Glinde l  Im Salzland-Derby gegen Landesmeister TSG Calbe ergatterte der GHV beim 31:31 (16:18)-Remis einen wichtigen Zähler im Kampf um den Klassenerhalt. Die Bilder sprachen Bände. Während Maximilian Weiß mit hinter dem Kopf verschränkten Armen und leerem Blick, gefolgt von seinen Mannschaftkollegen der TSG Calbe, die nicht minder bedröppelt dreinschauten, vom Spielfeld schlich, wurde auf der anderen Seite der Elbe-Sporthalle gejubelt. Der Glinder Spielerkreis hüpfte entgegen des Uhrzeigersinns über das Parkett und skandierte „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey...“

TSG startet gut

Während Glinde also einen gefühlten Sieg bejubelte, fühlte man sich im Calbenser Lager wie ein Verlierer. „Wir sind unheimlich enttäuscht. Wir hatten uns aus den Spielen gegen Wolfen und hier in Glinde vier Punkte vorgenommen und das haben wir nicht geschafft“, sagte ein ernüchterter TSG-Trainer Hannes Krausholz. Besonders schmerzlich war das Unentschieden aus seiner Sicht, weil die TSG zunächst alles richtig machte. Über 7:3 (8.) zogen die Gäste auf 10:4 (12.) davon. „Unsere Abwehr und auch das Umschaltspiel haben gut funktioniert. Die Mannschaft hat alles umgesetzt, was wir im Vorfeld besprochen hatten. Doch plötzlich war das alles weg. Warum, das kann ich mir nicht erklären. Vielleicht hat jemand den Resetknopf gedrückt?“, mutmaßte Calbes Trainer.

Und dieser jemand war das Team des Gastgebers. Die GHV-Sieben legte zu und kam sukzessive näher heran. Die Aufholjagd wurde belohnt. Nach 23 Minuten fiel der 13:13-Ausgleich, eine Minute später sorgte Maximilian Kralik für die erste Führung des GHV – 14:13. „Am Anfang hatten wir Schwierigkeiten, aber dann muss ich sagen Chapeau, wie die Mannschaft sich reingebissen und vor der Halbzeit wieder herangekämpft hat, Das war wirklich positiv“, lobte Glindes Trainer Peter Pysall sein Team. Dennoch ging der Favorit aus Calbe mit einem knappen 18:16-Vorsprung in die Halbzeit.

Bilder

Dieser gab den Gästen jedoch nicht die nötige Sicherheit, um nach der Pause weiter nachzulegen. Im Gegenteil – der GHV kam wiederum zum Ausgleich (18:18/33.) und führte nach 46 Spielminuten sogar mit 25:22. „Lasst euch nicht einlullen“, war in dieser Phase in den Reihen der Calbenser immer wieder zu hören. Doch mehrere Faktoren führten dazu, dass sich die TSG-Sieben doch ein wenig einschläfern ließ. Zum einen reizten die Gastgeber bei ihren Angriffen die zulässige Zeit immer wieder massiv aus und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, zum anderen ließen auch die Unparteiischen die Leine diesbezüglich ziemlich lang. Und in dritter Linie packte auch die Gäste-Abwehr nicht energisch genug zu. Zwar wurde Glindes gefährlichster Torjäger Michael Kreyenberg mit einer Manndeckung bedacht, doch in entscheidenden Momenten erkannte der Linkshänder dann doch immer wieder kleine Lücken in der Deckung und nutzte diese zum Beispiel mit sehenswerten Hüftwürfen. „Wir haben es nicht verstanden, seinen Wurfarm richtig zuzumachen“, monierte Hannes Krausholz und fügte an: „Vielleicht haben wir uns wirklich ein bisschen einlullen lassen.“

Glinde träumt vom Sieg

Während das Spiel nun auf und neben dem Feld echte Derbystimmung erzeugte, durften die Gastgeber sogar vom Sieg träumen. Doch dazu kam es am Ende nicht. „Die Brisanz und der Derbycharakter waren zu spüren. Uns hat ein Schuss Cleverness und Abgezocktheit gefehlt, aber die Moral hat gestimmt. Wenn man bedenkt, dass im Vorfeld viele gedacht haben, dass wir mit zehn Toren verlieren, ist das Unentschieden gegen den Vorjahresmeister ein großer Erfolg für uns“, fasste Peter Pysall den Punktgewinn aus Sicht des Gastgebers zusammen.

Indes kam man bei den Gästen zu einer klaren Erkenntnis: „Wir haben ein klares Abwehrproblem“, kommentierte Hannes Krausholz den Hauptgrund für die gefühlte Niederlage.

Glinder HV „Eintracht“: Giesemann, Bartels – Weingarte, Rosemeier (3), Maynicke (3), Max Kreyenberg (1), Kralik (6), Deumeland (3), Tacke (1), Michael Kreyenberg (7), Herrmann (7)

TSG Calbe: Wiederhold, Bertram – Walther, Barby, Ronny Krause (2), Gieraths, Rätzel, Held (2), Kevin Krause (1), Weiß (7), Sowa (3), Kralik (10), Wiedon (4), Reiske (2)

Siebenmeter: Glinde 4/3 – Calbe 4/3

Zeitstrafen: Glinde 6 – Calbe 3