Hamburg/Magdeburg l Herzrasen auf der Regattastrecke, die Muskeln übersäuern. Tabea Kuhnert hat sich gequält über 2000 Meter. Zum eigenen Leidwesen, „weil ich nicht das umsetzen konnte, was ich mir vorgenommen hatte“, berichtet sie. Im Vorlauf der U-23-Kleinboot-Überprüfung des Deutschen Ruderverbandes (DRV) fuhr sie am vergangenen Sonnabend soweit hinterher, dass es nur für das B-Finale gereicht hätte. „Ich habe das Problem der hohen Herzfreuquenzen schon länger“, sagt sie. Aber diesmal war das Problem so groß, dass Trainer Roland Oesemann sie aus dem Wettbewerb nehmen musste. „Mir ging es schlecht“, erklärt die 20-Jährige vom SC Magdeburg.

Freude an der Industriestraße: Per Mail trudelt gestern auf dem Trainingsareal der Ruderer die Nachricht von der EM-Nominierung ein. Und neben Paul Berghoff und Paul Krüger hat es auch Tabea Kuhnert in den DRV-Kader geschafft. Wie es sich die Athletin und ihr Coach erhofft hatten. U-23-Bundestrainerin Brigitte Bielig weiß, was sie an Kuhnert hat: eine der stärksten Skullerinnen nämlich. Sonst wäre sie nicht zu drei Lehrgängen mit der Elite eingeladen worden in jüngster Vergangenheit. Die Vorbereitung auf die Europameisterschaften in Duisburg (4. bis 6. September) beginnt für sie deshalb am Donnerstag in Leipzig. Kuhnert: „Ich freue mich.“

Frauen in Leipzig, Männer in Berlin

Einen Tag zuvor reisen Berghoff und Krüger in Berlin-Grünau an und werden für einen Start im Doppelzweier oder -Vierer gesichtet. In welcher Klasse sie dann in Duisburg starten, das wissen nämlich beide noch nicht. Was sie aber wissen: „Egal in welchem Boot: Das Ziel bei der EM ist eine Medaille“, betont Berghoff. Der 18-Jährige hat in Hamburg den vierten Platz im Einer und mit Franz Werner den zweiten Platz im Doppelzweier belegt bei Siegen von Moritz Wolff sowie Wolff/Alexander Finger.

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Für die U-23-Athleten war es der erste Wettkampf in diesem Jahr überhaupt, aber das konnte Berghoffs Nerven aus Stahl nicht schmelzen. So grundsätzlich. „Erst, als ich im Vorlauf nach 1000 Metern immer noch Dritter war, war meine Aufregung groß“, teilt er mit. In seinem ersten Einer-Rennen musste er bei drei Startern Zweiter werden, um sich für den Endlauf zu qualifizieren. Letztlich schaffte das Berghoff souverän, mit dem Finalstart hatte er sein EM-Ticket praktisch gelöst.

Endspurt zu spät gesetzt

Wie auch Paul Krüger, der auf Platz sechs im Einer und auf Rang drei im Doppelzweier mit Jonas Gelsen fuhr. Auch er ging nicht aufgeregt ins Rennen, „eher konzentriert, erst als ich hoch zum Start gefahren bin, wurde mir etwas mulmig“, berichtet der 19-Jährige. Krüger absolviert eine Ausbildung bei der Landespolizei, seine Trainingszeit hatte sich in den vergangenen Monaten reduziert. „Dass ich Sechster geworden, finde ich auch nicht schlimm“, sagt der Athlet. Eines hatte ihn aber doch geärgert: „Dass wir den Endspurt im Doppelzweier-Finale erst 100 Meter und nicht schon 250 Meter vor dem Ziel gezogen haben.“

Womöglich wäre dann eine bessere Platzierung möglich gewesen. Und dann hätte er auch ein bessere Referenz für einen Start im Doppelzweier abgegeben – jenes Boot also, in dem er in den vergangenen beiden U-19-Jahren einmal Weltmeister und einem Vizeweltmeister wurde. „Aber das sind Kommunikationsprobleme, die wir vor dem Rennen klären müssen.“ Von Enttäuschung war bei Krüger dennoch keine Spur: „Ich bin in jedem Fall im Doppelvierer dabei.“