Schönebeck l Gemütlich erhebt sich Torhüter Robert Knörich, gekleidet im Trikot der SG Lok Schönebeck, von seiner Couch, schreitet ruhigen Schrittes in Richtung Kühlschrank, kramt eine Flasche Cola heraus, nimmt die Chipstüte vom Tisch und sagt: „Also was ihr da für Übungen macht, brauch ich nicht, ich bin Torhüter.“ Dem herausfallenden Ball wird vorerst keine Beachtung geschenkt. Erst beim Hinausgehen aus der Küche wird das Spielgerät herausgerollt und der Familienhund macht soviel Krach, dass auch Leon Dobertin wach wird. „Die Nachbarn wieder, ey“, sagt der Keeper der SG Lok Schönebeck und legt sich wieder hin. Kreativ zeigten sich die Spieler auf der eigenen Facebookseite und erfuhren durchweg positive Resonanz.

Kontakt geht nicht verloren

„Da wir eigentlich schon trainieren wollten, haben wir uns mal den Acht-Stufen-Plan des Landessportbundes angesehen und ein Punkt heißt: ,Individuelles Training zuhause‘“, sagt Abteilungsleiter Dirk Schedlo. Denn neben den Männern haben auch die Frauen sowie zwei Nachwuchsteams kleine Clips ins Netz gestellt. „Karin Stagge hat jede Spielerin angeschrieben und die Clips zusammengeschnitten und mit Musik hinterlegt hat dann Lilli Hoffmann“, erklärt Schedlo, der sich ebenfalls mit einem kurzen Clip beteiligte. „Wir wollten damit beweisen, dass der Kontakt innerhalb des Teams nicht verloren geht.“

So führte jeder SG-Lok-Akteur eine Aktion aus und rollte den Ball in eine Richtung, wo der nächste Spieler, diesen wieder aufnahm. Nach Beendigung der Übung übernahm der nächste. „Wir haben auf eine ansehnliche und lustige Art und Weise demonstriert, dass wir als Mannschaft dennoch individuell trainieren können“, so der Abteilungsleiter. „Damit wollten wir den Nachwuchs animieren“, erklärt Schedlo die große Idee hinter der ganzen Sache. Und das hat funktioniert.

Spaß hatten auf jeden Fall alle bei der Aufnahme der kurzen Clips. Genau so soll es auch sein, wie Stefan Kazmierowski sagt. Der Coach der Männermannschaft war zwar selbst nicht mit dabei, hat sich das Video aber angesehen und kam zu dem Entschluss: „Mit Sport hatte das ja nicht viel tun. Alle sollten Spaß haben und etwas Lockerheit symbolisieren. Das haben sie geschafft. Es ist eine schöne Idee. In denke, in der jetzigen Zeit ist es wichtig, die Dinge nicht ganz so Ernst zu sehen“, macht der Übungsleiter deutlich. Mitverantwortlich bei den Herren war dabei Knörich selbst, der „eine gewisse Affinität für diese Dinge hat, egal ob Fotos oder Videos“, gibt Kazmierowski eine weitere Leidenschaft des Keepers Preis. Allgemein kamen die Videos in den sozialen Netzwerken sehr gut an. „Es gab eine durchweg positive Resonanz. Ich habe das Video einer Person gezeigt, die mit Handball nichts am Hut hat. Sie war hellauf begeistert“, sagt Schedlo. Damit das Interesse weiter bestehen bliebt, wollen die Schönebecker das Video weiter publik machen. „Es soll für Leute sein, welche Interesse haben. Denen wollen wir zeigen, dass wir trotz der Pause weiter aktiv bleiben.“

Hoffnung auf Training im Freien

Ab der kommenden Wochen ist es dann auch gut möglich, dass das Training im Freien in Kleinstgruppen wieder möglich ist, so viel konnte der Abteilungsleiter bereits verraten. Eine endgültige Entscheidung hat der Verein jedoch noch nicht gefällt. Doch Schedlo gibt allen Teams einen Grund zur Hoffnung, denn der Abteilungsleiter sieht kaum Probleme für das Training. Und während das Training noch warten muss, wurde die kommende Spielzeit bereits vorbereitet, so viel konnte Dirk Schedlo bereits verraten, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Mit den kleinen Videos haben es die Schönbecker geschafft, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Inwieweit die Übungen etwas gebracht haben, können sie bald auch in Gruppen beweisen.