Magdeburg l Marc Böer hat berichtet, dass der Haarwuchs in seinem Gesicht „einige Zeit der Pflege in Anspruch nimmt“. Dieser voluminöse Vollbart muss gewaschen, gekämmt und geölt werden, damit er gesund wachsen kann. Und wie mit dem Bart des Keeper der Wasserball-Union Magdeburg (WUM) verhält es sich mit seiner Mannschaft – sie muss für eine gesunde Perspektive ihre jungen Spieler pflegen und diese an ihren Aufgaben wachsen lassen.

Damit haben die Magdeburger bereits begonnen. Und das können sich die Magdeburger auch leisten. Denn im Kampf um den Titel in der 2. Bundesliga Ost werden sie in den verbleibenden 13 Saisonspielen kaum noch eine Rolle spielen. „Der SSV Plauen ist wirklich gut“, sagt Böer. Der SSV Plauen ist der ungeschlagene Tabellenführer, bei dem auch die WUM bereits ordentliches Lehrgeld gezahlt hat. Das darf der Nachwuchs des Teams weiterhin. „Während wir zu Saisonbeginn immer mit sieben, acht Akteuren durchgespielt haben, wollen wir nun den jungen Spielern die Chance geben, Praxis und Erfahrungen zu sammeln“, betont Böer.

Chance für die Jugend

So wäre es keine Überraschung, wenn heute ab 16 Uhr bei der SGW Brandenburg im Marienbad wieder ein Ricardo Rodenbeck oder ein Sebastian Lindner von Beginn an zum Einsatz kommen würden. Sie sind 18 und 17 Jahre jung. Und zuletzt, beim 13:10-Heimsieg gegen die SG Neukölln II, „waren sie von Anfang an dabei und ,Basti‘ gleich so gut, dass er durchspielen konnte“, berichtet der Torwart.

Böer kümmert sich inzwischen selbst um die taktische Marschroute seines Teams, das Schwimmtraining haben Tom Hagendorf und Florian Kaufmann, der vor einem Jahr vom SCM zur WUM gewechselt ist, übernommen. Böer hat zudem Klemens Wurl ans Torwartspiel herangezogen.

Was ist mit WUM-Coach Mijokovic?

„Wir haben mit ihm ein halbes Jahr Technik- und Grundlagentraining gemacht“, berichtet der ehemalige Junioren-Nationalkeeper. Und mit dem 18-Jährigen beschäftigen sich auch weiterhin die arrivierten Keeper Detlef Klotzsch, Marco Schoder und eben Böer. Bleibt nun die Frage: Welche Rolle spielt dabei eigentlich noch der Trainer?

Milan Mijokovic hat sich schon seit Wochen weder bei den Einheiten noch bei den Partien sehen lassen. Und bei der WUM hat man sich bereits mit dem Gedanken angefreundet, dass ihn dort auch niemand mehr sehen wird. Geschweige denn, dass es überhaupt noch von der Mannschaft gewollt ist. Aus der WUM ist kein Führungs-, sondern ein Gemeinschaftsprojekt geworden. Was keine Dauerlösung sein soll. Aber so familiär, wie die Protagonisten es derzeit gestalten, könnte daraus künftig eine Erfolgsgeschichte werden. Künftig bedeutet in der nächsten Saison, wenn sie um den Aufstieg kämpfen wollen.

Ein besonderes Duell

Bis dahin hat das Team Zeit, an seine Defiziten zu arbeiten. Die liegen nicht beim Torwart, denn der 27-jährige Böer gehört zu den Herausragenden seiner Zunft in der Liga. Immerhin übernimmt er schon seit 17 Jahren diese Funktion, und selbst beim MSV 90, wo er zuvor Fußball spielte, stand er zwischen den Pfosten. Die Schwächen liegen auch nicht in der Defensive. „In der Positionsverteidigung ist es schwer, gegen uns ein Tor zu erzielen“, sagt Polizist Böer. Sie liegen weiterhin im Umkehrspiel.

So ist also jede Partie, die noch folgt, auch ein nächster Schritt in der Weiterentwicklung. Ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren: einen Sieg. Und jenes Duell in Brandenburg ist dabei ein ganz besonderes. „Nach unserem Abstieg gab es in der 2. Liga zunächst nur uns und Brandenburg, das waren immer heiß umkämpfte Spiele“, erklärt Böer zugleich das gewachsene Niveau in jener Klasse. Seit einigen Jahren heißt der Übungsleiter der Brandenburger zudem Christopher Bott, der selbst ein Magdeburger Urgestein ist.

Brandenburg im Mittelfeld

Während sich die WUM allerdings weiter zu den Spitzenteams der Liga zählen darf, ist ihr Gastgeber mit einem Altersschnitt von 28 Jahren und einer durchschnittlichen Körpergröße von 1,78 Metern im grauen Mittelfeld der Tabelle gelandet: Platz acht und 4:10 Punkte. Die WUM ist Vierter (10:4). Dennoch hat die SGW mit Patrick-Jörg Hehr einen treffsicheren Schützen, der bereits 22 Tore in dieser Saison markiert hat. Bester Werfer der Magdeburger ist Kapitän Lukas Schulle (24).