Förderstedt l Neidisch ist der Präsident des SV Förderstedt, Herbert Busch, nicht mal im Ansatz. Dass der SV 09 Staßfurt mittlerweile wieder klar über dem SV Förderstedt steht und in das Derby als großer Favorit geht, sieht er als den „normalen Weg“. In dieser Saison scheint der Abstieg aus der Landesliga für Förderstedt unvermeidbar zu sein. Viel später als es viele vermutet hätten. „Wir haben uns fünf Jahre in der Landesliga gehalten, das ist für so einen kleinen Verein ein riesiger Erfolg. Und das soll uns erstmal einer nachmachen.“

Zweifelsohne wird das in dieser Form kaum ein anderer Club schaffen. Denn beeindruckend ist dabei vor allem, dass der Dorfverein in diesen Jahren stets vor dem SV 09 stand. Dem eigentlich größeren Verein aus der benachbarten Stadt. Davor zollt auch die Gegenseite Respekt. Jens Liensdorf, Coach des SV 09, der auch einige Jahre in Förderstedt aktiv war, der noch im „ständigen Kontakt“ mit dem Ex-Verein steht und unter anderem zu Busch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, schmerzt die jüngste Entwicklung in Förderstedt: „Ich habe ja mitbekommen, wie viel Arbeit, Zeit und Spucke investiert wurde. Mit wenigen Mitteln wurde dort das Maximale herausgeholt. Was dort jetzt passiert, tut auch mir aus der Entfernung weh.“

Die Entwicklung läuft aber eben nicht erst seit dieser Saison in unterschiedliche Richtungen. Dass es in Förderstedt bergab und in Staßfurt bergauf geht und sich das Blatt damit wieder wendet, hat seine Gründe. „Die Voraussetzungen sind völlig verschieden“, sagt Busch. So fehlt Förderstedt beispielsweise der „Unterbau“. Die zweite Mannschaft besteht nur noch aus „Spielern, die aus dem aktiven Alter heraus sind. Da können wir keine Unterstützung erwarten“, so der Präsident. Auch im Jugendbereich gibt es „große Unterschiede“. Während sich in Staßfurt gewachsene Strukturen und zahlreiche Nachwuchs-Teams vorfinden lassen, gibt es in Förderstedt nichts dergleichen.

Bilder

Busch zieht seine Lehren

Da mussten andere Pläne her. Und da „ich mir keine gestandenen Landesliga-Spieler backen kann“ musste Busch auf andere Alternativen zurückgreifen. Die fünf tschechischen Spieler, die in dieser Saison geholt wurden, waren dabei zwar sportlich eine Bereicherung, aber „es hat vom Charakter nicht gepasst“. So trennten sich die Förderstedter mitten in der Saison wieder. „Sie mussten ja diese Schritte gehen. Es hätte auch klappen können“, pflichtet Liensdorf bei. Doch es klappte nicht im Ansatz. Obwohl Busch und der damalige sportliche Leiter Thomas Conrad den Tschechen Arbeit und Wohnung besorgten, wurde daraus nichts. Die Spieler bereiteten nur Ärger. Natürlich zog Busch seine Lehren: „Diese Variante ist vielleicht für zwei Spieler denkbar, aber nicht für so viele.“ Aus Fehlern kann man nur lernen.

Und während in Förderstedt Chaos herrschte, wurde in Staßfurt kontinuierlich gut gearbeitet. „Wir ernten gerade die Früchte unserer Philosophie“, sagt Liensdorf. Denn die Staßfurter ziehen nicht nur immer wieder Spieler aus der Jugend hoch wie Dustin Abresche, Nick Unger oder Lukas Möller. Sie holen auch ehemalige Spieler zurück, die sich während der schwierigen Zeit einem anderen Club angeschlossen hatten, aber nach wie vor zu Verein und Stadt stehen. „Wir haben auf Landesebene Eindruck hinterlassen.“ Und das nicht nur aufgrund des zweiten Rangs. „Das ist ein sehr stabiler Verein, es macht Spaß hier zu arbeiten“, sagt Liensdorf. Und deshalb ist er auch nicht der einzige, der aus Förderstedt nach Staßfurt wechselte. Auch Markus Müller oder zuletzt Marcus Bolze, der beim 4:1 im Hinspiel gegen seinen Ex-Verein einen Doppelpack schnürte, gingen diesen Weg. Andersherum wechselt in diesen Tagen kein Spieler mehr. Verständlicherweise. „Die Förderstedter gehen den einen, wir den anderen, den richtigen Weg“ so Liensdorf. „Ich bin froh, dass ich im richtigen Boot sitze.“

Weil der Abstieg der Förderstedter so gut wie besiegelt ist und der SV 09 in der kommenden Jahren den Aufstieg in die Verbandsliga plant, könnte das Duell wieder das letzte für einige Jahre sein. Umso mehr wollen die Teams die Derbyatmosphäre genießen. Die Ansetzung am Mittwochabend bereitet aber beiden Seiten Bauchschmerzen. „Die Terminierung ist grenzwertig, wir können nicht auf unser volles Personal zurückgreifen“, verrät Liensdorf.

Viel akuter ist die Situation aber auf der Gegenseite. „Ich weiß noch nicht genau, wie wir die Mannschaft voll bekommen sollen. So wie in Irxleben will ich nicht spielen“, verdeutlicht Busch. Beim 0:8 hatten auch Coach Marko Ulbrich und Thomas Conrad ausgeholfen. „Das will ich den beiden nicht nochmal zumuten.“ Die Favoritenrolle ist glasklar. Die Staßfurter wollen sich „keine Blöße geben“ und die Förderstedter „den Schaden in Grenzen halten“. Es scheint fast nur um die Höhe des Sieges zu gehen. Aber auch dabei gilt, auf beiden Seiten: Derbyatmosphäre aufsaugen. So lange es geht. Denn nach dieser Saison werden beide Teams ihren Weg gehen. Aber eben in verschiedene Richtungen.