Essen/Magdeburg l Über den richtigen Ort hat sich Jette Prehm noch keine Gedanken gemacht, aber irgendwo in ihrer Wohnung wird ihre erste internationale Medaille einen besonderen Platz finden. Jette Prehm vom SC Magdeburg ist nämlich am Sonntag in Essen zu Bronze bei der U-19-Europameisterschaft gerudert, gemeinsam im Doppelzweier mit Judith Guse.

Auf Angriff gefahren und Bronze geholt

Landestrainer Paul Zander resümierte: „Die Mädchen sind voll auf Angriff gefahren und haben sich mit Bronze belohnt.“ So wie sich auch Paul Krüger belohnt hat – mit Gold im Doppelzweier mit Aaron Erfanian. Nur einer verließ den Baldeney See enttäuscht: Paul Berghoff.

Prehm und Guse hatten einen Start gezogen, der die Konkurrenz zunächst ziemlich blass aussehen ließ. Nach 500 Metern führte das Boot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bereits mit einer halben Länge und konnte im weiteren Verlauf den Vorsprung sogar ausbauen.

„Aus unserer Sicht ist das Rennen für uns gut gelaufen, wir haben technisch alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, berichtete die 18-Jährige. „Also sind wir zufrieden mit Platz drei“, fügte sie lächelnd an.

Nur reichten die Kräfte nicht mehr für ein besseres Ergebnis. Zumal Guse sich noch am Freitag mit einer Lungenentzündung geplagt hatte. „Darauf möchte ich es nicht schieben, aber wer weiß schon, wie es sonst ausgegangen wäre“, sinnierte Prehm.

Sieg geht an Litauen vor Italien und Deutschl

Das Duo musste letztlich Litauen zum Sieg über die 2000 Meter lange Distanz ziehen lassen. In 7:07,41 Minuten setzten sich die Baltinnen gegenüber Italien (7:08,52) und dem deutschen Boot (7:10,19) durch.

Einen ziemlich großen Rückstand hatte dagegen Paul Berghoff auf die Medaillenplätze. 5,7 Sekunden fehlten dem Einerfahrer zur Bronzemedaille. 9,97 Sekunden gar zu Gold, das sich der Belgier Tristan Vandenbussche mit seiner Zeit von 6:56,60 Minuten sicherte.

Als einziger Ruderer ohne Medaille nach Hause

„Natürlich ist er enttäuscht, wenn er als einziger Ruderer aus der Mannschaft ohne Medaille nach Hause fährt“, sagte Berghoffs Heimtrainer Zander, der zugleich tröstende Worte fand: „Aber sein Ziel ist die Weltmeisterschaft in Tokio. Und er hat auch bei der EM bewiesen, dass er mit dem internationalen Spitzenniveau mithalten kann.“

Berghoff wird selbst einige Nächte über sein Abschneiden schlafen müssen, bis er auch die positiven Dinge des Wochenendes für sich entdecken kann. Am Sonntag war ihm danach nämlich noch nicht. „Das war ein richtig schlechtes Rennen“, sagte der 17-Jährige. „Es hat einfach keinen Spaß gemacht, ich habe keinen eingeholt.“ Zur Hälfte lag er sogar vier Sekunden hinter dem Vorletzten. „Es hat sich angefühlt, als würde ich meine Kraft umsonst anstrengen.“

Bis zur WM noch sehr viel zu tun

So soll es, so darf es dann in Richtung Weltmeisterschaft nicht weitergehen. Es steht die Junioren-Regatta in Hamburg am ersten Juni-Wochenende an, dann folgt die deutsche Meisterschaft. Und im Ergebnis beider Wettbewerbe steht fest, ob Berghoff, der momentan beste Einerfahrer in Deutschland und in seiner Altersklasse, dieses Boot auch nach Tokio fährt.

Daran gibt es indes beim 18-jährigen Paul Krüger keine Zweifel. Der Endspurt, den er im Endlauf mit Erfanian hinlegte, war sagenhaft. Und erlaubt derzeit eigentlich nur die Frage, in welchem Boot der Doppelzweier-Weltmeister von 2018 zu den nächsten Welttitelkämpfen fahren wird.

Starkem Schlussspurt ist keiner gewachsen

Die Griechen hielten bis zur 1500-Meter-Marke das Rennen offen. Aber dann erhöhten Krüger und Erfanian das Tempo mit kraftvollen Zügen und brachten den EM-Sieg überaus souverän in 6:22,59 Minuten nach Hause. Mit 1,12 Sekunden Rückstand folgte Italien, die Griechen brachen ein, retteten mit 4,63 Sekunden auf das deutsche Duo aber noch Bronze.

„Pünktlich zum Finale sind sie ihr bestes Rennen an diesem Wochenende gerudert“, berichtete Zander. Denn nach dem Halbfinale hatte Krügers Coach noch ein wenig Bauchschmerzen. „Das war keine überzeugende Leistung.“ Doch der Sonntag ließ auch den 29-jährigen Coach lächeln. „Das war wirklich ein krasser Endspurt. Das haben sie sehr gut gemacht“.