Haldensleben l Die Krise hat auch neue Wege aufgezeigt, die auch in der Zukunft gegangenen werden sollen, erfuhr Volksstimme-Sportredakteur Christian Meyer.

Für die Winterspielrunde des TSA haben so viele Mannschaften wie lange nicht mehr gemeldet. Deshalb hofft der Verband, bald wieder in den Wettkampfbetrieb einsteigen zu können.

Volksstimme: Herr Schmidt, wie geht es Ihnen?

Axel Schmidt: Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Die täglichen Herausforderungen bei der Bewältigung aller schulorganisatorischen Fragen sowie die Ausnahmesituation für den Vereinssport fordern mich mehr als je zuvor. Gut, dass ich beim Finden der Lösungen nicht allein bin. Ob in der Schule, im Tennisverband oder im Landessportbund, ich kann mich auf ein Team von Mitstreiterinnen und Mitstreitern verlassen, die mit mir gemeinsam den coronabedingten Herausforderungen erfolgreich die Stirn bieten. Mit diesem gemeinsamen Spirit fühle ich mich gut.

Wie verliefen die letzten Monate beim TSA?

Die zurückliegenden Monate waren von einer agilen Verbandsarbeit geprägt. Gewohnte Abläufe der Organisation des Spielbetriebs konnten nicht aufrecht erhalten werden. Die Freiluftsaison konnte im April nicht beginnen. Der Punktspielbetrieb musste mehrmals verschoben werden. Im Unterschied zu anderen Bundesländern konnten wir erst im Juni mit dem Wettspielbetrieb beginnen. Hier hätten wir uns eine frühere Entscheidung der Landesregierung auf der Grundlage der von uns eingereichten Hygienekonzepte gewünscht. Die Arbeit des Präsidiums haben wir von Präsenz auf Digital umgestellt. Dabei haben wir Erfahrungen gesammelt, die unsere ehrenamtliche Arbeit auch in der Zukunft bestimmen wird. Tennis darf nach der Klarstellung der Landesregierung zur aktuellen Verordnung als Individualsport im Einzel ausgeübt werden.

Wie bewerten Sie die Entscheidung?

Für unsere Sportart war die Klarstellung enorm wichtig. Hat sie uns doch die Möglichkeit eröffnet, den Vereinen eine Perspektive für den Spielbetrieb im Winter zu geben. Dennoch müssen wir auch hier wieder sehr flexibel bleiben. Die Hygienekonzepte in den Tennishallen sind regional unterschiedlich stark reglementierend. So wird das Spielen eines Doppels vorerst nicht möglich sein. Dennoch wollen wir nach der notwendigen Unterbrechung mit der Winterrunde wieder starten und den Vereinen eine sportliche Perspektive geben. Die Tennisspielerinnen und Tennisspieler sind bereit sich diesen Bedingungen zu stellen, um das was möglich ist zu machen.

Denken Sie, dass der Tennissport aufgrund seiner Eigenschaft in Zeiten der Corona-Pandemie mehr Zulauf erfahren wird?

Eine Antwort auf diese Frage ist nicht so leicht. Die Menschen wollen sich bewegen. Der Sport im Freien hat unter den Bedingungen der Pandemie eine unschlagbare Perspektive. Was unserer Sportart helfen kann, ist, das Tennis eine kontaktfreie Sportart ist und die Gefahr der Ansteckung sehr gering ist. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung stimmiger Hygienekonzepte. Nach den Wochen der Isolation wird das Vereinsleben mit seinem sozialen und kommunikativen Potenzial auf neue Art und Weise wahrgenommen. Der TSA konnte für die Winterrunde einen Rekord an gemeldeten Mannschaften vermelden.

Wie sehr schmerzt es, dass der Spielbetrieb aktuell pausiert?

Die Anmeldezahlen für die Winterrunde bestätigen unsere Wahrnehmung. Die Ver-einsspieler wollen nicht nur spielen, sondern sich auch mit anderen messen. Dabei steht das breitensportliche und freudbetonte Tennisspielen bei allem Ehrgeiz im Vordergrund. Sich treffen, miteinander quatschen, Leute kennenlernen und neue Freundschaften schließen – all das ist vielen Spielerinnen und Spielern wichtig. Um so größer war die Ernüchterung über die erneuten Einschränkungen. Aber – wir wissen um unsere Verantwortung. Angesichts der Entwicklung des Infektionsgeschehens in Sachsen-Anhalt tragen wir die Entscheidung der Landesregierung mit und organisieren die Winterrunde im Rahmen des Möglichen.

Ihr Verband setzt in Zeiten der Corona-Pandemie vermehrt auf digitale Angebote. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und wie nehmen die Vereine das Angebot wahr?

Der Digitalisierungsschub ist die wohl nachhaltigste Veränderungserfahrung der letz-ten Wochen. Präsidiums- und Ressortsitzungen fanden im Onlineformat statt. Dadurch konnte die ehren- und hauptamtliche Verbandsarbeit ohne Unterbrechungen fortgesetzt werden. Die Frage „Wie können wir mit unseren Vereinen kommunizieren?“ haben wir mit der Entwicklung neuer Kommunikationsformen beantwortet. So finden regelmäßig Vereinsdialoge, Vereinsberatungsseminare und thematische Online-Workshops zu Fragen rund um den Sportbetrieb und Aspekte der Vereinsarbeit statt. Am 10. Oktober haben wir unseren im März ausgefallenen Verbandstag digital nachgeholt. Die Vereine entdecken diese Angebote zunehmend mehr für sich. Wir wünschten uns gern noch eine breitere Wahrnehmung für diese Angebote, sind aber sehr zuversichtlich, dass diese neuen Formen der Vereinsberatung zu einem festen Bestandteil der Kommunikation mit den Vereinen werden.

Mit dem TSA-Vereinsbenchmarking können Sie Vereine individuell beraten. Welche Vorteile versprechen Sie sich vom Projekt?

Das Vereinsbenchmarking ist ein innovativer Ansatz für die Analyse von Stärken und Entwicklungspotenzialen der Tennisvereine. Auf der Grundlage strukturierter digitaler Analysetools können alle Facetten der Vereinsarbeit hinsichtlich ihrer Wirksamkeit auf den Prüfstand gestellt werden. Der TSA hat für diesen Zweck eine projektfinanzierte Vereinsberaterstelle geschaffen. Der Vereinsberater fährt in die Vereine und diskutiert vor Ort mit den Vorständen auf der Grundlage der Vereinsanalyse über aktuelle und strategische Aufgabenfelder der Vereinsarbeit. Über den regionalen und überregionalen Vergleich mit anderen Vereinen lassen sich zukunftsorientierte Themen und Ziele formulieren, die den Verein fit für die Herausforderungen der Zukunft machen. Kern dieses Projekts ist der Dialog im Verein vor Ort. Der TSA versteht sich als serviceorientierter Dienstleister für die Vereine. Wir wollen mit diesem Projekt nah an den Vereinen dran sein. Starke Vereine sind die Basis für die Gewinnung neuer Mitglieder und Zentren für das Miteinander.

Fürchten Sie nachhaltige Folgen für den Sport?

Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Auswirkungen noch nicht beurteilen. Mit der Bestandserhebung des LSB können wir im Januar eventuelle Folgen für die Mitgliederentwicklung erkennen. Deutlich schwieriger ist es, unter diesen Bedingungen Mannschaften im Spielbetrieb zu halten oder Turniere zu organisieren. Wegen dieser unsicheren Situation plädiere ich dafür, die im Sportfördergesetz und der Ausführungsverordnung festgeschrieben Pauschalen für die einzelnen Bereiche des Sports für das Jahr 2021 und 2022 auf dem Niveau und mit den Zahlen zum 31.12.2019 einzufrieren. Damit würde ein zu erwartender Corona- bedingter Mitgliederschwund die Sportvereine und -verbände des Landes nicht zusätzlich finanziell belasten.

Welche Themen haben Sie aktuell noch auf Ihrem Schreibtisch?

Beruflich bin ich als Schulleiter der Eliteschule des Sports täglich gefordert den Schul-betrieb unter den Ausnahmebedingungen von Corona mit all meinen Kolleginnen und Kollegen zu organisieren. Dabei steht der Ausbau der digitalen Rahmenbedingungenbesonders im Fokus. Dank der Ausnahmeregelungen der Landesregierung können unsere Schülerinnen und Schüler im Verbundsystem des Sports ihre sportlichen Talente weiterentwickeln.

Wie sieht es speziell im Tennissport aus?

Im Januar steht die Mitgliederversammlung des DTB mit der Wahl eines neuen Präsidiums auf dem Programm. In Sachsen-Anhalt bereiten wir die Fortsetzung der Winterrunde unter Einhaltung von strengeren hygienischen Konzepten vor. Mit neuen Projektanträgen wollen wir die Vereinsberatung nachhaltiger digitalisieren und neue Möglichkeiten der digitalen Spielwertung in den Vereinen etablieren. Nicht zuletzt hoffen wir, unsere Mitgliedsvereine am 10. April 2021 in Magdeburg zu unserem Verbandstag in Präsenz begrüßen zu können.