Salzlandkreis l Wehende Fahnen an Autoscheiben, überdimensionale Deutschlandfahnen an den Balkonen oder der Motorhaube am Fahrzeug. Überall Menschen, die sich zum Public-Viewing treffen, um den Nationalhelden frenetisch zu zujubeln. All dies macht unter anderem eine Europameisterschaft aus. In Zeiten der Corona-Krise wird es diese Bilder aber nicht geben. Denn die Europameisterschaft (EM), die im Jahr 2020 in zwölf verschiedenen Städten in Europa und Asien stattfinden sollte, wird um ein Jahr verlegt und findet somit im Juni und Juli 2021 statt. „Die Gesundheit aller Beteiligten hat höchste Priorität und es soll vermieden werden, dass die in die Ausrichtung von Spielen involvierten nationalen Behörden unnötig unter Druck gesetzt werden“, steht auf der Webseite der UEFA (Union of European Football Associations) geschrieben.

Ebenfalls verlegt werden die Olympischen Spiele in Tokio (Japan). Der IOC-Präsident Thomas Bach habe diesem Vorschlag in einer Telefonkonferenz am vergangenen Dienstag zu 100 Prozent zugestimmt, heißt es. Nach Kanada hatten auch Norwegen und Australien bereits im Vorfeld angekündigt, die Spiele zu meiden.

Absage als logischer Schritt

Für viele war das bereits ein logischer Schritt, dass sowohl Olympia als auch die Europameisterschaft verlegt werden muss. Denn wenn die Liga zu Ende gespielt werden soll, „muss der Rest ins Wasser fallen“, sagte Mathias Rhode von Union Schönebeck zum Thema Europameisterschaft. Und wurde damit teilweise bereits erhört.

Ähnlich sah es auch Christoph Berlau vom MTV Welsleben, der eh verwundert war, dass die Boxer ihre Qualifikation für die Olympischen Spiele noch absolviert haben. Inzwischen wurde aber auch diese unterbrochen. „Viele Experten hatten bereits ihre Meinung dazu geäußert“, so Berlau. Und dieser Rat wurde schlussendlich auch erhört.

Bereits in der Jubiläumsfolge des Doppelpasses haben sich unter anderem Stefan Effenberg, Marcel Reif und Moderator Thomas Helmer über die anstehenden EM unterhalten und sind einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass eine Verlegung absolut notwendig ist. Die 1000 Folge der Sendung hat sich auch Rainer Schulze angesehen und war mit den Meinungen der Gäste vollkommen zufrieden. „Bereits da hatten sie es angekündigt und haben Recht behalten“, so der Abteilungsleiter der TSG Calbe. Eine Verlegung von Olympia war somit schon fast beschlossen.

Denn die Pause hat auch Auswirkungen auf den Vereinsfußball. „Das ist bereits in der Landesklasse ein großes Thema“, sagte Schulze. Je länger pausiert wird, umso länger müssen sich die Saisons bis den Sommer ziehen. Und da wäre sowohl die EM als auch Olympia im Weg.

Ebenfalls für eine Verlegung der Spiele war Christoph Kühne, der sportliche Leiter des VfB Glöthe, schon weit vor der Bekanntgabe der zuständigen Organisationen. „Es müssen wenn alle mitziehen. Eine klare Entscheidung muss fallen“, meinte Kühne. „Sport ist nicht alles.“

Auch Markus Evert stimmte für eine Verlegung der EM. „Da muss die UEFA einfach ein klares Zeichen setzen und die anstehende Europameisterschaft muss verlegt werden“, sagte der Spieler und Pressewart der TSG Unseburg/Tarthun mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen.

Terminplan lässt wenig Spielraum

In Anbetracht des immer enger gestrickten Terminplans, aufgrund der anhaltenden Pause, hatte sowohl die UEFA als auch das Internationale Olympische Komitee kaum eine andere Wahl, als beide Veranstaltungen in einen Zeitraum zu verlegen, in dem die Welt nicht vom Coronavirus beeinflusst ist. Ob das dann der Fall ist, wäre allerdings ein noch weiterer Blick in die sogenannte Glaskugel.