Schönebeck (hgu/kag) l Zu DDR-Zeiten boomte der Fußball in Schönebeck regelrecht. Die Derbys zwischen Chemie und Motor waren stets gut besucht und brachten bei allen Bewohnern der Stadt ein Kribbeln in der Magengegend hervor. Denn auch vom Aufgebot hatten die Teams einiges zu bieten. Zahlreiche DDR-Oberliga und -Nationalspieler lernten in Schönebeck das Fußballspielen und kamen später auch zu ihren Wurzeln zurück. Bis heute sind einige Spieler mit dem Verein Union Schönebeck, der sich aus dem Schönebecker SC (Chemie) und dem Schönebecker SV (Motor) zusammensetzt, verbunden. Dazu zählt neben Wolfgang „Maxe“ Steinbach und Peter Ducke eben auch Horst Kohle.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs musste die Familie Ducke das Sudetenland verlassen und fand in Schönebeck an der Elbe ihre neue Heimat. Zur Familie gehörten die fußballbegeisterten Jungs Reiner, Roland und Peter Ducke. Alle drei erlernten bei der BSG Motor Schönebeck das Rüstzeug für eine spätere Karriere im absolut gehobenen Bereich.

Titel lässt nicht lange auf sich warten

Als erster der drei Brüder schlug der älteste, Roland, 1955 den Weg zum SC Motor Jena erfolgreich ein. Peter sollte folgen, doch so richtig konnte er die Verantwortlichen nicht überzeugen, denn sie schickten den Jungen wieder zurück nach Schönebeck. Doch der talentierte Fußballer arbeitete an sich und entwickelte sich weiter. Er wurde in die Juniorenauswahl der DDR berufen und nach tollen Leistungen im Nachgang in Jena aufgenommen.

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Gleich im ersten Männerjahr holte der 19-Jährige zusammen mit seinem Bruder Roland den DDR-Pokalsieg 1960. Im Endspiel gelangen Peter Ducke beim 3:2-Sieg über Empor Rostock gleich zwei Tore. Von nun an ging die Karriere nur noch bergauf. Es folgten 68 Länderspiele für die DDR, in denen er 15 Tore erzielte. Er absolvierte 352 Oberligaspiele und erzielte 153 Treffer. Ducke wurde mit dem SC Motor Jena, aus dem der FC Carl Zeiss Jena hervorging, dreimal DDR-Meister und dreimal DDR-Pokalsieger. Er bestritt etliche Europacupspiele und wurde während seiner Laufbahn als DDR-Sportler des Jahres und mehrfach als DDR-Fußballer des Jahres geehrt.

1966 warf ihn ein doppelter Schien- und Wadenbeinbruch zurück, aber er kam wieder. Peter Ducke wurde mehrmals Oberliga-Torschützenkönig und 1972 gewann der Schönebecker mit der DDR-Olympiaauswahl in München die Bronzemedaille. Der „Schwarze Peter“, wie er liebevoll von den Fans genannt wurde, beendete 1977 seine aktive Karriere. Er arbeitete in der Folgezeit als Trainer im Nachwuchsbereich.

Im vergangenen Jahr besuchte der heute 79-Jährige seine Fußball-Heimatstadt Schönebeck anlässlich der Einweihung des neuen Kunstrasenplatzes im Stadion an der Barbarastraße.

Entwicklung zum besten Kicker seiner Zeit

Ebenfalls weiterhin eng mit der Heimat verbunden ist „Maxe“ Steinbach, der ebenfalls zur Einweihung des Kunstrasenplatzes wieder in der Elbestadt zugegen war. Der gebürtige Schönebecker begann bei der BSG Chemie Schönebeck mit dem Fußballspielen und auf Grund seines herausragenden Talents und Könnens wurde er im Alter von 14 Jahren zum 1. FC Magdeburg delegiert. Dort entwickelte sich „Maxe“ zu einem der besten und erfolgreichsten Fußballer seiner Zeit.

Der absolute Durchbruch im Herrenbereich gelang ihm in der Saison 74/75 als er 17 mal in der Oberliga-Elf zum Einsatz kam und auf Anhieb mit seinen Mannschaftskameraden wie Jürgen Sparwasser, Manfred Zapf oder auch Jürgen Pommerenke seine erste von insgesamt drei Meisterschaften gewann. Zudem wurde er in der Folgezeit mit dem FCM viermal DDR-Pokalsieger. Insgesamt trug Steinbach in 433 Pflichtspielen das Blau-Weiße Trikot und erzielte 97 Tore. Unvergessen bleiben die vielen Europacupspiele, in denen er mitwirkte und mit tollen Leistungen großen Anteil am Erfolg in etlichen Partien hatte. So unter anderem 1977 gegen den Vize-Meister der Bundesrepublik, FC Schalke 04, als sich der 1. FCM mit 4:2 im Hin- und mit 3:1 im Rückspiel durchsetzte. Dabei gelang dem kleinen Wirbelwind jeweils ein Tor aus gut und gern 30 Metern. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Steinbach im Jahr 2006 zum „Besten FCM-Spieler aller Zeiten“ gewählt wurde.

Es folgten Berufungen in die DDR-Auswahl, die „Maxe“ 28 Mal vertrat. Ein Karrierehöhepunkt war der Gewinn der Silbermedaille mit der Olympiaauswahl der DDR in Moskau 1980.

Im Jahr 1987 kehrte er zu seinen fußballerischen Wurzeln nach Schönebeck zurück. Doch diesmal kickte er für den DDR-Zweitligisten Motor. Ein Hilferuf aus Magdeburg ließ ihn in der Saison 89/90 noch einmal die „Töppen“ für seinen FCM schnüren. Nach der politischen Wende ließ Steinbach seine aktive Laufbahn beim Zweitligateam VfB Oldenburg ausklingen. Danach trainierte er erfolgreich Mannschaften wie Oldenburg, den BV Cloppenburg und den SV Wilhelmshaven.

Ausnahmespieler beweist Können in Berlin

Bereits in den 1950er-Jahren kickte eine weitere Ikone in der Elbestadt. Der Stürmer Horst Kohle begann seine Karriere in Schönebeck und entwickelte sich zu einem hochtalentierten Ausnahmespieler, sodass er 1954 von der BSG Motor zum DDR-Zweitligisten Sportclub DHfK Leipzig delegiert wurde. Ein Jahr später wurde die Sektion Fußball in Leipzig aus sportideologischen Gründen aufgelöst und der junge Kohle wechselte zum ASK Vorwärts Berlin. Hier etablierte er sich schnell zu einer festen Größe im Team. 138 absolvierte Oberligaspiele belegen das eindrucksvoll. In der Folgezeit wurde er mit seiner Mannschaft 1958, 1960 und 1962 DDR-Meister. Zu seinen Mannschaftskameraden beim ASK gehörten unter anderem die bekannten Nationalspieler Otto Fräßdorf – er begann beim TuS Magdeburg-Neustadt mit dem Fußballspielen – , Günther „Wibbel“ Wirth oder auch Karl-Heinz Spickenagel.

Auch mehrere Europacup-Partien zum Beispiel gegen die Wolverhampton Wanderers oder auch Glasgow Rangers gehören zur Vita von Horst Kohle. Hier erzielte er insgesamt fünf Tore. Der heute 85-Jährige war der erste Schönebecker Nationalspieler.

Das trotz einiger Zwischenstationen immer noch alle drei Kicker mit der Stadt Schönebeck verbunden sind, zeigt die Bereitschaft, zu den anstehenden 160-Jahr-Feierlichkeiten des Vereins Union Schönebeck, wieder in der Elbestadt vorbei zu schauen, sollte es die Gesundheit der Fußball-Ikonen und die Corona-Pandemie zulassen.