schwerer als in Magdeburg“, hat Berghoff über das Intermezzo im heimischen Zimmer berichtet. „Nur wenn ich Belastungen fahre, ist es schon komisch, wenn ich niemanden hinter mir habe, der mich motiviert.“ Was wiederum Trainer Oesemann mit seiner tiefen Stimme und seinem lauten Organ beherrscht. Und ganz sicher in diesen Tagen wieder anbringt.

Die Ausfälle aller nationalen Regatten bis Mitte August – so hat es der DRV entschieden – tangiert Berghoff indes wenig. In seiner typischen Gelassenheit sagte er: „Jetzt habe ich ein Jahr mehr, um mich auf die WM vorzubereiten.“ Die U-23-Titelkämpfe 2021 werden im tschechischen Racice ausgetragen.