Oschersleben l Der Klage des SV Blau-Weiß Empor Wanzleben über hohe Strafen für nicht gestellte Schiedsrichter in einem offenen Brief, schlossen sich der FSV Barleben und der HSV Colbitz mit ihren Leserbriefen sofort öffentlich an. Doch was sagen die Verantwortlichen in den Verbänden zum Thema?

Die Satzung gibt es vor

Eckhard Jockisch, Präsident des Kreisfachverbandes (KFV) Fußball Börde, reagiert auf Nachfrage der Volksstimme zurückhaltend: „Wir sind nur ausführendes Organ. Unsere Sportrichter unterliegen der Hoheit des FSA (Fußballverband Sachsen-Anhalt), uns kommt nur das Geld zugute. Ich sage immer wieder: Mit der Aufnahme in den Verband erkennen die Vereine die Satzung vorbehaltlos an. Ich finde die Strafen auch überhöht, bin dagegen, dass es jedes Jahr mehr wird. Man muss aber sagen, dass wir eigentlich noch viel höhere Strafen aussprechen könnten.“

Obwohl das Sportgericht des KFV Börde den Rahmen also nicht voll ausschöpft, kommen hohe Summen zusammen: 1000 Euro zahlte Wanzleben, 1600 der FSV Barleben allein im zurückliegenden Jahr. Einzelfälle? Mitnichten! Jockisch: „Für manche Vereine ist es sogar günstiger, dafür einfach eine Summe einzuplanen, als sich um Schiedsrichter zu kümmern.“

Punktabzüge drohen

Eine besorgniserregende Entwicklung, die, ebenso wie das Abwerben von Schiedsrichtern aus anderen Vereinen, das eigentliche Problem keinesfalls löst. Auch deshalb sollen Vereine, die nicht genügend Schiedsrichter stellen, künftig sogar mit Punktabzügen bestraft werden. Ablöse-Zahlungen an den ausbildenden Verein, ähnlich wie es sie bereits bei Spielern gibt, sind eine weitere Möglichkeit.

Markus Scheibel, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im FSA, beschäftigt der Schiedsrichtermangel im Land seit langem. Er sieht verschiedene Ursachen und Lösungsansätze: „Das fängt beim Verhalten an, sowohl von Fans, Spielern und Offiziellen auf dem Platz, als auch im Verein. Man sieht sehr genau, in welchen Vereinen man sich gut um die Schiedsrichter kümmert und in welchen sie nur das fünfte Rad am Wagen sind.“

Dass die Attraktivität des Schiedsrichter-Amtes unter der fehlenden Anerkennung leidet, ist auch einer Studie zu entnehmen, die jüngst die Hochschule Harz ausgearbeitet hat.

Neue Schiedsrichter gewinnen

Um dem Schwund entgegenzuwirken, ist es wichtig, neue Schiedsrichter zu gewinnen. Die Strafgelder sollen dann möglichst in deren Ausbildung gesteckt werden. Scheibel: „Die Aufgabe der Schiedsrichter-Gewinnung ist bei den Vereinen angesiedelt, denn die kennen ihre Leute am besten. Aber klar ist auch: Es geht nur gemeinsam! Ich biete mich gern an, mit Nachwuchsspielern zu sprechen, die als Fußballer vielleicht keine Granate sind, aber eine Laufbahn als Schiedsrichter einlegen könnten. So war es bei mir selbst ja auch.“

Trotzdem wird die Aufgabe in gewisser Weise bis zur untersten Ebene, dem kleinen Verein, den dann auch die Strafen ereilen, durchgereicht. Was wäre denn, wenn nicht die Vereine, sondern die Kreis- oder Landesverbände vereinslose Schiedsrichter stellen müssten? Eckhard Jockisch lehnt das kategorisch ab: „Wenn das auf uns umgewälzt wird, dann macht das keiner mehr. Das tut sich doch keiner an! Wir sind alle nur Ehrenamtliche.“

Scheibel ist dem Gedanken gegenüber offener: „Ein ähnliches Model gibt es in den Niederlanden mit einer Schiedsrichter-Vereinigung. Aber natürlich müssen die Vereine dann für diese externe Leistung zahlen. Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht, würde aber das ganze bisherige System aushebeln. So etwas kann nicht von einem einzelnen Bundesland ausgehen.“

So bald wird sich also nichts ändern. Aber der Landesverband ist immerhin bemüht – auch mit Hilfe der Studie der Hochschule Harz – neue Lösungsansätze für das Problem zu finden.

Das ist nicht in Ordnung

Bis dahin dürfen die Vereine zumindest auf etwas mehr Gerechtigkeit bei den Strafen hoffen. Der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses des FSA zum Fall des HSV Colbitz, bei dem der Verein bestraft wurde, weil der Schiedsrichter krankheitsbedingt nicht genügend Einsätze absolvieren konnte: „Wenn es sich so zugetragen hat, ist das nicht in Ordnung! Ich finde es dann schade, dass der Verein nicht direkt bei mir anruft. Ich kann nur an jeden Verein appellieren, seine Sicht darzulegen. Man muss immer miteinander reden. Es darf nicht in den Köpfen stecken: Wir haben sowieso keine Chance!“