Oschersleben l Mit dem Trainer der Landesklasse-Mannschaft des Oscherslebener SC, Thomas Klare, unterhielt sich Sportredakteurin Stefanie Brandt über die aktuelle Krisensituation und seine Vorschläge, wie es danach im Sport weitergehen kann.

Hattest Du damit gerechnet, dass die Situation mit dem Virus solche Auswirkungen auf den Sport haben würde?

Ich glaube, wir alle haben das unterschätzt. Hätte mir vor ein, zwei Wochen jemand erzählt, dass der Virus solche Auswirkungen hat, hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt. Selbst Politiker, welche sich im ständigen Austausch mit Experten befinden, dachten vor ein paar Wochen noch, sie hätten alles unter Kontrolle. Wir alle müssen und können aber helfen, die Situation zu entschärfen und gleichzeitig alles am Laufen zu halten. Ich denke wir sind gut beraten, die täglichen Empfehlungen des RKI zu befolgen und damit einen Beitrag zur Eindämmung von Corona zu leisten.

Wie haben die Spieler auf die Einstellung des Trainingsbetriebes und das Aussetzen der Spiele reagiert?

Teils verständnisvoll, teils verunsichert und teils uneinsichtig. Ich denke aber, dass sich das Unverständnis mit der Zeit legen wird. Wer die Situation verfolgt, kann zu keinem anderen Schluss kommen. Die Abteilung und wir als Trainer haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und nicht zuletzt auch unseren Familien und Freunden gegenüber. Ich bin der Meinung, mit jedem weiteren Tag wird das mehr und mehr Leuten bewusst.

Wie ist die Stimmung im Team, macht man sich auch persönlich Gedanken?

Die Stimmung war aktuell den Umständen entsprechend gut. Wir hatten ja entgegen den Erwartungen einen guten Start. Es gibt aber auch wichtigere Themen als Fußball und der Großteil beider Herrenmannschaften ist sich dessen bewusst. Ich persönlich mache mir natürlich auch Gedanken. Meine Frau bedient normaler Weise täglich Kunden beim Friseur, meine Mutter ist Leiterin einer Kita, meine Schwester arbeitet in der Pflege, meine Kinder und ihre Cousins besuchen entweder die Kita oder die Schule, mein Sohn spielt in unserer F-Jugend Fußball und ich selbst bin ja noch in Wernigerode in der schulischen Ausbildung. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man an mögliche Infektionsketten denkt.

Gibt es jetzt einen Heim-Trainingsplan für die Spieler?

Nein. Wir haben zwar gesagt, das sich jeder für sich fit halten soll, einen extra Trainingsplan gibt es aber nicht. Ich werde mich aber mit meinem Co-Trainer besprechen und dann werden wir eventuell noch was ausarbeiten und an die Spieler weiterleiten.

Wie könnte so ein Plan aussehen? Wie hältst du dich selbst fit?

So ein Plan könnte jegliche sportliche Betätigung beinhalten. Intervallläufe, schwimmen, Rad fahren, Workouts etc. Ich selbst werde jetzt viel mit Jordi kicken. Glücklicher Weise wird das Wetter besser. Ansonsten laufe ich ab und zu mit meiner Frau oder wir machen ein Workout vor dem Fernseher. Da gehören dann zum Beispiel Sit-ups, Liegestütze, verschiedene Rücken- und Beinübungen dazu.

Glaubst Du, dass es durch die aktuelle Situation finanzielle Probleme für einige Vereine und Spieler in eurer Liga geben wird ?

Erstmal muss ich sagen, dass die Gesundheit über allem steht. Über die finanziellen Auswirkungen kann ich mir kein Urteil bilden, ich bin kein Finanzexperte. Sicher gibt es Fans, die sich Sorgen um ihre Vereine machen. Die Wirtschaft in unseren Land besteht aber nicht nur aus Fußball. Es ist doch eine viel größere Katastrophe, wenn dieser Virus unser ganzes Land wirtschaftlich lahmlegt.

Denkst du, dass der Spielbetrieb dieser Saison noch einmal aufgenommen wird?

Wir befinden uns im Amateurfußball. Da ist es schwierig, viele Spiele in kurzer Zeit zu absolvieren. Man kann auch nicht von jedem Spieler verlangen, in der Woche weite Fahrtwege auf sich zu nehmen. Da komme ich zu dem Schluss das es sicher schwer wird, die Saison zu Ende zu spielen. Niemand kann voraussagen, wie lange das alles dauert. Ich gehe davon aus, dass die Saison abgebrochen wird.

Wie sähe dann die beste Lösung aus?

Entweder, dass alles so bleibt wie es ist, also die nächste Saison mit denselben Mannschaften, oder man stockt die Ligen im Landesverband mit allen aktuellen Tabellenführern als Aufsteiger auf. Ich glaube, niemand hat dafür die perfekte Lösung und man kann es nie allen recht machen, aber es muss ja irgendwie weitergehen, von daher wären das in meinen Augen die besten Lösungen.

Wie denkst Du, sieht die beste Lösung für die Bundesliga aus?

Genauso. Da ist alles dicht beisammen auf den vorderen Plätzen, da kann man es keinem recht machen. Man sollte keinen Meister küren und auch keinen absteigen lassen. Die Liga könnte man, wie auch die 2. Liga, auf 20 Mannschaften aufstocken. Für die europäischen Wettbewerbe würde ich eine Tabelle z.B. der letzten zehn Jahre zusammen rechnen und danach die Startplätze festlegen.