Calbe/Staßfurt l Im Vorjahr gingen beide Duelle an den Landesmeister aus der Saalestadt. Das wollen die Staßfurter nicht erneut zulassen. Links oder rechts? Blau oder rot? Calbe oder Staßfurt? Florian Lück wird vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Beim Derby der Sachsen-Anhalt-Liga zwischen der TSG Calbe und dem HV Rot-Weiss Staßfurt kann der Kreisläufer, der im Sommer von der Saale an die Bode wechselte, zwar gar nicht mitwirken, weil er immer noch an einer Verletzung laboriert, dafür wird er aber erneut auf der Tribüne Platz nehmen.

Und zwar in der Hegersporthalle, die er bestens kennt, kommt er doch aus der Calbenser Jugend. „Er wird uns erst wieder Ende September zur Verfügung stehen. Beim Derby muss er auf der Tribüne Platz nehmen, ich hoffe auf Staßfurter Seite“, beschreibt der Staßfurter Coach Sebastian Retting das Dilemma mit einem Augenzwinkern.

Derby voller Brisanz

Nicht nur diese Personalie zeigt, wie viel Brisanz in diesem Derby steckt. In der Vorsaison waren es auch die Duelle der beiden Salzland-Teams, die um die vorderen Plätze entschieden. Die Calbenser sicherten auch mit diesen zwei Siegen (27:19, 19:16) den Landesmeistertitel, den Staßfurtern fehlten letztlich eben diese vier Punkte im Kampf um den geplanten Oberliga-Aufstieg. Was Retting für diese Spielzeit optimistischer macht, gegen Calbe zu punkten? „Neue Saison, neues Glück“, scherzt er. Mit dieser Lockerheit will er vielleicht auch ein Stück weit sein Team schützen. Denn er weiß: „Die Halle wird voll sein, das geht auch auf die Nerven. So ein Spiel soll keine Belastung sein, wir wollen Spaß haben. Wir werden alles daran setzen, die zwei Punkte zu holen.“

Das gilt aber logischerweise genauso im TSG-Lager. „Wir sind gut gerüstet. Die Staßfurter werden nach den Spielen in der vergangenen Saison ein bisschen Respekt vor uns haben“, gibt der Calbenser Neucoach Hannes Krausholz zu Protokoll. Vom Kader wird es beim Landesmeister ähnlich aussehen wie in der Vorwoche. Doch egal wer aufläuft, der Trainer macht klar: „Wir werden eine schlagfertige Truppe in der Halle präsentieren, um vor 600 oder mehr Zuschauern ein super Freitagabendspiel abzuliefern.“ Dabei richtet Krausholz den Blick gar nicht so sehr in die nur wenige Kilometer entfernte Nachbarstadt. „Wir fassen uns an die eigene Nase und versuchen, unser Spiel auf die Platte zu bringen.“

Teams müssen sich steigern

Auch in die taktische Trickkiste hat der Coach unter der Woche noch einmal gegriffen, wollte aber genauso wenig wie Retting verraten, was dort drin lag. Fest steht, dass sich beide Teams im Vergleich zur Vorwoche steigern müssen. Die Staßfurter holten im Heimspiel gegen Glinde nach einem Sieben-Tore-Rückstand nur einen Punkt. Vor allem die Wurfquote war einem Topteam der Sachsen-Anhalt-Liga dabei nicht würdig. „In diesem Bereich müssen wir 100 Prozent draufpacken“, weiß Retting. „Vom spielerischen Aspekt habe ich keine Sorgen, aber wir müssen die Bälle vorn verwandeln, sonst wird das nichts.“ Ebenfalls appelliert der passionierte Handballer an die Grundtugenden im Sport: „Körpersprache, Bereitschaft und Leidenschaft in Angriff und Abwehr“, will er sehen.

Auch die Calbenser haben sich nach dem 25:29 beim BSV 93 Magdeburg „vor Gesicht geführt, was schief lief“, so Krausholz und wollen im Gegensatz zum Gegner an der spielerischen Komponente, die „zu kurz kam“ im Derby arbeiten. „Wir hatten zuletzt zu viele Passfehler dabei.“

Inwieweit das dann alles eine Rolle spielt bei einer sicher erneut packenden Atmosphäre, ist offen. „Es ist alles angerichtet für ein großes Spiel“, weiß Krausholz. Retting pflichtet bei: „Wir müssen die Fans mitnehmen und das Spiel genießen. Am Ende wird der Cleverere gewinnen.“