Schönebeck/Calbe l Eigentlich sollte bei den Sachsen-Anhalt-Liga-Handballern der SG Lok Schönebeck alles anders werden nach den zwei zurückliegenden, verkorksten Spielzeiten. Spielerisch ist das der Fall, aber wie bereits im Frühjahr stoppt die Unterbrechung der Spielzeit aufgrund der Corona-Pandemie den Spielfluss. Doch sowohl die Spieler als auch die Verantwortlichen sind im Hintergrund aktiv, denn Individualsport ist erlaubt und wird auch gerne in Anspruch genommen. Im Frühjahr machte die Abteilung Handball mit einem spaßigen Video auf sich aufmerksam, in dem verschiedene Übungen mit viel Freude gezeigt wurden. „Ein Mal ist das Ganze auch lustig, doch da muss man aufpassen. Wenn es zu oft passiert, reagiert niemand mehr drauf“, sagt Stefan Kazmierowski, Coach der SG Lok.

Keine Trainingspläne

Aber auch wenn die Kamera nicht mitläuft, sind seine Spieler aktiv, auch wenn der große Anreiz fehlt. „Es gibt kein Ziel, denn keiner weiß, wann es weitergeht. Daher ist das Verlangen klein und die Motivation nicht gegeben“, so der Coach. Er weiß zwar, dass einige Spieler sportlich unterwegs sind, aber „ansonsten belassen wir es dabei. Zwänge oder Pläne haben wir nicht aufgestellt“, erzählt Kazmierowski, der per Telefon in regem Austausch mit seinem Trainerkollegen Christian Stark steht. „Wir reden viel über Handball, doch ein richtiger Orientierungspunkt fehlt einfach.“ In diesen Gesprächen wird beiden Parteien schnell klar, „dass Handball nicht die erste Geige spielt, eher die dritte.“

Es gibt eben wichtigere Sachen, die in Zeiten von Corona an oberster Stelle stehen. Nicht zu verhindern war somit auch die Unterbrechung der laufenden Saison. Diese traten die Schönebecker mit einem echten Dämpfer an: „Das war schade. Gegen den Post SV Magdeburg wurden wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt“, so Kazmierowski, denn die 28:30-Heimpleite wurmt den Coach noch sehr. „Die zwei Punkte fehlen uns einfach, denn wir hatten uns schon mehr erhofft.“

Mit den Spielen gegen Staßfurt (25:33) und Radis (30:28) zeigte sich der Coach zufrieden und hatte auch das Gefühl, „dass wir viel weiter sind“. Doch der Schein trog. „Durch die Pause werden alle aber wieder auf Null gesetzt“, sagt Kazmierowski, der wohl wie alle anderen darauf hofft, dass sie bald wieder dem geliebten Hobby nach gehen können.

Vor allem für das Mannschaftsgefüge wäre es wichtig, weiter am Ball bleiben zu können. Zahlreiche Neuzugänge begrüßte die SG Lok im Sommer. „Laut meiner Erfahrung dauert es gut ein Jahr, bis sich ein Team einspielt. Wir sind aber immer noch auf einem guten Weg“, sagt Kazmierowski. Das liegt aber auch daran, dass die Schönebecker einige Spieler des inzwischen aufgelösten Glinder HV „Eintracht“ begrüßen konnten. Mit dabei sind auch Max und Michael Kreyenberg. Beide „sind eine wahre Größe in der Liga“, meint der Coach. Vor allem der Schönebecker Michael Kreyenberg. Wie schon zu Glinder Zeiten ist er der Top-Torschütze seiner Mannschaft. Eingewöhnungsprobleme gab es keine.

Damit haben auch die „Nachbarn“ aus der Saalestadt kaum Probleme. Der Stamm des Teams kennt sich seit Jahren. Und die Idee mit einem lustigen Video haben sich die Calbenser zum Anlass genommen, ihren Unterstützern eine frohe Weihnachtszeit zu wünschen. Die Spieler und Betreuer haben sich lustige Kostüme angezogen und Übungen gezeigt. TSG-Coach Andreas Wiese übernahm die Rolle des Weihnachtsmanns, der eine Tanne schulterte. Eine gelungene Abwechslung in Zeiten, in denen der Spaß durch notwendige Einschränkungen zu kurz kommt.

Wiese vertraut bei seiner Mannschaft auf „Selbstverantwortung. Je besser sie sich individuell vorbereiten, umso schneller kommen wir wieder in Gange, wenn es wieder losgeht“, so der Handball-Fachmann. Aber auch an der Saale gibt es keinen Zwang, denn ähnlich wie Trainerkollege Kazmierowski hat auch Wiese „kein Ziel vor Augen. Daher macht es wenig Sinn, der Mannschaft Aufgaben aufzuerlegen.“

Aus der ersten Corona-Pause kamen die Calbenser gut, wie die Resultate belegen: Vier Spiele, vier Siege. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Dennoch befinden wir uns in einer Entwicklungsphase, da können Fehler passieren“, sagt Wiese. Doch davon waren bisher nur wenige zu sehen. Daher ist es für Wiese „schade, dass nun wieder eine Unterbrechung ansteht. Es wird schwer, wieder in den Rhythmus zu kommen.“ Die Spiele gegen die Top-Teams aus Staßfurt und Spergau warten nämlich noch auf die Saalestädter. Wann das der Fall ist, steht jedoch noch in den Sternen. „Aber für alle geht es nach der Pause wieder von vorne los“, weiß der Coach.

Bisher lief alles nach Plan an der Saale. Einen gewissen Anteil daran hat auch Maximilian Weiß, zumindest beim Blick auf die Statistiken. Von der Siebenmeterlinie ist der Mann mit der Nummer 23 unschlagbar. Alle bisherigen zehn Versuche brachte Weiß im Kasten unter. „Da ist das Team auch dran beteiligt, denn die sorgen dafür, dass wir Siebenmeter bekommen. Bei Max ist es dann die Kunst, dass er so gut wie jeden Wurf beherrscht. Technisch wurde er im SCM-Nachwuchs stark ausgebildet.“ Doch nicht nur der Siebenmeterschütze überzeugt Wiese. „Wir haben einen starken Rückraum. Der Fokus bei allen passt.“

Daher hofft nicht nur Wiese, dass es bald wieder weitergeht, sondern auch die unzähligen Amateure im gesamten Bundesland.