Oschersleben l Nach der Gründung eines Nachwuchsförderzentrums wurde nun Steven Herbst in die Abteilungsleitung Fußball des OSC berufen.

Herr Herbst, Sie sind kürzlich in die Abteilungsleitung Fußball des Oscherslebener SC berufen worden. Können Sie einen kurzen Einblick in ihre fußballerische Laufbahn geben?

Die Geschichte um meine sportliche Laufbahn ist eher unspektakulär und schnell erzählt. Die ersten Gehversuche auf dem Rasen habe ich in meinem Heimatort beim SV Rot-Weiß Wackersleben als Libero gemacht. Auf dem Gymnasium wurde ich dann von meinem damaligen Sportlehrer, Herr Bindseil, angesprochen, ob ich mir vorstellen könne, in die Kreisstadt zu wechseln. So begann meine Zeit beim OSC in der C-Jugend. Da ich die läuferischen Nachteile eines Feldspielers früh erkannte und es mich sowohl beim Training als auch beim Freizeitkicken verstärkt ins Tor gezogen hat, wechselte ich die Position. Als Torwart spielte ich dann alle Jugendklassen beim OSC durch.

Gab es sportliche Höhepunkte in ihren Jugendjahren?

In dieser Zeit ist mir und einer Hand voll anderer die Ehre zu Teil geworden, im DFB- Stützpunkt in Halberstadt trainieren zu dürfen. Diese Förderung, die erfolgreichen Turniere im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ und natürlich die tollen Momente im Vereinssport, egal ob auf dem Rasen, in der Halle oder bei Turnieren im Ausland, waren sehr prägend. An dieser Stelle muss ich meinen Eltern einen riesen Dank aussprechen, denn ohne ihre Bereitschaft, diesen enormen, zeitlichen Aufwand auf sich zu nehmen, wäre es unmöglich gewesen, vier oder fünf Mal in der Woche nach Halberstadt und Oschersleben zu gelangen.

Wie ging es dann weiter?

Mit 17 war es schließlich soweit. Ich durfte erstmalig bei den Herren reinschnuppern und wer den alten Sozialtrakt im Stadion kennt, weiß, was damit gemeint ist. Stolz, aber auch ängstlich, in der Hoffnung, dass mich bloß niemand anspricht, durfte ich das erste Mal am Training der 1. Herrenmannschaft teilnehmen. Es zeigte sich aber, dass die Angst unbegründet war. In der Folge spielte ich einige Jahre mit dem OSC in der Landesliga. Auch hier habe ich viele Erinnerungen an schöne Erfolge und super Typen. Berufsbedingt musste ich 2006 leider den aktiven Vereinssport an den Nagel hängen und ein Angebot aus der Verbandsliga ablehnen.

Aber Sie sind nochmal auf den Platz zurückgekehrt.

In den Folgejahren habe ich bei verschiedenen Vereinen trainiert, aber lediglich auf Bundeswehrebene Fußball gespielt. Hier wurde ich sechsmal Marinemeister mit der Marinefliegerauswahl und durfte im Rahmen des Bundesministercups in der Marineauswahl spielen.

2015 habe ich mich schließlich überreden lassen beim TSV in Hornhausen auszuhelfen. Daraus sind dann zwei sehr schöne Jahre geworden, in denen ich tolle Menschen kennenlernen durfte.

Es folgte die Rückkehr nach Oschersleben.

2017 kam die Anfrage vom OSC. Da es immer mein Herzensverein war, konnte ich das Angebot nicht ausschlagen. Somit hatte sich der Kreis geschlossen und ich war wieder zuhause.

Sie haben entschieden, ihre Laufbahn langsam ausklingen zu lassen und stehen jetzt als Co-Trainer Torsten Rennert zur Seite. Welche Eindrücke haben Sie diesbezüglich gewonnen?

Es ist ja kein Geheimnis, dass sich die Trainersuche vor der Saison schwierig gestaltet hat. Die Entscheidung für Torsten scheint für Außenstehende nach einer Notlösung auszusehen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Wir haben mit ihm einen fachlich kompetenten, sehr ruhigen und emphatischen Trainer engagiert, der den sportlichen Erfolg klar im Blick hat. Er gibt sich mit der aktuellen Situation nicht zufrieden und da sind wir der gleichen Meinung, dass der Verein langfristig mindestens eine Liga höher spielen sollte. Nach meiner Schulterverletzung und mehreren Operationen bin ich zum Zuschauen verdammt. Um den Bezug zur Mannschaft zu behalten und um den Coach zu unterstützen, habe ich mich als Co-Trainer bzw. als Torwarttrainer eingebracht.

Wie bereits bemerkt, möchten Sie zukünftig mehr Augenmerk auf eine Leitungsfunktion legen. In welcher Form möchten Sie ihre Erfahrungen einbringen?

Da an die Rückkehr auf den Platz momentan nicht zu denken ist und der Verstand sagt, dass es besser wäre, es dauerhaft zu lassen, bleibt Zeit andere Dinge in den Fokus zu nehmen. Grundsätzlich kann man sagen, dass mir der Verein sehr viel bedeutet und ich es bedauerlich finde, wie sich die sportliche Situation in den letzten Jahren entwickelt hat. Diesen negativen Trend möchte ich gerne aufhalten und im besten Fall umkehren. Da ich zwar viele Jahre nicht für den OSC gespielt, das Geschehen um den Verein aber trotzdem interessiert verfolgt habe, habe ich genügend Nähe und gleichzeitig Distanz, um eine andere Sichtweise auf gewisse Dinge zu haben. So müssen wir schauen, was in der Vergangenheit nicht optimal gelaufen ist, damit wir es in Zukunft anders bzw. besser umsetzen. In diesem Zusammenhang möchte ich mich zukünftig um die Kaderplanung und Erweiterung, die Außendarstellung und die Sponsorenbetreuung kümmern. Das werde ich alleine nicht bewerkstelligen können und deshalb werde ich hier natürlich auf die tatkräftige Hilfe des Vereins und auch auf die Unterstützung anderer Personen angewiesen sein.

Ein erster Schritt war die Gründung eines Nachwuchsförderzentrums.

Da die Jugendarbeit bekanntlich in vielen Vereinen stiefmütterlich behandelt wird, ist es ein wichtiger Baustein, damit der Verein auf einem guten Fundament aufbauen kann und wir für alle Jahrgänge eine Mannschaft anbieten können. Die Vorteile eines solchen Förderzentrums liegen auf der Hand und sollten auch den umliegenden Vereinen näher gebracht werden. So finde ich eine enge und offene Zusammenarbeit im Kreis unabdingbar, damit nicht nur wir als Verein, sondern alle Beteiligten davon profitieren und es nicht den Eindruck erweckt, wir würden lediglich die jungen Talente von den Dörfern absaugen.