Atzendorf l Bernhard Knoll schickt derzeit öfter einmal kleine Stoßseufzer gen Himmel. Am Mittwochabend und Donnerstag sagt der Wetterbericht: Es könnte regnen. Ist das der Fall, „bricht für uns die Welt zusammen“, wie der sportliche Leiter vom Landesklassisten ZLG Atzendorf sagt. Um 18.00 Uhr ist das vorerst letzte Mittwoch-Spiel der Blau-Weißen gegen Aufsteiger SV Blau-Weiß Schwanebeck angesetzt. Wenn es nach Knoll geht, dann bleibt es dabei. „Wir können es nicht nochmal ansetzen. Hoffen wir also auf schönes Wetter.“

Ja, in Atzendorf ächzen sie unter der extremen Belastung, die dem langen und harten Winter geschuldet ist. Zum vierten Mal seit Anfang April muss die ZLG an einem Mittwoch ran. Es ist die fünfte englische Woche in Folge. Man versteht also, wenn Knoll sagt: „Die Überbelastung ist für uns im Moment das größte Problem. Dass sich keiner im Spiel verletzt, hat für uns im Moment Vorrang vor dem Ergebnis.“

So ist es auch zu erklären, dass die Atzendorfer den Gegner nicht beobachten ließen. „Vom sportlichen Wert bringt uns das nichts“, meint Knoll. Die Atzendorfer wissen also überhaupt nicht, was sie erwartet. Denn gespielt gegen Schwanebeck hat die ZLG noch nie. Das für Mittwoch angesetzte Spiel ist das Hinspiel. Erfahrungswerte gibt es nicht. In dreieinhalb Wochen steht dann schon das Rückspiel an.

Belastungen trotzen

Klar ist aber: Es wird stressig. Allein wegen der Uhrzeit. „Die meisten Spieler kommen direkt von der Arbeit. Das Spiel wird eine kleine Wundertüte. Wir sind aber guter Dinge“, sagt Knoll. Schließlich trotzen die Atzendorfer der extremen Belastung überraschend gut. Seit fünf Spielen ist Atzendorf in der Liga ungeschlagen. Die vergangenen drei Spiele hat das Team von Trainer Heinz Weile gewonnen.

So wird und muss der Tabellenvierte auch gegen Schwanebeck (13.) mit entsprechendem Selbstbewusstsein auftreten. Trotz erneuter personeller Probleme. Phillip Voigtländer (Sprunggelenk) wird wieder fehlen. „Ich glaube, dass er in dieser Saison kein Spiel mehr machen wird“, so Knoll. Torwart Lukas Fiser muss arbeiten. Für ihn wird Dave Nöpel trotz Oberschenkelproblemen den Kasten hüten, der zuletzt mehr Feldspieler als Keeper war. Immerhin: Die beiden Tschechen Karel Tupy und Petr Hranicka sind vor Ort. Genauso wie der 36-jährige Steffen Linsdorf, der „aushelfen wird“.

Viermal hat er das in dieser Saison bereits erfolgreich getan. Gegen den 1. FSV Nienburg vor viereinhalb Wochen erzielte er als Stürmer sogar zwei Tore. Knoll hat daher auch gar nicht so große Bauchschmerzen, dass Top-Goalgetter Sebastian Tolle heute ebenfalls fehlen wird. Der 25-Jährige, der 17 der 46 Saisontore der ZLG Atzendorf geschossen hat, muss arbeiten. „Aber er hat uns schon am Sonnabend gefehlt. Da ging das auch“, sagt Knoll. Beim SC Seeland gewann die ZLG Atzendorf bekanntlich souverän mit 3:0. „Da waren schon gute Ansätze.“

Und wenn es am Ende kein Sieg wird gegen Schwanebeck, vielleicht nur ein Remis, dann bricht die Welt in Atzendorf auch nicht zusammen. „Das Endspiel im Pokal hat für uns mehr Wert.“ Der eine oder andere Sieg in der Liga wäre aber sicher auch nicht verkehrt.