Schönebeck l Das Hobby zum Beruf machen. Für viele Fußball der größte Traum. Wenn dann auch noch Anfragen von Vereinen wie Borussia Mönchengladbach oder Arsenal London auf dem Tisch liegen, würden viele Kicker nicht lange überlegen. Anders ist das bei Michael Steffen, dem sportlichen Leiter von Fußball-Landesligist Union Schönebeck. Er hatte Anfragen dieser beiden Vereine, lehnte aber ab. Denn eine „One-Man-Show“ gab es bei Steffen noch nie. Er wollte sich nie in den Vordergrund spielen, weder als Spieler noch als Trainer. Daher erfolgte auch der Schritt zum sportlichen Leiter. „Fußball war schon immer meine Leidenschaft. Ich bin aber ein Mannschaftstyp und in den Vereinen, in denen ich gespielt habe, hat es über viele Jahre hinweg immer sehr gut funktioniert“, sagt Steffen. Die Entscheidung fiel daher gegen einen Wechsel.

Reichlich Erfahrung gesammelt

Selbst der Medizincheck in London war bereits arrangiert, doch bestanden hätte Steffen diesen nicht, wie er im Nachhinein erklärt. „Ich war immer gehandicapt. Meine Knie waren kaputt, schon damals. Dennoch habe ich in dieser Zeit an meinem Maximum gespielt, auch wenn es mehr hätte sein können.“ Doch traurig war Steffen nicht, dass ihm der noch größere Sprung verwehrt blieb. Sein guter Freund Stefan „Paule“ Beinlich hatte ihn einst darauf hingewiesen, dass auf der Insel Interesse besteht. Einen gewissen Ruhm erntet der Kicker dennoch. Dank des Kult-Trainers Eckhard Düwiger, der aus dem kleinen und beinahe gar nicht finanziell unterstützten Verein BSG Bergmann-Borsig zu DDR-Zeiten eine Top-Adresse in Ost-Berlin gemacht hatte, kam Steffen mit Glück zum Profidasein. Das erste Mal 1990 und das zweite Mal 1992 in der Amateur-Oberliga, bevor nach Stationen in der Regionalliga bei Stahl Brandenburg (93/94) und FC Berlin (94-97) der Weg zurück nach Schönebeck führte. Heimatverbunden war Steffen schon immer.

Und in der ersten Saison gelang ihm auch fast ein Rekord. 41 Tore erzielte Steffen für die Elbekicker, dass Knie verhinderte mehr Tore. Den Rekord knackte Steffen trotzdem nicht. „Diesen hält Klaus-Dieter Lehmann aus Gommern. Er durfte 42 Mal jubeln. Den Rekord hätte ich schon gerne gehabt, aber ich gönne es Klaus-Dieter“, sagt Steffen. Von Frust oder Enttäuschung keine Spur. Denn erlebt hat der gebürtige Berliner dennoch einiges.

Vor allem die Pokalspiele gegen Lok Stendal und Magdeburg sind präsent. „Ich bin im Winter nach Schönebeck gekommen und die ersten Pokalspiele haben wir noch auf Schotter absolviert“, erinnert sich Steffen. Im Landespokal-Halbfinale wartete dann der FCM. „Das war verrückt. Unser Keeper Markus Henke hielt einen Elfmeter und ich schoss das Siegtor“, so Steffen, der eigentlich als Mittelfeldspieler begann, durch seine Torgefahr aber schnell zum Stürmer umfunktioniert wurde.

Auch wenn es für den ganz großen Coup nicht reichte, bleibt Steffen bescheiden: „Wir hatten in diesen Zeiten eine richtig gute Mannschaft. Es waren viele gute Kicker aktiv und daher hat es immer viel Spaß gemacht.“

Nach der aktiven Karriere zog es Steffen zunächst an die Linie. Nach Stationen beim Burger BC, in Gerwisch, Oschersleben und beim VfB Ottersleben ging der Weg zurück nach Schönebeck, zum damaligen SSV. Doch auch um diese Position hat sich Steffen nicht gerissen. „Gebettelt habe ich nie. Wenn war ich sowieso lieber Spieler.“

Nach einer erfolgreichen Spieler- und Trainer-Karriere kam der Schritt zum sportlichen Leiter. Steffen agiert nun wieder im Hintergrund, zieht die Fäden bei Union Schönebeck. Mit den verpassten Chancen befasst er sich nicht mehr. „Mit ein bisschen Glück wäre mehr möglich gewesen. Dennoch gab es viele schöne und wenige negative Momente in meiner Karriere“, resümiert der sportliche Leiter rückblickend.