Magdeburg l 377 Kilometer sind es bis nach Kiel, 281 Kilometer sind es bis nach Hamburg. Und Anja Bechmann überlegt nun, wie sie die weitesten Anfahrten in der nächsten Saison letztlich zu einem Doppelspieltag kombinieren kann, dass am Ende im Grunde genommen nur eine weite Anfahrt ins Konto des USC Magdeburg schlägt. „Grundsätzlich ist der finanzielle Aufwand in der 3. Liga nicht so viel höher als in der Regionalliga“, hat die Trainerin nämlich anhand der Mannschaften, auf die ihre Volleyballerinnen ab dem kommenden Herbst treffen werden, ausgerechnet. Das gilt allerdings nicht für das spielerische Niveau. „Das wird für uns nicht einfach“, ist sich die 36-Jährige sicher.

Bechmann ist seit zehn Jahren beim USC, und mit diesem ist sie bislang recht beständig Fahrstuhl gefahren. Aus der Regionalliga ging es in die Landesoberliga und aus der Landesoberliga ging es wieder in die Regionalliga. In der Saison 2018/19 schafften die USC-Damen erstmals den Klassenerhalt in der höheren Klasse, „schon das war historisch“, sagt Bechmann. In der abgelaufenen Serie belegte das Team sogar den dritten Platz, fernab vom Abstieg, ganz nah am rechnerisch möglichen Aufstieg.

Und weil die Saison wegen des Coronavirus vorzeitig abgebrochen wurde, kam von höchster Stelle, vom Deutschen Volleyballverband (DVV) nämlich, die Anfrage: Wollt Ihr in die dritte Liga? Und der USC sagte: Ja, ich will. Oder vielmehr: Naja, irgendwie schon.

Simon sagt zu

Denn ganz so einfach ist dieser Aufstieg für die eine oder andere Dame nicht. Erst recht nicht für die Mütter. Die jungen Spielerinnen waren natürlich Feuer und Flamme für die neue Herausforderung und riefen: „Lasst uns das machen!“ Aber eine Bianca Bialek kann sich mit dem Gedanken, dritte Liga, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, nicht mehr anfreunden. Zudem verlassen die starke Laura Slabon und Luise Stößel berufsbedingt das Team und Magdeburg. Aber: „Ich brauche in dieser Mannschaft auch Erfahrung“, sagt Bechmann.

Wie zum Beispiel die Erfahrung einer Blanca Simon, 38 Jahre, dreifache Mama, bundesligaerfahren. „Erst als sie mir die Zusage gegeben hat, konnte ich mich mit ruhigem Gewissen für den Aufstieg entscheiden“, betont die Trainerin. Simon hält die Mannschaft nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb des Parketts zusammen. Und sie könnte oder wird die wohltuende Stimme im Team sein, wenn es auch mal eine Niederlagenserie mental zu verkraften gilt.

Denn: „In der 3. Liga erwarten uns schon ganz andere Kaliber“, ist sich Bechmann sicher. Sie kennt selbst noch einige Akteurinnen aus ihrer aktiven Zeit. Allen voran Julia Flach, ihre beste Freundin, die für den TSV Tempelhof-Mariendorf spielt. Und damit in einer ambitionierten Mannschaft, die von der ehemaligen Nationalspielerin Regina Burchardt Mapeli angeführt wird.

Neumann und Timme dabei

Um sich vom neuen Niveau nicht überraschen zu lassen, möchte Bechmann – sollte die Krise zu diesem Zeiptpunkt beendet sein – ihre Mädchen bereits Mitte Juli zur ersten Trainingseinheit bitten. Neu dabei werden dann auch Eva Neumann und Lena Timme sein, die von der WSG Refom zum USC wechseln. „Wir werden außerdem Probetrainings veranstalten, denn aus Erfahrung kommen mit Beginn des Wintersemesters Studentinnen dazu“, berichtet Bechmann. Vielleicht auch eine recht große, die den Angriff verstärken kann. „Denn auf uns kommt in jedem Spiel ein großer Block zu“, blickt Bechmann voraus. „Das steht fest.“

In jedem Fall muss bis zum Meldetermin am 1. September der Kader stehen, der das Abenteuer dritte Liga angeht.Und dieser wiederum mit einer besseren Annahme als in der vergangenen Saison. Mit mehr Tempo im Spiel. „Wir brauchen schnellere Pässe“, sagt Bechmann. In Kiel, in Hamburg, auch in Halle. Denn neben den Magdeburgerinnen sind auch Einheit Zepernick und der USV aus der Regionalliga in die dritte Liga aufgestiegen.

Und das Schöne an einem Landesderby ist nicht zuletzt der Weg dorthin: Nach Halle sind es nämlich nur 86 Kilometer.