Mit "Willkommen und Abschied" konnte man den abschließenden Auftritt der Handballer des HV Staßfurt vor eigenem Publikum betiteln. Dabei gelang ihnen am Sonnabend ein knapper 26:23 (11:9)-Erfolg gegen die HSG Freiberg, womit das Erreichen des vierten Platzes in der Mitteldeutschen Oberliga feststeht.

Staßfurt l Allzu weit wollte sich HV-Chef Patrick Schliwa kurz nach dem Ende der Partie auf der anschließenden Pressekonferenz nicht aus dem Fenster lehnen. Unabhängig von den anderen Ergebnissen, von den Schliwa zu diesem Zeitpunkt noch nichts wusste, hatten sich die Rot-Weissen mit dem eben erkämpften Sieg über die Sachsen mindestens Platz fünf gesichert, was "unsere beste Saison seit Zugehörigkeit zur Mitteldeutschen Oberliga ist". Als sich wenig später die Kunde von der Niederlage des SV Hermsdorf in Wolfen verbreitete, war die Freude über das Erreichen des Saisonziels mit Rang vier umso größer.

Die zwei Gesichter des HVS - Schwankungen bleiben Manko

Welche Attribute die Staßfurter in dieser Spielzeit auszeichneten, präsentierten sie ihrem Anhang in den ersten zehn Minuten. Aus einer sehr aufmerksamen Deckung heraus und mit klaren Vorteilen im Eins gegen Eins brachten Nils Hähnel (3) und Christoph Frank den Gastgeber mit 4:0 in Führung. Erst nach 10:53 Minuten erzielte Tom Neubert den ersten Treffer für Freiberg.

Hatten sich schon zuvor einige Unachtsamkeiten in das Angriffsspiel des HVS eingeschlichen, führte das erste Gegentor urplötzlich zu einem Bruch. In der Deckung ließ man nun dem Rückraum der Gäste zu viele Freiheiten, wie beim 4:5-Anschluss (15.) durch den dritten Treffer in Folge von Martin Schettler. So war nun auch Staßfurts Keeper Patrick Tuchen, der sich zuvor mit starken Paraden auszeichnete, chancenlos. Vorn suchten Hähnel und Co zu oft den frühen Abschluss oder vertändelten die Bälle durch zu ungenaue Pässe.

Genau diese "zu einfachen Fehler" bemängelte anschließend Staßfurts Trainer Uwe Mäuer, nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Wie ein roter Faden zogen sich die Schwankungen des Teams innerhalb einer Partie durch das ganze Jahr. Das in den Griff zu bekommen und "uns noch mehr zu stabiliserien", darin sah Mäuer die Hauptaufgabe für die anstehende Spielzeit.

So dämpfte er auf Nachfrage von Schliwa, ob man mit mehr Kontinuität eine noch bessere Saison spielen könnte, die Erwartungen. Zu gut kennt der Coach die zwei Gesichter seiner Mannschaft, weshalb "nicht eine bessere, sondern eine konstantere Saison" das Ziel sei.

Auch gegen Freiberg fand der HVS langsam wieder zu seiner Konstanz zurück. Zwar blieb die Fehlerquote auf beiden Seiten hoch, doch der Gastgeber stets mit ein bis zwei Toren in Führung. Als Hähnel, nachdem er gut eingelaufen war und von Frank bedient zum 11:7 (26.) traf, schienen sich die Bodestädter abzusetzen. Doch Freiberg ließ sich nicht abschütteln, verkürzte zur Pause zum 9:11.

Symptomatisch vereinte Kreisläufer Oliver Jacobi innerhalb von mehreren kurzen Augenblicken, wie fragil die Aufmerksamkeit der Staßfurter zuweilen ist. Zunächst stibitzte er dem Freiberg-Spieler den Ball, scheiterte anschließend aber freistehend an Gäste-Keeper Tino Hensel, der den Versuch des Hebers erahnte. So weit, so gut und nicht so gut. Doch den erneuten Abpraller, der ins Seitenaus rollte, wollte Jacobi schnell wieder ins Spiel bringen - so weit, so richtig. Nur agierte er dabei zu ungeduldig, nahm das Spielgerät schon vorher in die Hand und trat dann ins Aus - Ballbesitz Freiberg.

Hälfte zwei bleibt lange eng - HVS rettet Vorsprung in Ziel

Vielleicht bezog sich Mäuer in der Nachschau auch auf diese Szene, als er davon sprach, dass er manchmal einfach nicht wüsste, "was den Jungs durch den Kopf geht". Zu Beginn der zweiten Hälfte überstanden diese eine doppelte Unterzahl. Freiberg realisierte zu keinem Zeitpunkt den Ausgleich, war aber oft nah dran, vor allem ganz zum Schluss der Partie, nachdem Eike Rach den HVS mit zwei Toren zum 25:19 (55.) in Führung gebracht hatte. Mit Manndeckung verkürzte die HSG noch einmal zum 23:25 (57.), weil sie kämpften und Staßfurt mit seinen Chancen fahrlässig umging.

Nach einer Auszeit von Mäuer war es aber Enrico Sonntag vorbehalten, in seinem letzten Heimspiel für den Verein ein Tor zu erzielen. Es war der 26:23-Endstand. Schon zuvor hatte der Rechtsaußen, der Staßfurt nach Saisonende in Richtung Eiche Biederitz (Verbandsliga) verlässt, das Tor des Tages verpasst. Einen Wurf vom eigenem Tor ins leere gegnerische verfehlte nur knapp sein Ziel.

Für Sonntag wird bekanntlich Felix Dietze aus der zweiten Mannschaft in den Kader rücken. "Wir sind stolz darauf, dass wir einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs einbauen können", so Schliwa. Von außerhalb hingegen kam vor der Saison Nilas Praest, der prompt in seinem ersten Jahr von den Fans zum "Spieler der Saison" gewählt wurde, vor Oliver Jacobi und Nils Hähnel.

 

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