Wulferstedt l Stattdessen ist er gegenwärtig verantwortlich bei der SG Germania Wulferstedt. Volksstimme-Autor Stefan Rühling hat mit ihm über ein aufregendes Jahr gesprochen.

Volksstimme: Herr Horn, wie geht es Ihnen?

Patrick Horn: Mir geht es gut, meiner Familie und meinen Freunden aber auch. Das ist das Wichtigste vor allem anderen. Da ich im Vorjahr Vater geworden bin, genieße ich diese Zeit zu Hause, gerade am Wochenende, im Moment sehr. Das ist sehr viel Wert. Ganz wichtig ist aktuell auch, dass ich meiner Arbeit nachgehen kann. Daher sollte man in dieser Phase der Pandemie nicht nur meckern, sondern auch positiv vorangehen. Es gibt Menschen, denen geht es schlechter. Leider. Dennoch fehlt mir das Hobby Fußball, weil es auch ein Ausgleich für mich ist.

Ein für Sie aufregendes Jahr neigt sich dem Ende zu.

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Ja, das kann man fußballerisch gesehen so sagen. Im Vorjahr habe ich nach der Trennung vom SV Seehausen meinen Fokus auf die Familie gelegt, habe meine Frau nach der Geburt viel unterstützt und Anfragen von Vereinen abgesagt. So zog es sich auch in der Hinrunde der Saison 2019/2020 weiter. Ich habe verschiedene Fußballspiele mit Freunden angesehen. Eigentlich wollte ich im Sommer 2020 dann wieder einsteigen. Dann kam gegen Ende der Winterpause die Anfrage des TuS Magdeburg-Neustadt. Henry Glaue hatte mich seinerzeit angerufen. Wir saßen dann zusammen und ich habe danach zu meiner Frau gesagt: Das ist eine Chance für mich, die Aufgabe war reizvoll und ich wollte sie unbedingt antreten. Für mich war aber klar, dass das zunächst nur bis zum Saisonende gehen kann und wir die Situation dann neu bewerten würden. Corona sorgte dann für eine kurze Zeit in der Landeshauptstadt. So kann ich für dieses Jahr – auch mit Blick auf die aktuelle Lage sagen: Corona hat uns bestimmt.

Wieso haben Sie Ihr Engagement in Magdeburg so schnell wieder beendet?

Für beide Seiten war von Beginn an klar, dass das zunächst nur bis zum Saisonende gehen kann und wir die Situation dann neu bewerten würden. Denn wir hatten zehn Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Durch Corona waren es dann nur acht Wochen, bis die Spielzeit abgebrochen wurde. Diese Zeit war schön und ich möchte sie nicht missen, da die Zusammenarbeit im Verein – auch mit der Mannschaft – sehr gut war.

Wie blicken Sie heute auf die Wechsel-Situation nach Oschersleben und Ihrer letztlichen Zusage in Wulferstedt?

Der Oscherslebener SC ist ein sehr attraktiver Verein, wir haben auch schon im November 2019 erste Gespräche geführt. Viele haben den Klub seinerzeit schlecht geredet, wovon ich mich distanziere. Er ist und bleibt einer der größten Vereine dieser Region. Kurz bevor ich die Entscheidung für Oschersleben treffen wollte, kam die Anfrage aus Wulferstedt. Es gab zu dieser Zeit nichts Schriftliches mit dem OSC und alles, was im Nachgang dazu gesagt wurde, möchte ich nicht kommentieren. Was viele nicht wussten: Schon einige Jahre zuvor, als ich in Seehausen war, gab es das Interesse aus Wulferstedt. Damals habe ich noch abgesagt, weil ich mich in Seehausen wohlgefühlt habe und der Erfolg auch da war. Jetzt war die Situation eine andere, im Mai 2020 haben wir uns wieder zum Gespräch getroffen und ich habe das Interesse der Germania-Verantwortlichen erfahren. Nach 15 Minuten war ich überzeugt und habe mich letztlich dafür entschieden.

Der Weg führte Sie dann nach Wulferstedt – fühlen Sie sich wohl?

Ich möchte mit Reiner Dreyer beginnen, mit dem ich schon sehr viele Gespräche hatte. Er ist fußballverrückt, immer ansprechbar und das macht sehr viel Spaß, mit solchen Menschen Fußball zu leben. Dazu ist Oliver Bendler als sportlicher Leiter im Team, mit dem ich schon immer zusammenarbeiten wollte. Auch wenn es auch schon schwierige Situationen gab, sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir haben auch eine gute Truppe zusammen und am Ende muss eines wichtig sein: Es geht nicht um einzelne Spieler oder den Trainer, sondern um den Verein und wir wollen gemeinsam Erfolg haben. So bin ich gern hier.

Sie belegen aktuell Rang drei in der Landesklasse 3. Zufrieden?

Dazu muss ich sagen, dass das eher befriedigend ist. Es gab in Wulferstedt mit meinem Dienstantritt ein neues Spielsystem, mit dem sich einige Jungs noch etwas schwertun. So begann die Vorbereitung durchwachsen. Aktuell haben wir etwas zu viele Gegentore auf dem Konto. Wir mussten in dieser Spielzeit immer erst geärgert werden, um so richtig Fahrt aufzunehmen. Das war am ersten Spieltag so und setzte sich bis zuletzt fort. Ich bin der Meinung, wir waren in den sieben Partien bisher teils spielerisch überlegen, nur die Punkteausbeute gibt das noch nicht wieder. Nichtsdestotrotz haben wir noch jede Menge Potenzial in dieser Mannschaft. Wir müssen es einfach nur auf die Platte bringen.

Wie erleben Sie im Verein diesen zweiten Lockdown?

Das ist absolut nicht einfach. Wir bestimmen aktuell nicht unser Hobby, sondern die Pandemie unser Leben. Ich habe dazu meine eigene Meinung: Es gibt viele Länder, denen es aktuell viel schlechter geht als uns. Die Gesundheit der Menschen steht im Vordergrund. Der Fußball ist dem völlig untergeordnet. Dennoch müssen wir jetzt schauen, wie wir damit umgehen. Keiner weiß, ob es im Dezember weitergeht. Es gibt Vereine, die jetzt erst fünf Spiele auf dem Konto haben und das kurz vor der Winterpause. Ich denke, dass wir hier im Amateurbereich umdenken müssen. Wir sollten in den Monaten Fußballspielen, in denen es Spaß macht und lediglich die Sommerferien auslassen. Die Saison sollten wir in jedem Fall zu Ende bringen und nicht wieder abbrechen. Ansonsten ist die Zeit nicht einfach für uns Fußballer. Mehr als die Jungs zu motivieren, sich fit zu halten, bleibt uns Trainern nicht.

Wie sind Sie überhaupt zum Fußball gekommen?

Ich bin mit vier oder fünf Jahren zum ersten Mal zum Fußballtraining bei der SG Empor Klein Wanzleben gegangen. Die anderen Jungs waren alle schon einige Jahre älter und zu Ost-Zeiten hatten wir noch die schönen, braunen Lederbälle. Bis heute habe ich es nicht bereut, mit dem Fußball begonnen zu haben, auch wenn ich nie der begnadetste Kicker war. Mich haben eher der Kampfgeist und Wille ausgezeichnet. Gern erinnere ich mich an die Jugendzeit, in der wir auch einige Erfolge feiern konnten, zurück.

Wer war Ihr erster Trainer?

Das waren zwei: Peter Miczkowiak sowie Detlef Bauer und später noch Michael Wesemann, die mich in der Jugendzeit begleiteten. Bei den Herren war es dann Tino Dunkel. Jeder auf seine ganz eigene Art hat mir etwas mitgegeben – auch persönlich.

Was war die höchste Spielklasse, in der Sie aktiv waren?

Ich kam bei Empor Klein Wanzleben aus dem Nachwuchs in den Herrenbereich, der mit Dirk Sombrowski und Maik Morawski im Tor sehr gut besetzt war. Der Verein spielte immer auf einem hohen Niveau der Landesklasse und Landesliga. Da hatte ich auch einige Einsätze, jedoch mehr aus der zweiten Reihe. Eher war ich in der Reserve als Feldspieler aktiv. Zwei Jahre war ich dann noch in der Bördeoberliga beim Ummendorfer SV aktiv zwischen den Pfosten.

Was war Ihr schönstes sportliches Erlebnis?

Da gab es natürlich viele, wenn man seit der Kindheit Fußball spielt. Ich hatte das Glück, dass ich in vielen guten Teams spielen konnte. Viele Momente musste ich einfach aufsaugen, aber das phänomenalste Erlebnis bleibt der 1. Juni 2016. Damals war ich Trainer der B-Junioren des SV Blau-Weiß Empor Klein Wanzleben und wir konnten im Landespokal-Halbfinale vor 600 Zuschauer im eigenen Stadion die Mannschaft des Halleschen FC schlagen. Das Finale bestritten wir letztlich in Altenweddingen, ebenso vor vielen Zuschauern, gegen die Bundesliga-Mannschaft des 1. FC Magdeburg. In dieser Saison wurden wir auch Staffelsieger der Landesliga. Das sind Momente, die werde ich nie vergessen.

Wann haben Sie für sich entschieden, selbst Trainer zu werden?

Zu aktiven Zeiten habe ich zwei Kreuzbandrisse erleiden müssen, so dass mir schnell klar war, wohin die Reise einmal führen würde. Ich bin einfach sehr fußballbegeistert und lebe diesen Sport.