Schönebeck l Das Laufen fiel noch schwer. Aber als der kleine Philipp seine Hände weit ausstreckte und das erste Mal einen Fußball in der Hand hielt, war es um den gebürtigen Schönebecker geschehen. Zu diesem Zeitpunkt war Philipp ein Jahr alt, bekam das runde Spielgerät von seinem Vater Christoph Harant geschenkt. „Und dann ging es auch schon los“, erzählt der Papa. Keine freie Minute verstrich seitdem ohne den Ball. Immer wieder musste Opa Peter herhalten, der dem Tatendrang seines Enkels folgen musste. Das Ziel? Der heimische Garten. Peter Dommach musste mit Philipp so oft wie möglich Fußball spielen. Doch all die Anstrengungen, von Kindesbeinen auf, hat sich gelohnt. Philipp Harant hat den Schritt zum Profifußballer geschafft. Als Kicker des Drittligisten 1. FC Magdeburg kehrt der Schönebecker, der inzwischen in Magdeburg wohnt, zurück zu seinen Wurzeln, dort wo alles begann. Mittwochabend testet der FCM gegen Union Schönebeck. Ab 18.30 rollt der Ball im Stadion an der Barbarastraße.

In Schönebeck startete Philipp seine Karriere. Mit vier Jahren trat er dem Schönebecker SV bei. In der Jugend kickte er in der Spielgemeinschaft Schönebeck/Felgeleben. Sein Trainer dort? Opa Klaus Harant. Später übernahmen Kirstin Voß und Papa Christoph das sagen beim Verein und Philipp machte seinen Weg.

Und der kommt nicht von ungefähr. Fußball liegt der Familie Harant einfach im Blut. „Bei uns ist alles nach dem Fußball ausgerichtet. Wir sind sehr sport- und fußballaffin“, erklärt Christoph Harant. Die beiden Opas waren selbst Spieler und auch Trainer, der Papa kickte lange in Schönebeck. Onkel Christian Harant spielte lange für die TSG Calbe, ist zur Zeit Torwarttrainer bei den Saalestädtern. Für Philipp gab es also fast keinen anderen Ausweg.

Körperliche Robustheit und großer Wille

2009 zog es Philipp dann zum Schönebecker SC wo sein Talent weiter gefordert wurde. Danach ging es weiter nach Staßfurt zum Stützpunkttraining. Das Talent von Philipp war längst bekannt. „Er hat eine gewisse körperliche Robustheit, einen großen Willen und viel fußballerisches Talent“, sagt Christoph Harant. An diesem Weg hat auch er, neben den beiden Opas, seinen Anteil.

2010 zog es Philipp dann nach Magdeburg, wo er alle Altersklassen durchlief und den Sprung - nach einer Leihe zu Germania Halberstadt - in den Profikader des FCM schaffte. Zu Jugendzeiten war allerdings die Schule in Schönebeck erstmal wichtig. Am Nachmittag ging es per Privattaxi zum Training des FCM. Der Schritt an die Sportschule kam erst später. „Aber auch da hat Philipp noch zuhause gewohnt. Wir haben ihn immer gefahren. Um sieben Uhr ging es meistens los. Der Wecker klingelte um 5.30 Uhr. Das war schon hart“, sagt Christoph Harant. Doch für den Sohn nahmen Vater und Mutter die Strapazen gerne auf sich. Und haben damit im Endeffekt alles richtig gemacht.

Und Philipp fand immer mehr gefallen daran, dem großen Traum, einmal selbst auf dem Platz zu stehen, zum greifen nah zu sein. „Alle Jungs die da sind, haben das Ziel. Wenn also die Chance da ist, dann nutzt man die auch“, sagt Christoph Harant. Vor allem der Wille war beim Nachwuchs immer groß. „Es gab natürlich auch schwierige Phasen. Am schlimmsten waren die Verletzungen für ihn. Wenn er zwei Wochen nicht kicken konnte, war das sehr schlimm“, sagt Christoph Harant lachend. Denn das kennt er von sich selbst auch. Ein Leben ohne Fußball? Das ist nicht möglich.

Und wenn Philipp doch mal eine Zwangspause einlegen musste, dann blieb immer noch der Weg auf die Tribüne in der MDCC-Arena. Diesen unternimmt der 20-Jährige heute nicht mehr, er spielt nun selbst. Sein Vater allerdings ist häufiger zu Besuch, um seinen Sohn bei den Spielen anzufeuern. Der 20. Juli ist ihm dabei genau im Gedächtnis geblieben. Kurz vor Schluss gab Philipp Harant im Spiel gegen Eintracht Braunschweig (2:4) sein Debüt in der 3. Liga. „Das waren pure Glücksgefühle. Ein sehr schönes Gefühl. Ich war sehr stolz und musste auch eine kleine Träne verdrücken.“ In der 87. Minute war es soweit. Jürgen Gjasula verließ den Platz und Philipp Harant kam für ihn in die Partie. Tausende FCM-Anhänger brüllten dabei den Nachnamen, für Vater und Sohn ein unbeschreibliches Gefühl.

Doch auch zuhause gehen die Gespräche über den Fußball weiter. Ganz hoch im Kurs ist dabei natürlich der FCM. Auch über die Ergebnisse von Schönebeck unterhalten sich Vater und Sohn. „Er hat ja auch bei Union ehemalige Mitspieler. Auch bei Felgeleben gibt es noch welche“, erzählt Christoph Harant. „Er wird mit ihnen bestimmt noch Kontakt haben“, meint der Vater. Bei Union ist zum Beispiel Fritz Weidemeier ein ehemaliger Mitspieler vom heutigen FCM-Profi. Beide waren in der Jugend gemeinsam aktiv, auch wenn Weidemeier ein Jahr jünger ist.

Als Profi zurück zu den Wurzeln

Somit kommt es auch zum Duell mit guten Kollegen auf dem Platz. Aber auch neben dem Feld werden sich sicher einige Weggefährten von Philipp Harant finden. Das Spiel am heutigen Abend fand bei den Harants bisher jedoch wenig Bedeutung in den Unterhaltungen. Das wird sich nach dem Spiel mit Sicherheit ändern. Für Philipp wird es aber ein ganz besonderes Spiel werden, nicht zu vergleichen mit Spielen in der 3. Liga. Rein emotional wird die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte etwas ganz besonderes sein. Auch sein Vater wird ab 18.30 Uhr an der Bande lehnen und das Spiel beobachten. Ob Philipp aber auch dabei ist? „Ich hoffe sehr. Er selbst hofft auch, dass er seine Einsatzzeit bekommt, aber wer tut das nicht. In seiner Heimatstadt wäre es ihm aber auf jeden Fall zu wünschen.“

Für den 1,94 Meter großen Innenverteidiger wäre es nach dem Debüt im Profifußball das nächste große Highlight im Jahr 2019. Diesen Weg hatte niemand vermutet, als Philipp mit nur einem Jahr das erste Mal einen Fußball in der Hand hielt.