Magdeburg l Tom Oelsner hat seine Damen vor dem ersten Aufschlag in der Landesoberliga nach ihren Zielen gefragt. Und seine Damen sollten „frei von der Leber weg reden“, sagt der Trainer der Volleyballerinnen vom Magdeburger SV 90. Das haben sie sicher auch getan, aber das Wort Aufstieg wollte irgendwie keiner Spielerin über die Lippen gehen. „Das war bislang kein Thema bei uns“, bestätigt der Coach. Es könnte eines werden. Denn nach drei Spieltagen der neuen Saison, nach drei Siegen und jeweils ohne Satzverlust, steht der MSV 90 eindeutig unter Titelverdacht. Oder wie Oelsner sagt: „Das könnte eine erfolgreiche Saison werden, auch wenn wir erst am Anfang stehen“.

Ganz am Anfang stand ein 3:0-Sieg bei Pädagogik Schönebeck. Am vergangenen Wochenende folgten ein 3:0 gegen Motor Zeitz und ein 3:0 gegen USV Halle II. Das klingt schön deutlich, aber bei all der Deutlichkeit ist das nicht die ganze Wahrheit. „Wir haben im ersten Satz mit 2:9 zurückgelegen“, sagt Oelsner, der die Damen im vierten Jahr trainiert.

In der Ruhe liegt die Kraft

Aber eine verlässliche Eigenschaft seiner Mannschaft ist dann „die Ruhe, die Konzentration, mit denen sie weitermachen. Sie stabilisieren sich dann in einem einzelnen Element.“ Wie die Annahme, die wiederum eine Grundvorausetzung für den eigenen erfolgreichen Angriff ist. So kämpfte sich der MSV 90 zum 26:24 und ließ dann ein 25:11 und ein 25:18 folgen – die eigentlichen Standardergebnisse in dieser Saison.

Oelsner, ehemaliger Zweitliga-Spieler des USC, stehen 17 Frauen zur Verfügung – mehr oder weniger. Zumindest „habe ich mehr Spielerinnen, als ich auf das Protokoll schreiben kann“. Aber darunter sind nicht nur junge Mädels wie die 17-jährige Julie Sämisch, die vom VC 97 Staßfurt zum MSV gekommen ist. „Sie hat sehr gut eingeschlagen“, freut sich Oelsner über die Zuspielerin. Drei weitere Akteurinnen haben sich außerdem der Mannschaft angeschlossen, darunter mit Jenny Osterburg eine Spielerin mit Regionalligaerfahrung.

Kein Freund vom Stammsechser

Aber: „Es sind auch junge Mütter dabei, die ihren Sport und das Familienleben in Einklang bringen.“ Und deshalb nicht immer zum Spiel zur Verfügung stehen. „Wir haben aber eine gute Mischung, jede ist wichtig, alle spielen auf einem gleichmäßigen Niveau“, sagt der 52-Jährige. Was ihm sehr entgegenkommt: „Ich bin kein Freund vom Stammsechser.“

Und wer soll die Magdeburgerinnen, die 2019 den Landesmeistertitel gewannen und in der vergangenen, coronabedingt abgebrochenen Saison Rang zwei belegten, nun aufhalten? Zumindest ein Team macht er als härtesten Konkurrenten aus: den VC Bitterfeld-Wolfen II, wenngleich die Regionalliga-Reserve noch kein Spiel bestritten hat. Vielleicht mischt auch der PSV Halle im Kampf um einen Spitzenplatz mit, der PSV hat sich ebenfalls zu drei Siegen und 9:2 Sätzen in der neuen Serie geschmettert.

Aber womöglich ist es am Ende trotzdem der MSV 90, der sich die Aufstiegsfrage stellen muss. Nach dem Titel in der Saison 2018/19 lehnte das Team den Gang in die Regionalliga ab. Aus Zeit- und Kostengründen, weil sie 18 statt zwölf Spieltage bestreiten müssen. Tom Oelsner meint also: „Es hat eben alles sein Für und Wider.“