Calbe l Beobachter hätten schwören können, dass noch in einigen Metern Entfernung die Verwirbelungen in der Luft zu spüren waren. Derart heftig ruderte Ronny Krause mit den Armen. Calbes Mann auf Halblinks erkannte an diesem Samstagabend nach etwas mehr als 50 Minuten, dass es Zeit war, die Fans ins Boot zu holen. Die Südkurve trommelte und trötete fortan in der Schlussphase des Heimspiels gegen den BSV 93 Magdeburg tatsächlich ein paar Dezibel lauter, bedachte strittige Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns Marcel Hanner/Danny Trumpf (HSG Altmark West) mit ohrenbetäubenden Pfeifkonzerten. Doch auch die elektrisierende Atmosphäre verhalf der TSG nicht mehr zum Sieg.

Ging es nach Trainer Hannes Krausholz, hatten Gefühlsregungen seine Sieben überhaupt erst in den Schlamassel geführt: „In der ersten Halbzeit, bis zur 20. Minute, war es ganz klar ein Schritt nach vorn zu unseren vorangegangenen Auftritten. Aber dann lassen wir uns irgendwann vom BSV auf die emotionale Schiene ziehen. Sportliche Brisanz und räumliche Nähe zum Gegner hin oder her, das hat unserem Spiel nicht gut getan.“

Das ganze Dilemma verdeutlichten die letzten fünf Minuten: Maximilian Weiß hatte gerade die 26:25-Führung der Hausherren zurückerobert. Anschließend verstrickten sich John Bade und Felix Kralik in ein Scharmützel an der BSV-Bank. Der Magdeburger sah die Rote Karte, Kralik wurde mit einer Zwei-Minuten-Strafe bedacht. Per Doppelschlag warf Jens Osterloh die Gäste zum 27:26 (58.), ehe Kralik nach einer Auszeit erst mit der falschen Passeröffnung im drohenden Zeitspiel aufwartete, nur um 40 Sekunden vor Ultimo selbst den glücklichen Ausgleich zu besorgen.

Das Schicksal winkte den Saalestädtern noch einmal zu: Beim folgenden BSV-Angriff erkannten die Unparteiischen zunächst auf Stürmerfoul, revidierten die Entscheidung dann aber und entschieden auf Freiwurf zugunsten der Landeshauptstädter. Auch wenn der Versuch nichts mehr einbrachte, fehlten den Calbensern so am Ende wertvolle Sekunden, um selbst den „Lucky Punch“ zu landen.

Verletzungsunterbrechung als Knackpunkt

Dass die Gastgeber im geschilderten Zeitraum selbst nur zwei Treffer erzielten, stand sinnbildlich für den Auftritt in der zweiten Halbzeit. BSV-Torhüter Kevin Dreiling hatte mit neun Paraden nach dem Seitenwechsel seinen Anteil am Richtungswechsel der Partie, doch insgesamt traf die TSG in der Hitze des Gefechts zu oft die falsche Entscheidung oder scheiterte schlicht im Wurf.

Rückblickend hätte es dazu gar nicht kommen müssen, wäre das Konzentrations-Level der Calbenser nicht nach 20 Minuten auf jenes der nachmittäglichen Kaffeetafel zurückgekehrt. Nach einer schweren Verletzung von Magdeburgs Till Wagner samt Einsatz des Notarztes musste die Partie in der ersten Hälfte für knapp eine halbe Stunde unterbrochen werden. Ohne Frage eine unglückliche und unschöne Situation, aus der jedoch der BSV zynischerweise den größeren Nutzen zog. „Diese Pause hat uns nicht gut getan. Wir waren zuvor komplett präsent, standen gut in der Abwehr und sind in den Gegenstoß gekommen. Vorn haben wir das Spiel breit gezogen und die Außen in gute Wurfpositionen gebracht“, blickte Krausholz zurück. 6:5- (9.) und 11:8-Führungen (19.) gaben der Einschätzung Recht.

Die Schlussminuten der ersten Hälfte lieferten allerdings einen Vorgeschmack auf den weiteren Abend. Mittelmann Mathias Walther, der bis dahin klasse Regie geführt hatte, verstrickte sich fortan zu sehr ins Kleinklein. Während Linksaußen Weiß am Ende siebenfach traf, netzten Maximilan Wiedon und Felix Recker auf der anderen Seite zusammengenommen nur einmal ein. Und fast wäre ein unmotivierter Wurf von Krause noch quasi beim Ertönen der Pausensirene mit dem Ausgleich auf der Gegenseite bestraft worden. Der Bruch im TSG-Spiel war unübersehbar und setzte sich nach dem Seitenwechsel fort.

Hektische Schlussphase

Krausholz reagierte und brachte mit Max Held einen neuen Mann auf Rückraum Mitte. Doch auch der spielintelligente Neuzugang konnte nicht für die erhofften neuen Impulse sorgen. Dass die Landeshauptstädter so über die Zwischenstopps 16:16 (35.) und 20:20 (44.) Morgenluft witterten, lag auch daran, dass sich die Calbenser Abwehr zu langsam auf eine Umstellung im Spiel der Gäste einstellte: „Bis zur Halbzeitpause waren Falko Nowak und John Bade die Aktivposten beim Gegner, was wir neben dem Kreisanspiel auch so erwartet und besprochen hatten. Aber in der zweiten Hälfte hat der BSV konsequent nach rechts abgeräumt, wo wir dann einfach nicht gut stehen.“

So wurde die Schlussphase mitsamt der wechselnden Führung zum Ritt auf der Rasierklinge. Dass am Ende im Gegensatz zur 25:29-Hinspielniederlage wenigstens ein Teilerfolg ins Protokoll einging, war der positivste Aspekt des Abends. Für die hohe Auswärtshürde am Sonnabend, 30. November, beim TuS Radis braucht es fraglos eine abgeklärtere Vorstellung.

Calbe: Bertram, Wiederhold – Walther (2), Barby (1), Krause (6), Gieraths, Rätzel, Schülke, Held (1), Recker, Weiß (7), Kralik (8), Wiedon (1), Reiske (1)

Magdeburg: Dreiling, Walter – Heike (3), Van Steenkiste (2), Bischof, Nowak (11/3), Auerbach (1), Wagner (1), Scheerenberg, Bade (2), Vehse, Lärm (1), Willitzki, Osterloh (6)

Siebenmeter: TSG 0 – BSV 3/3; Zeitstrafen: TSG 4 – BSV 2; Rot: John Bade (55:19; Unsportlichkeit) -Magdeburg