Salzwedel l Der Niedersachse Klaus Gobat, 69 Jahre, aus Uelzen ist neuer Trainer des seit einem Jahr „führungslosen“ Handball-Landesligisten SVT Uelzen/Salzwedel. Klaus Gobat macht auf den ersten Blick einen ruhigen und äußerst lockeren Eindruck. Beim Trainingsauftakt der Herren des SVT Uelzen/Salzwedel sind bereits fast zwei Hand voll Spieler im Salzwedeler Werner-Seelenbinder-Stadion angekommen, ehe auch der neuverpflichtete Coach am Zielort eintrifft. „In Rosche war die Straße gesperrt“, entschuldigt sich der rüstige Rentner bei seinen Schützlingen, obwohl er noch immer eine Viertelstunde vor Trainingsstart anwesend ist.

Doch statt seine Jungs nun anzupeitschen, nimmt sich Gobat erst einmal Zeit für ein lockeres und ebenso sympathisches Gespräch mit der örtlichen Presse. Erst kurz nach 19 Uhr bittet er seine Mannen auf die Tartanbahn des Seelenbinder-Stadions. Ihre Vorgabe: Sie sollen zwölf Runden á 400 Meter unter die Laufschuhe nehmen, also knapp fünf Kilometer. Der Niedersachse beobachtet das Geschehen gefühlt nur mit einem halben Auge, stattdessen nimmt er sich wieder Zeit für die beiden anwesenden Zeitungsredakteure, die natürlich einige spannende Fragen haben, um herauszufinden: Wer ist der neue Salzwedeler Trainer überhaupt, wo hat er vorher gearbeitet und wie tickt er?

Die Frage nach dem Ticken ist recht schnell beantwortet. Klaus Gobat kommt nicht so rüber, als wäre er ein „Schleifer“ der Marke Felix Magath. Dennoch verlangt Gobat natürlich schon einige wichtige Dinge von seinen Schützlingen. „Mein Spiel ist generell recht laufaufwendig, aber auch von der Technik geprägt. Die Jungs werden sich sicherlich noch wundern, welche Dinge wir in der Vorbereitung noch machen“, verrät der 69-Jährige in einem ruhigen Ton. Zudem ist er ein Verfechter des Offensivhandballs, wenngleich er zugibt: „Die Spiele gewinnt man in der Abwehr.“

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Als Aktiver sogar in der Oberliga unterwegs

Wie viele andere Jungen in seinem Alter auch zog es Klaus Gobat in jungen Jahren auf den Fußballplatz. Die ganz großen Erfolge feierte der gebürtige Nordrhein-Westfale allerdings nicht. „Es war einfach nicht das Richtige für mich“, merkte Gobat recht schnell. Als A-Jugendlicher ging der Sportenthusiast zum Handball über und schloss sich Arminia Bielefeld an, wo er seine Heimat schnell am gegnerischen Kreis fand. „Hätte es damals eine Eishockeymannschaft im näheren Umkreis gegeben, hätte ich mich dieser angeschlossen“, macht der Wahl-Niedersachse keinen Hehl daraus, dass er das Eis liebt. Über die Jahre hinweg spielte Klaus Gobat dann auch Großfeldhandball und schaffte es bis in die Oberliga Nordrhein-Westfalens.

Es war seinerzeit die höchstmögliche Spielklasse. Aufgrund von Lehre, Studium und Beruf ließ es Gobat später allerdings deutlich ruhiger angehen und war für kleinere Vereine unterwegs. Nach seinem Studium zog es ihn nach Faßberg. Nicht nur dort, sondern auch in Unterlüß und Müden ließ der Kreisläufer seine aktive Laufbahn gemächlich ausklingen.

Nach seiner Bundeswehrzeit arbeitete Klaus Gobat als Lehrer in Winsen/Luhe, Lüchow sowie später in Uelzen. Seit über 20 Jahren wohnt der Pensionär mittlerweile in Uelzen. Unmittelbar nach seinem Umzug kümmerte sich Gobat, zuvor bereits erfolgreich für Luhdorf, Scharmbeck und Adendorf/Scharnebeck tätig, dort um die handballerischen Geschicke. Er arbeitete über 20 Jahre als Trainer und Abteilungsleiter bei der JSG sowie beim TV Uelzen. Zudem war der Westfale auch allein zwölf Jahre beim Handballverband Niedersachsen (HVN) als Auswahltrainer für die männliche Jugend angestellt. Dort hatte er unter anderem Daniel Kolley und Alex Eirich unter seinen Fittichen. Beide Akteure waren und sind noch immer für den SVT Uelzen/Salzwedel aktiv. „Ich freue mich, dass ich sie jetzt wieder trainieren darf. Gerade Alex war damals ein echter Überflieger“, schwärmt der 69-Jährige von den individuellen Fähigkeiten des Rückraummitte-Akteurs.

Natürlich war auch das Duo maßgeblich daran beteiligt, dass sich der Uelzener, der den TVU nach internen Streitigkeiten verlassen hatte und zuletzt anderthalb Jahre in Ebstorf in der Regionsoberliga tätig war, für Salzwedel entschied. „Ich musste nur eine Nacht drüber schlafen und habe dann zugesagt“, verrät der sympathische Rentner. Schon vor zehn Jahren wurde er von Hans-Joachim Fentzahn gebeten, als Übungsleiter beim SVT zu arbeiten. Damals lehnte der Wahl-Niedersachse noch dankend ab. „Da war ich noch erfolgreich mit meiner Uelzener A-Jugend unterwegs und arbeitete beim HVN“, begründet Klaus Gobat seine damalige Entscheidung, die ihm gewiss nicht leicht fiel.

„Das ist ein gut geführter Klub“

Doch speziell Stefanie Tepelmann aus der Salzwedeler Führungsetage ließ nicht locker und kontaktierte vor nicht allzu langer Zeit Gobat per E-Mail. „Ich war überrascht“, gibt der erfolgreiche Trainer, viele Jahre mit seinen Nachwuchsteams in der Oberliga unterwegs, zu. Zugleich war er aber auch erfreut über diese Anfrage aus der Altmark. „Ich kenne den Verein, weil ich in Salzwedel früher oft als Schiedsrichter Partien geleitet habe. Mittlerweile kenne ich auch die Leute recht gut und kann sagen, dass das ein gut geführter Klub ist“, schwärmt der 69-Jährige, der früher auch als Lehrwart arbeitete und sich selbst als „positiv verrückt“ einschätzt. So traf er sich zu einem Gespräch mit Nico Truthe und Sebastian Schönfelder und nur einen Tag später gab er seine Zusage. „Die letzte Saison ist natürlich in die Hose (Der SVT feierte erst am letzten Spieltag endgültig den Klassenerhalt/Anm. der Redaktion) gegangen.

Mein Ziel ist es auch nicht, Erster zu werden, sondern die Mannschaft aus diesem Tal herauszuholen und eine junge Truppe aufzubauen“, erklärt Gobat, der in drei bis fünf Jahren mit den Hansestädtern wieder oben im Tableau angreifen möchte. Angestrebt wird erst einmal ein Platz im Tabellenmittelfeld. „Wenn alle ordentlich mitziehen, könnte dies auch klappen. Das ist eine gute Landesliga-Mannschaft“, weiß der Neu-Coach um das große Potenzial seiner Schützlinge und wundert sich noch immer über die wacklige Saison 2016/2017 in einer Liga, in der sich der Rentner sehr gut auskennt.

2017/2018 soll vieles anders werden an der Jeetze. Klaus Gobat legt – was wohl mit Blick auf seine Vergangenheit wenig verwunderlich ist – viel Wert auf die Nachwuchsarbeit. „In unserer B-Jugend sind viele Talente dabei, die ich auch gern mal zum Training mit aufnehmen würde. Die Nachwuchsakteure sind unser Kapital, somit wollen wir sie natürlich auch bei der Stange halten“, verrät der Uelzener. Der kommt also nicht als gieriger Titelhamster in die westaltmärkische Kreisstadt, sondern eher als Architekt. „Meine Titelsammlung ist schon recht voll. Ich habe einfach Lust darauf, hier etwas aufzubauen. Ich möchte den Umbruch mitgestalten. Wenn wir diesen zusammen hinbekommen, wäre das schön“, erklärt der 69-Jährige, für den der SVT die letzte Trainerstation sein soll.

Dass der Rentner diesbezüglich gleich zu Beginn viel zu tun hat, ist ihm bewusst. Schon in der Vorbereitung werden sich die Hansestädter reichlich strecken, um für den Punktspielstart Anfang September gerüstet zu sein. Erst am 24. Juli darf erstmals auch die BBS-Halle genutzt werden, zuvor werden die Westaltmärker unter freiem Himmel die konditionellen Grundlagen schaffen.

„Dass schon so viele Leute zu den ersten Trainingseinheiten erscheinen, zeigt die Bereitschaft der Spieler. Sie haben zumindest zu Beginn und zum Ende der letzten Saison gezeigt, was sie drauf haben“, findet Nico Truthe doch noch den einen oder anderen positiven Punkt. Truthe wird in den Förderverein einsteigen. Frank Beckmann, der dem Verein als Verantwortlicher für die Zeitnehmer und Schiedsrichter zumindest erhalten bleibt, wird nicht mehr als Abteilungsleiter arbeiten. Es wird noch nach einem Nachfolger gesucht.

Vorerst bilden Stefanie Tepelmann (wirtschaftliche und organisatorische Angelegenheiten) und Christin Kersten, die in sportlicher Hinsicht das Sagen hat, die weibliche Doppelspitze. Sebastian Schönfelder, Daniel Kolley, Susann Meinecke und Frank Beckmann stehen Tepelmann und Kersten unterstützend zur Seite. „Wir versuchen, die Strukturen in der Sparte wieder in die richtigen Bahnen zu lenken“, verrät Truthe, der froh ist, dass bereits mehrere Baustellen geschlossen werden konnten. Eine davon war der Trainerposten in der ersten Männermannschaft. Mit Klaus Gobat wurde ein erfahrener und erfolgreicher Coach verpflichtet. Bleibt abzuwarten, ob er seinen Weg beim SVT Uelzen/Salzwedel fortsetzen und auch während der Saison so locker bleiben kann.