Atzendorf l Nach zwei Jahren in der Fußball-Verbandsliga schließt sich Sebastian Tolle seinem Heimatverein an, worüber sich die Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Bernhard Knoll sehr erfreut zeigen. „Sebastian ist ein Atzendorfer Urgestein und hatte auch in den beiden Jahren, die er zuletzt nicht für uns gespielt hat, immer den Kontakt zu mir und der Mannschaft aufrecht erhalten. Er hatte angekündigt, seine Karriere in der Spielzeit 2021/22 bei uns ausklingen zu lassen, umso mehr sind wir nun erfreut, dass es bereits ein Jahr eher geklappt hat.“

Begünstigt wurde die Rückholaktion durch zwei weitere Wechsel: Eric Güttel, der die ZLG in Richtung SV 09 Staßfurt verlässt und Marco Wagner, der den Trainerposten bei Tolles nun ehemaligen Verein, dem Haldensleber SC, aufgibt.

ZLG von Güttel-Abgang überrascht

„Der Abgang von Eric hat uns sehr überrascht, da wir den Eindruck hatten, dass er bei uns sehr gut integriert und zufrieden ist“, sagt Knoll über die bisherige Nummer neun der Atzendorfer. „Ich hätte mir gewünscht, dass er oder die Verantwortlichen des SV 09 auf uns zugekommen wären. Wenn jemand sich sportlich verbessern oder noch einmal etwas Neues ausprobieren will, bin ich der Letzte, der sich da quer stellt. Da hätte ich mir eine bessere Kommunikation gewünscht.“

Knoll sieht die Verpflichtung von Tolle nicht als direkte Reaktion auf den Abgang Güttels, dennoch hält er fest: „Um in der Landesklasse IV zu bestehen, braucht man einen torgefährlichen Angreifer. Das hat Eric in der letzten Spielzeit sehr gut übernommen, insbesondere im Zusammenspiel mit Kai Hänsch hat er wichtige Tore geschossen. Nun hoffen wir, dass Sebastian diese Rolle zumindest genauso gut ausfüllen wird.“

Doch die Gefahr, dass das gerade zu Beginn der neuen Saison noch nicht ganz klappen wird, sieht auch Knoll. Tolle erhole sich noch von einer Verletzung, auf Grund derer er in dieser Spielzeit noch kein Pflichtspiel bestritten hat. „Da gibt es von physischer Seite sicher noch einiges aufzuarbeiten“, so der Sportliche Leiter. Die voraussichtlich noch einige Wochen, wenn nicht Monate andauernde Unterbrechung der aktuellen Spielzeit kommt Tolle und den Atzendorfern in Sachen Regeneration somit gerade recht.

HSC-Trainerwechsel beschleunigt Rückkehr

Was die Rückkehr nun zusätzlich beschleunigte, war der Trainerwechsel, welchen Tolles bisheriger Verein für den Sommer bekanntgab. Marco Wagner verlässt den Verbandsligisten nach Ende der laufenden Saison und wird neuer Chefcoach beim SV Westerhausen. „Herr Wagner hat Sebastian vor zwei Jahren zu Beginn seiner Amtszeit in Haldensleben mitgebracht“, weiß Knoll zu berichten. „Da ist mit dem Weggang nun sicher ein Ansprechpartner weggebrochen, der bei seinem Neuanfang nach dem Kreuzbandriss wichtig gewesen wäre.“

Tolle wollte „es sich selbst noch einmal beweisen, dass er auf Verbandsliga-Niveau mithalten kann“, so Knoll, „aber in meinen Augen hat er das längst bewiesen“. In elf Partien kam der gebürtige Atzendorfer immerhin auf drei Treffer. Seine Torjägerqualitäten kann er nun ab der kommenden Saison wieder bei seinem Heimatverein unter Beweis stellen. Dazu gekommen ist es laut Knoll nicht auf Anfrage des Vereins. „Er wollte wie schon erwähnt in der übernächsten Saison ohnehin wieder zu uns kommen. Nun hat er uns darauf angesprochen, ob es nicht schon ein Jahr eher möglich war. Da haben wir natürlich nicht Nein gesagt.“

Nicht ausschließen möchte Atzendorfs Sportlicher Leiter, dass der stetige Kontakt zwischen Tolle und der Mannschaft dazu beigetragen hat, dass nun alles ganz schnell ging. „Ich gehe davon aus, dass ihm der eine oder andere geschrieben hat, nachdem Erics Abgang bekannt wurde“, so Knoll.

Die Mannschaft, auf die Atzendorfs neue Nummer neun trifft, wird sich dabei kaum von der aus der laufenden Saison unterscheiden. Die Macher bei der ZLG setzen auf Kontinuität und ein Gemeinschaftsgefühl, in das spektakuläre Transfers nicht reinpassen.

„Soweit ich informiert bin, wird es keine großen Veränderungen in unserem Kader geben. Wir arbeiten aber immer daran, einige ehemalige Spieler zu reaktivieren. Beispielsweise Sven Wolter, ein Atzendorfer Urgestein, welches auch in Zukunft zu unserem Kader gehören wird. Wenn sich darüber hinaus jemand uns anschließen möchte, sagen wir nicht nein. Wir gehen aber nicht aggressiv auf andere Vereine oder Spieler zu, um diese von einem Wechsel zu überzeugen. Das passt nicht zu unserer Vereinsphilosophie“, so Knoll.

Zusammenhalt ist keine Selbstverständlichkeit

Besonders stolz ist Knoll darauf, dass der Zusammenhalt trotz der derzeitigen Beschränkungen weiter so gut aufrecht erhalten werden konnte. In Zeiten ohne regelmäßiges, gemeinsames Training sei das „keine Selbstverständlichkeit. Wir sind froh über jeden Spieler, der uns die Treue hält.“

In der kommenden Woche wird der Verein voraussichtlich wieder mit dem Training beginnen. „Unser Vorsitzender Günter Döbbel hat bei der Stadt einen entsprechenden Antrag gestellt, sodass wir endlich wieder gegen den Ball treten können“, weiß der Sportliche Leiter zu berichten. In einer vereinsinternen Videokonferenz soll am morgigen Freitag ein Konzept erstellt werden, wie das Training entsprechend der neuen Regelungen ablaufen kann. „Die Trainingsgruppen werden sich wöchentlich abwechseln, damit alle Spieler untereinander in Kontakt treten und sich nach so langer Zeit wiedersehen können“, so Knoll. Bei diesen geht es weniger darum, sich intensiv, auf den Fußballsport vorzubereiten. „Wann es wieder Pflichtspiele zu bestreiten gibt, kann aktuell ohnehin niemand sagen.“ Vielmehr soll so das Mannschaftsgefüge intakt gehalten werden.

Der Verein baut eben auf Zuverlässigkeit, Zusammenhalt und Kontinuität – Werte, die auch Tolle mitbringt. „Ich kenne ihn schon seit dem Sportunterricht früher, habe ihn selbst unterrichtet. Ich bin mir sicher, dass er bei uns richtig gut reinpasst“, lobt Knoll seinen früheren Schüler. „Er hat bereits bei seinem Wechsel nach Haldensleben gesagt, dass er am Ende seiner Karriere wieder zu uns kommt." Wie man nun sieht, ist auf sein Wort Verlass.