Calbe l Im Schnitt sind es etwa 65, in der Spitze waren es auch mal 100, im Tief nur 35: Am Sonnabend, im Spiel gegen den SV Lok Aschersleben, waren es 47 Zuschauer, welche die Begegnung der Landesliga-Kicker der TSG auf dem Heger verfolgten. Und 47 Augenpaare am Spielfeldrand mussten eine bittere 2:3 (2:2)-Niederlage mit ansehen. Neben dem Vorstand der heimischen Fußballabteilung und einigen Stammanhängern auch immer mit dabei: Lothar Richter, Großvater von TSG-Torhüter Benjamin Richter, und Roland Würlich, Vater von Abwehrspieler Marcel Würlich. Aschersleben, das auf dem letzten Platz der Tabelle liegt, konnte die Hausherren in die Knie zwingen. „Das war kein gutes Spiel“, urteilte Roland Würlich, der gemeinsam mit seiner Frau mit den Calbensern mitfiebert, manchmal sogar auswärts. „In der ersten Halbzeit haben sie zwei schöne Tore geschossen und zwei bescheidene bekommen.“ Die TSG ging zweimal in Front. Steven Brehmer erwischte zwischen Elfmeterpunkt und Fünf-Meter-Raum einen Eckball und beförderte diesen geradewegs in das Tor (19.). „Steven stand dort goldrichtig und hat sich für seinen Einsatz belohnt“, freute sich Trainer Marko Fiedler. Ein Lichtblick in einem sonst „niederschmetternden“ Spiel. Fiedler suchte an diesem Nachmittag vergeblich nach Willen und Leistungsbereitschaft seines Teams. „Wir haben keine 100 Prozent gegeben“, so der Coach über seine Schützlinge. „Wir haben vorher gewarnt, dass Aschersleben ein unbequemer Gegner ist und es kein Selbstläufer wird.“

Die Gäste wollten die Punkte anscheinend mehr als die Calbenser. Aus einer Eins-gegen-Eins-Situation lief ein Lok-Spieler quer zur heimischen Abwehr (26.). „Da muss dann jemand drauf gehen“, haderte Fiedler. Diesen Einsatz zeigte jedoch keiner. Philipp Horn glich zum 1:1 aus. Es sei das bisher schlechteste Spiel der Saison, sagte Würlich und fand klare Worte: „Wenn die Leistung der Mannschaft besser wäre, dann wären auch mehr Zuschauer da.“ Lothar Richter, der selbst Sportlehrer war und nach wie vor sportinteressiert ist, sieht das Hauptproblem des überschaubaren Publikums ebenfalls in der schwankenden Leistung der Saalestädter begründet. Nach guten Partien und verdienten Siegen scheiterte die Mannschaft an Gegnern, an denen sie rein tabellarisch keine Punkte verlieren dürfte. Dennoch weiß Richter: „Die Spieler sind manchmal enttäuscht, dass sie so wenig Resonanz von den Zuschauern bekommen.“

Ein weiterer positiver Moment ereignete sich eine halbe Stunde nach Anpfiff. Stefan Ristovski, der einen gut herausgespielten Ball nur noch in den gegnerischen Kasten schieben musste, brachte die TSG zum zweiten Mal in Führung. Doch ein Großteil des Spiels wurde durch Abstimmungs- und Abspielfehler untereinander dominiert. Ein Abwehrpatzer führte dann auch zum erneuten Ausgleich durch Horn (2:2, 44.). Lucas Sedivy sorgte in der zweiten Hälfte mit dem dritten Treffer (75.) für den SVA endgültig für den Sieg seines Teams. „Aschersleben hat nicht glücklich gewonnen. Es hat verdient gewonnen“, musste der TSG-Trainer zugeben. Und auch Fiedler weiß, dass der Funke zwischen der Mannschaft und den Zuschauern noch nicht übergesprungen ist. „Sie dürfen sich so ein Spiel nicht erlauben. Das spricht sich herum.“ Schon heute beobachtet das Trainerteam seine Akteure, um für die kommende Spielzeit gerüstet zu sein. Oberste Priorität sollte sein: die Bereitschaft jedes Einzelnen. Schließlich können sich alle „über die Spiele beweisen“.

Calbe: Richter – Noack, Fiser, Adrian, Hellige, Voigt, Dummer, Brehmer (80. Willner), Ristovski, Palm, Würlich (80. Harms)

Aschersleben: Thimm – Köhler, Ehrlich, Pusch, Hänsch, Backoff (88. Trautmann), Böttger, Große, Sedivy (90.+2 Martin), Horn, Lange

Tore: 0:1 Steven Brehmer (19.), 1:1 Philipp Horn (26.), 2:1 Stefan Ristovski (30.), 2:2 Horn (44.), 2:3 Lucas Sedivy (75.); SR: Jens Rosenbaum (Halle), Volker Lauer, Frank Junghanns; ZS: 47