Magdeburg l Zwischen der Vorlesung im großen Hörsaal und den letzten Weihnachtseinkäufen hatte die Neu-Magdeburgerin, die schon seit 2014 für Aufbau Elbe spielt, nur wenig Zeit zu verschnaufen. Seit dem Herbst studiert die gebürtige Göttingerin an der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) Physik. Mit sieben Jahren kam Fiona Sieber zum Schach, spielte mit acht Jahren ihre ersten Schnellschachturniere, nahm ein Jahr später erstmals an der deutschen Meisterschaft teil.

Schach hat Priorität

„Mir wurde schnell klar, dass Schach gegenüber dem Fußball Priorität hat. Das Faszinierende am Schach sind die unendlich vielen verschiedenen Möglichkeiten, und dass Feinheiten teilweise Riesenunterschiede ausmachen können“, sagt die Spitzenspielerin des Magdeburger Oberligisten. Dass sie für Aufbau Elbe startet, ist kein Zufall. „In Magdeburg, generell in Sachsen-Anhalt gibt es nicht nur eine bessere Förderung, sondern auch ein höheres Leistungsniveau als in Niedersachsen“, so Fiona Sieber, die ihr Abitur im Sommer mit 1,1 machte.

Obwohl sie kürzlich als German-Open-Siegerin ein Preisgeld von 3000 Euro kassierte, kann die Physikstudentin nicht vom Schach leben. „Das ist immer noch ein Hobby, bei dem man zuzahlt. Noch halte ich mir aber alles offen“, so die Blondine, die sich für Quantenphysik und Medizintechnik interessiert. Neben Studium und Schach bleibt nicht viel Zeit für andere Hobbys. Erst einmal war sie im Studentenclub „Baracke“, hat aktuell keinen Freund.

Schnell fünf Trainingsstunden am Tag

Mit zweieinhalb Stunden Vereinstraining, anderthalb Stunden Kadertraining und einer Stunde individuelles Training, zumeist online mit dem früheren USC-Akteur Alexander Marquardt, kommen schnell mal fünf Stunden am Tag zusammen. „Dennoch geht das Studium natürlich vor“, versichert die WG-Bewohnerin, die eine Viertelstunde mit dem Rad bis zur Uni braucht und das „viele Kopfsteinpflaster“ in Magdeburg beklagt.

Vom Weltmeister enttäuscht

Auch ihre jüngeren Geschwister Cassandra und Adalbert spielen Schach, aber „nur“ hobbymäßig. Sieber, die auch eine Schach-AG an der Grundschule „Im Nordpark“ leitet, verfolgte so die Schach-WM kürzlich mit ganz anderen Augen. Als jemand, „der einen scharfen offensiven Spielstil favorisiert“, zeigte sie sich vom Auftreten des alten und neuen Weltmeisters Magnus Carlsen leicht irritiert: „Vor allem hat mich sehr enttäuscht, dass Carlsen in der letzten Partie remis geboten hat, obwohl er besser stand. Eigentlich möchte ich so etwas vom Weltmeister nicht sehen, dass er praktisch nur auf den Schnellschachwettkampf spielt, wenn er besser steht.“

Aus Niederlagen lernen

Sieber selbst erlitt kürzlich im Oberliga-Kampf gegen den Löberitzer Sebastian Pallas am Spitzenbrett eine Niederlage. „Daraus kann man mehr lernen als aus einem Sieg“, ist sie sich sicher, baut sich dann zumeist beim Ausgleichssport mit Rollski und Gettoworkout neu auf.

Dass Frauen die besseren Schachspieler sind, ist für sie zweifelsfrei sicher: „Frauen wird ein taktischerer Spielstil nachgesagt.“ Darum verwundert es nicht, dass Sieber im Oberliga-Team von Aufbau Elbe mit Landestrainerin Tatjana Melamed und Maria Schöne weitere starke Mitspielerinnen hat.

Das Weihnachtsfest war für Fiona Sieber bereits am zweiten Feiertag beendet, denn tags darauf saß sie in Osnabrück bei den deutschen U-20-Mannschaftsmeisterschaften ab 8.30 Uhr für Aufbau Elbe schon wieder am Brett.