Staßfurt l Wasserträger Nick Unger hatte so kurz nach dem Spiel nach seiner Auswechslung nur noch Badelatschen an den Füßen. Im Freizeitmodus war der 21-Jährige aber noch nicht. Er hatte noch eine Aufgabe zu erfüllen. Gerade war das Heimspiel vom SV 09 Staßfurt aus der Landesliga Nord am Sonnabend gegen den SSV Havelwinkel Warnau beim Stand von 5:2 (5:1) für die Gastgeber abgepfiffen worden, da schritt Unger mit großen Schritten zu dem halb gefüllten Wassereimer auf Höhe der Mittellinie und goss diesen kurzerhand seinem Mannschaftskollegen Chris Horstmann über den Kopf.

Zumindest ein Spieler konnte sich so seine verdiente Abkühlung bei Temperaturen um die 30 Grad abholen. Gebraucht hätten die aber alle Spieler. Vor allem die Staßfurter, denen in der zweiten Halbzeit bei hochsommerlichen Temperaturen zunehmend die Luft ausgegangen war. „Da sind wir viel hinterhergerannt“, sagte Trainer Jens Liensdorf. Der SV 09 hatte zwei Gänge zurückgeschaltet.

Sturmlauf in Halbzeit eins

Wobei das mehr als verständlich war. Denn mit einer läuferisch sehr intensiven Vorstellung zogen die Staßfurter im Duell der Aufsteiger Warnau den Zahn. Der stark ersatzgeschwächte Gast lief nur hinterher. Der SV 09 hingegen überzeugte spielerisch auf ganzer Linie und konnte auch seine Torflaute und die Diskussion um die seit Wochen mangelhafte Chancenverwertung mit einem Sturmlauf ad acta legen. Der genauso geplant war. „Wir wollten hohes Tempo gehen von der ersten Minute an. Das war unser Matchplan“, verriet Liensdorf. „Sonst ist es ja meist unser Plan, den Gegner mürbe zu spielen. Das war diesmal aber ein zu hohes Risiko, auch psychologisch gesehen.“ Wegen der zuletzt wenig geschossenen Tore sollten erst gar keine Zweifel aufkommen, das Gedankenkarussell sofort beendet werden. Das gelang vorzüglich.

Schon in den ersten zwei Minuten hatte Matthias Härtl zwei Chancen. In der 7. Minute traf der 36-Jährige dann zum 1:0. Matthias Lieder marschierte auf der rechten Seite in den Strafraum und legte quer. Das war der erste Streich. Zwar kam Warnau schon fünf Minuten später zum Ausgleich durch Torsten Meier, Staßfurt agierte aber weiter im Stile eines Topteams. Markus Müller spielte einen perfekt getimten Pass in die Schnittstelle, Nick Unger blieb cool im Eins-gegen-eins: 2:1 (14.).

Vor allem mit dem überfallartigen Umschaltspiel hatten die Gäste immer wieder große Probleme. „Warnau hat es uns da auch leicht gemacht, weil sie sehr hoch standen“, befand Liensdorf. So fiel auch das 3:1: Maximilian Moye schickte mit einem Befreiungsschlag über 50 Meter aus der eigenen Hälfte Härtl auf die Reise und der traf zum zweiten Mal (20.). Zwei Zählerumdrehungen später erhöhte er mit einem Schuss aus 16 Metern auf 4:1. Und als Müller erneut seine Qualitäten als Vorlagengeber zeigte und in der 28. Minute Felix Jesse in Szene setzte und der ebenfalls cool blieb, stand es nach nicht einmal 30 Minuten schon 5:1.

Hat sich das Problem mit der Chancenverwertung also nun erledigt? „Ich hoffe, dass der Knoten geplatzt ist“, sagte Liensdorf. Einziger Unglücksrabe war Marcus Bolze, der in beiden Halbzeiten einige Chancen liegen ließ und seine engagierte Leistung nicht belohnte. Vor allem spielerisch zeigte Staßfurt aber mit sicherem Passspiel in den ersten 30 Minuten eines der besten Spiele der Saison. Müller und Lieder stachen mit ihrer feinen Ballbehandlung aus einer guten Mannschaftsleistung heraus. Das 2:5 von Warnau (64.) war nur Ergebniskosmetik.

Staßfurt brachte sich so in Stellung für das Endspiel um den Aufstieg in einer Woche beim Tabellenführer SV Westerhausen. Dieser stolperte diesmal nicht, gewann am Sonnabend 4:2 bei Germania Olvenstedt und wahrte den Ein-Punkt-Vorsprung. Das heißt: Den Harzern reicht am Sonnabend ein Remis zum Aufstieg. Das Selbstbewusstsein in Staßfurt, am letzten Spieltag noch am Tabellenführer vorbeizuziehen, ist aber groß. „Ich kann mich erinnern, dass uns vor der Saison keiner auf dem Zettel hatte. Irxleben und Preussen waren die Favoriten“, meinte Liensdorf. Den längeren Atem aber hatte bis jetzt Staßfurt. Jetzt soll der erneute Aufstieg her. Oder wie Liensdorf nach dem Spiel am Sonnabend zum Warnauer Trainerkollegen Ralf Franke sagte: „Ich hoffe, wir sehen uns nächste Saison nicht wieder.“ Wenn der SV 09 eine Liga höher spielen sollte als die Altmärker.

Staßfurt: To. Witte – Moye, Müller, Unger (46. Mähnert), Härtl, Jesse, Schmidt, Bolze (78. Stein), Stachowski, Lieder (74. Oehme), Horstmann

Tore: 1:0 Matthias Härtl (7.), 1:1 Torsten Meier (12.), 2:1 Nick Unger (14.), 3:1, 4:1 Matthias Härtl (20., 22.), 5:1 Felix Jesse (28.), 5:2 Torsten Meier (64.); SR: Sarah Hartmann (Osterwieck); ZS: 101