Staßfurt l Zuvor hatten die Aktivist-Fußballer eine berauschende Pokalsaison gespielt. Alles begann beim souveränen 6:1-Auswärtssieg bei Motor Süd Magdeburg, gefolgt von zwei Heimerfolgen mit immerhin noch fünf Toren gegen Empor Klein Wanzleben (5:1) und Lok/Vorwärts Halberstadt II (5:0). Insbesondere das Staßfurter Offensiv-Duo Hans-Joachim Hackelbusch und Reinhardt Schellmann sorgte immer wieder für ein Schwindelgefühl in den Köpfen der gegnerischen Abwehr, wenn sie diese mit Köpfchen und flinken Füßen aussteigen ließen. Aber auch die Defensive der Salzländer stand sicher, sodass sie bis zum Einzug in das Endspiel, welcher durch zwei Erfolge gegen Turbine Magdeburg gelang, nur drei Gegentore kassierten.

Auch in den beiden Halbfinals gegen Turbine Magdeburg war es Hackelbusch, der sowohl im Hinspiel, als auch im Rückspiel seine Torjägerqualitäten unter Beweis stellte und die Mannschaft so auf die Siegerstraße brachte.

„Heimvorteil“ für Einheit Wernigerode

So wartete am 3. Mai 1975 das Endspiel gegen Einheit Wernigerode auf die Kicker von der Bode. Die Harzer hatten den ersten Vorteil bereits vor dem Anpfiff auf ihrer Seite. Durch die deutlich kürzere Anreise bestand die Mehrheit der 1300 anwesenden Zuschauer aus Wernigeröder Fans, die ihre Mannschaft von der ersten Minute an nach vorne peitschten. Von der lautstarken Unterstützung angetrieben, begann das Spiel mit aggressiv vorgetragenen Angriffen der Einheit-Offensive. Doch im Laufe der ersten Halbzeit wendete sich das Blatt und die Staßfurter wurden stärker.

Aber mitten in dieser Sturm-und-Drang-Phase traf die „Heimmannschaft“ zur 1:0-Führung, nach einem von der Abwehrmauer abgefälschten Ball.

Die zwei Hälfte begann wie die erste, jedoch erneut ohne, dass die Wernigeröder Kapital aus ihrer Überlegenheit schlagen konnten. Stattdessen waren es die Staßfurter, die durch ihren Torjäger Hackelbusch zum Ausgleich kamen. Aus spitzem Winkel netzte er zum umjubelten 1:1 ein. In der Folge war die BSG Aktivist drauf und dran, die Partie komplett zu drehen, scheiterte mit einer Doppelchance (65., 67.) jedoch am gegnerischen Torwart und der Abseitsfahne des Schiedsrichterassistenten.

Gemeckert über die Entscheidungen der Unparteiischen wurde während der Partie jedoch kaum. Ein Zeugnis der guten Leistung des jungen Magdeburger Schiedsrichters, der das Aufeinandertreffen leitete. Es war Bernd Heynemann, welcher in den folgenden Jahren zum FIFA-Schiedsrichter aufsteigen sollte und 1998 als Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnet wurde.

Hackelbusch hinterlässt bleibenden Eindruck

Kurze Zeit nach der doppelten Möglichkeit von Aktivist waren es schließlich die Spieler der Einheit, die ihre Chancen konsequent nutzen und mit zwei weiteren Treffern den 1:3-Endstand herstellten. Die von Erwin Schmidt trainierten Staßfurter mussten sich letztlich eingestehen, dass Wernigerode an diesem Tag – anders, als noch im Punktspiel nur drei Tage zuvor (1:0) – eine Nummer zu groß war. Man hatte die eigenen Chancen nicht genutzt, sodass die Hoffnung auf den Pokalsieg ein Wunschtraum für die Bodestädter blieb, die sich jedoch immerhin über Rang drei in der Bezirksmeisterschaft hinter Wernigerode und Aktivist Gommern freuen durften.

Und zumindest einer hatte bei den frisch gekürten Pokalsiegern einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Hans-Joachim Hackelbusch. Er wechselte nach 195 Spielen (114 Tore) für Aktivist zur folgenden Saison nach Wernigerode.