Nienburg/Staßfurt l Die Szene war eigentlich schon geklärt. Nach einem Angriff des SV 09 Staßfurt, der zum Erstrunden-Duell des Landespokals beim 1. FSV Nienburg gastierte, hatte der Gastgeber schon wieder den Ball. Stephan Hensel wollte diesen am eigenen Strafraum gerade herausschlagen, da zog Dustin Abresche einen kurzen Sprint an und warf sich in den Schuss. Der Ball prallte von ihm ab und landete im Kasten. Mit diesem unglaublichen Willen besorgte der zentrale Mittelfeldspieler das entscheidende 2:0 (74.). Die Partie ging mit 3:0 (1:0) an den Landesklasse-Vertreter, der damit seit langer Zeit mal wieder die zweite Runde des Sachsen-Anhalt-Pokals erreicht.

Doch in der Anfangphase sah es überhaupt nicht danach aus. „Es war ein schwieriger Beginn. Die Nienburger haben viel Druck gemacht und uns keinen Zentimeter geschenkt“, sagte Patrick Stockmann, Co-Trainer des SV 09. Der Staßfurter Keeper Marco Janich parierte bei einem Freistoß von Denis Winter stark (18.) und auch bei der anschließenden Ecke wurde es gefährlich. Doch geklingelt hat es wenig später auf der anderen Seite.

Nach einer Ecke von Marcel Pusch wurde Sven Limpächer allein gelassen und nickte zur Fühurng der Gäste ein (26.). „Das 1:0 von uns war unverdient“, gab Stockmann zu, erkannte danach aber eine Steigerung seiner Elf. Durch Matthias Lieder (38.) oder Marc Burdack (42.) hätten die Staßfurter durchaus noch vor der Halbzeitpause erhöhen können.

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17-Jähriger überzeugt

Nach dem Seitenwechsel gab der favorisierte Landesligist dann den Ton an. Die Staßfurter überzeugten mit einer guten Zweikampführung und starkem Stellungsspiel. Gleich zweimal Szenenapplaus holte sich Tom Krüger ab. Der gerade einmal 17-Jährige überzeugte in der Innenverteidigung. Ein guter und fair geführter Zweikampf gegen den ehemaligen Staßfurter Stefan Stein (53.) und eine per Kopf geklärte brenzlige Situation gegen Winter (68.) waren seine besten Szenen im zweiten Durchgang.

Während den Nienburgern oft das Tempo fehlte, konnten die Staßfurter immer wieder gefährlich kontern. So auch in der 57. Minute, als Limpächer den Ball nach zahlreichen schnellen Pässen an die Latte donnerte. Danach wurde auch der FSV wieder präsenter, ohne allerdings die große Chance auf den Ausgleich zu haben. Einen weiteren Hochkaräter ließ jedoch der SV 09 aus. Nach einer flachen Hereingabe von Lieder traf Härtl ebenfalls den Querbalken. Doch der routinierte Stürmer, seit dieser Saison auch Kapitän, ärgerte sich kaum, wusste wahrscheinlich, dass er immer weiter arbeiten muss, um noch zum Torerfolg zu kommen.

Und so war es auch. Nach der Szene von Abresche zum 2:0 legte Staßfurt nur vier Minuten später nach. Der Landesklasse-Vertreter machte auf und bot so viele Freiräume für die Gäste. Pusch durfte allein auf das Tor zulaufen, legte davor noch einmal quer und Härtl schob zum 3:0 ein (78.). Danach sorgte der 37-Jährige noch für den Latten-Dreierpack der Staßfurter (83.). Auch die Nienburger hatten in der Schlussphase noch zwei gute Chancen, doch die 09er verteidigten es bis zum Ende souverän.

„Als das zweite Tor fiel, haben wir angefangen Fußball zu spielen“, schätzte Stockmann ein. „Dann haben wir das gemacht, was wir uns von Beginn an vorgenommen haben.“ Standen die Gäste schon vorher defensiv gut, gelangen dann auch die Aktionen im Angriff. „Ein großes Lob muss ich der Mannschaft in puncto Disziplin aussprechen. Die Jungs haben sich vom Gegner nicht anstecken lassen.“

Im Derby war es letztlich diese Disziplin, vor allem aber der absolute Wille, mit dem der SV 09 dieses Spiel für sich entschieden hat. Und die Szene mit Dustin Abresche stand eben sinnbildlich dafür.

Tore: 0:1 Sven Limpächer (26.), 0:2 Dustin Abresche (74.), 0:3 Matthias Härtl (78.), SR: Kay Schröter (Kelbra), ZS: 42