Westeregeln l Alle in Grün-Weiß schauten sich verdutzt an. Auch Andreas Howahl selbst wusste nicht so genau, was er da gerade gemacht hatte. Im Heimspiel des SV Wacker Westeregeln gegen TuS 1860 Magdeburg-Neustadt war das Verbandsliga-Spiel beim Stand von 27:23 schon entschieden. Der Keeper der Gastgeber wollte dann noch einen Konter einleiten, beförderte den Ball mit einem wuchtigen Wurf nach vorn. Und er zappelte in den Maschen. Zum 28:23-Endstand.„Das sollte eigentlich ein Konter werden“, sagte der ungewöhnliche Torschütze selbst.

Dass ein Keeper trifft, ist sicher nicht alltäglich. Dass Howahl den Ball aber aus dem eigenen Kasten in den Winkel gegenüber platzierte, machte es zu einer ganz besonderen Geschichte. „Das war wirklich stark“, lobte Co-Trainer René Loewe. „In der ganzen Halle wurde es danach sehr laut.“ Eine Kuriosität ist dabei auch der Gegner. Drei Tore erzielte Howahl bereits in seiner Karriere. Allesamt gegen TuS. Nachdem er 2007 und 2016 schon in der Landeshauptstadt traf, gelang ihm das nun auch in der eigenen Halle. Es war der Schlusspunkt eines schönen Nachmittags für alle, die es mit dem SV Wacker hielten. In der Verbandsliga verbessern sich die Grün-Weißen damit auf den sechsten Rang.

Davon ab gab es für Loewe aber gar nicht so viel Positives zu beobachten. „Wichtig war, dass wir gewonnen haben. Mit der Art und Weise bin ich nicht zufrieden. Es war ein Arbeitssieg.“ Doch was konkret meinte Loewe damit? „Wir haben zu viel verworfen. Der Torwart der Gäste hat sehr gut gehalten.“ So war es den Gastgebern nicht möglich, sich abzusetzen. Das Spiel ging sehr ausgeglichen zu (9:9, 17.). Dazu kamen laut dem Co-Trainer noch „viele Zeitstrafen durch Undiszipliniertheiten“. Dadurch geriet Wacker immer wieder „unnötig in Unterzahl“. Zwar konnte Westeregeln wieder auf drei Tore wegziehen (12:9, 21.), doch sich nie weiter absetzen.

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Klockmann

Das lag auch an Jimmy Klockmann, der „nicht seinen besten Tag erwischte“, so Loewe. Der beste Torschütze der Westeregelner hatte sich bis zur 22. Minute schon zwei Zeitstrafen eingehandelt. Entsprechend musste der Gastgeber ihn dann schonen, um nicht den Feldverweis zu riskieren. „Nur“ fünf Treffer waren die Folge. Bis zur Mitte der zweiten Hälfte verspielte Wacker die Drei-Tore-Führung, TuS kam durch Janis Koch wieder auf 19:20 heran (45.). „Wir haben die Hüftwürfe des Gegners nicht verteidigt bekommen, das hat uns immer wieder zurück geworfen“, berichtete Loewe.

In dieser Phase kamen dann aber auch wieder die Schwächen im eigenen Abschluss zum Tragen. So bekamen die Gastgeber in der 46. Minute gleich zwei Siebenmeter zugesprochen. Beide wurden jedoch vergeben. Sowohl Tino Fischer als auch Christian Jakobi scheiterten. Erst in den Schlussminuten konnten sich die Grün-Weißen erneut absetzen und die Führung dann auch über die Zeit retten. Das Howahl-Tor war dann die Krönung einer guten Schlussphase. Und wer dachte, dass dieser Treffer nur symbolischen Wert hatte, der war falsch gewickelt. „Das war ein wichtiges Tor“, bekräftigte auch Loewe. Warum? Das Hinspiel in Magdeburg ging mit 23:27 verloren. Mit diesem einen Treffer mehr hat Wacker also den direkten Vergleich hauchdünn gewonnen. Und dieser könnte für die Abschlusstabelle noch sehr wichtig werden.

Wacker: Howahl - Linke, Liebscher, Garbaczok (4), Chrzan (2), Gorges (1), Fischer (5), Schneider (6), Klockmann (5), Kuhle (2), Jakobi (2), Zeidler, Sera

Siebenmeter: Wacker 7/3 - TuS 2/1 Zeitstrafen: Wacker 6 - TuS 4